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Große Chance für Coole Kicker - Band 4

2016 102 Seiten

Leseprobe

Über dieses Buch:

Fußball-Profi oder Bolzplatz-Amateur: Für die Coolen Kicker ist kein Gegner unbesiegbar!

Probespiel vor Profikickern! Die Coolen Kicker trainieren wie wild auf ihrer eigenen Fußballwiese, um beim Sichtungslehrgang möglichst gut abzuschneiden. Leider haben sie die Rechnung ohne ihre Gegner gemacht. Als Erstes lassen die ihre Fußballausrüstung mitgehen. Dann hetzen sie Eberhards Schlägertruppe auf sie. Doch die Coolen Kicker drehen den Spieß um und nehmen zusammen mit Hofhund Hasso die Verfolgung auf ...

„Spannend, abgedreht lustig und auch für Mädchen geeignet – die Coolen Kicker punkten in jeder Beziehung.“ FOX KIDS

Über den Autor:

Bis 1996 war Dieter Winkler Chefredakteur der erfolgreichen Computerzeitschrift CHIP. Seitdem widmet er sich ausschließlich dem Schreiben. Winkler unterhält mit spannungsladenen Kurzgeschichten und Romanen, deren Themenspektrum sich zwischen Fantasy und Internet erstreckt.

Dieter Winkler veröffentlichte bei jumpbooks auch die folgenden eBooks:

1:0 für Coole Kicker
Harte Zeiten für Coole Kicker
Gefahr für Coole Kicker
Die Coolen Kicker punkten wieder
Heißes Spiel für Coole Kicker
Freistoß für Coole Kicker
Coole Kicker im Siegesrausch

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eBook-Neuausgabe April 2016

Copyright © der Originalausgabe 2002 by Verlag Carl Ueberreuter, Wien

Copyright © der Neuausgabe 2013 dotbooks GmbH, München

Copyright © 2016 jumpbooks. jumpbooks ist ein Imprint der dotbooks GmbH.

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Titelbildgestaltung: Tanja Winkler, Weichs

E-Book-Herstellung: Open Publishing GmbH

ISBN 978-3-96053-102-9

***

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Dieter Winkler

Große Chance für Coole Kicker

jumpbooks

KAPITEL 1

Eberhard versuchte ihm den Ball abzujagen. Aber Frank zog so blitzschnell an dem Jungen vorbei, dass dieser gar nicht begriff, wie ihm geschah. Die Zuschauer tobten vor Begeisterung, als er auch noch Thomy und zwei weitere Verteidiger austrickste und aufs Tor zustürmte wie seinerzeit Pelé beim WM-Spiel gegen Italien.

Der Torwart sah ihm aus schreckgeweiteten Augen entgegen. Er kannte Frank, wusste, dass er der gefürchtetste Spieler der Nationalelf war und es kaum möglich war, einen von ihm abkatapultierten Ball zu halten.

Kurz bevor Frank zum Schuss kam, stürmte Eberhard mit hochrotem Gesicht erneut heran. Wahrscheinlich wollte er ihn in letzter Sekunde foulen.

»Pass auf!«, schrie Guido hinter ihm.

Aber es war schon zu spät. Gerade, als Frank das runde Leder in Richtung linkes oberes Toreck drosch, prallte Eberhard gegen ihn.

Frank wurde von den Beinen geholt. Er stürzte zur Seite und hätte sich sicherlich schwer verletzt, wenn er sich nicht im letzten Moment mit einer perfekten Judorolle abgefangen hätte. Eberhard trat nach ihm und die Menge johlte und tobte, weil Frank tatsächlich der Führungstreffer gelungen war – aber auch, weil sich Eberhard auf brutalste Weise zu rächen versuchte.

Frank kam mit einer blitzschnellen Bewegung wieder hoch Aber Eberhard dachte gar nicht daran, ihn in Ruhe zu lassen. »Ich krieg dich, du Ratte!«, brüllte er, während er versuchte, Frank mit einem weiteren Karatetritt umzunieten.

Frank konnte jedoch nicht nur viel besser Fußball spielen als Eberhard, er war auch beim Kämpfen schneller und geschickter als der kräftige Junge. Aber als er auswich, schepperte irgendetwas, und als er hochsah, bemerkte er erboste Zuschauer, die Flaschen und Essensverpackungen auf den Platz schmissen.

Wo bleibt eigentlich der Schiedsrichter?, fragte sich Frank verzweifelt, während der Lärm um ihn zu einem ohrenbetäubenden Krach anschwoll.

Da war Eberhard heran – nein, eigentlich flog er gerade zurück, weil ihn ein kraftvoller Fußtritt von Frank getroffen hatte – nein, da war er wieder, packte ihn an den Schultern und rüttelte ihn mit aller Kraft.

»Wach endlich auf, verdammt noch mal!«, schrie er.

»Nun komm doch endlich zu dir!«, schrie die Stimme. Sie klang merkwürdig hell und weiblich und als Frank die Augen aufschlug, erkannte er seine Schwester Jacki.

Eberhard musste ihn bewusstlos geschlagen haben, denn jetzt lag er in einem Bett – bestimmt in einem Krankenhaus, in das man ihn nach der Schlägerei eingeliefert hatte.

»Was ist passiert?«, keuchte er.

Bevor Jacki antworten konnte, hörte er wieder das Johlen der Menge und das hässliche Geräusch, mit dem die Getränkedosen neben ihm aufs Spielfeld auftrafen. Aber das konnte doch nicht sein! Hatte ihn Eberhard so schlimm erwischt, dass er plemplem geworden war ...?

»Die Idioten nehmen die ganze Nachbarschaft auseinander«, keuchte Jacki. »Das musst du dir einfach ansehen!«

Frank richtete sich vorsichtig auf, doch die erwarteten Kopfschmerzen blieben aus. »Von was sprichst du eigentlich?«

Jacki seufzte. »Du bist wohl noch nicht ganz wach? Heute ist doch Freinacht – die einzige Nacht im Jahr, in der Jungendliche ungestraft allen möglichen Krempel aus den Gärten verschleppen dürfen!«

»Oh, verdammt«, keuchte Frank »Dann haben wir ja die Nacht zum ersten Mai. Und im Mai haben wir ...«

»Den Sichtungslehrgang in Bergkirchheim.« Jacki seufzte. »Ihr Coolen Kicker quatscht ja nur noch davon, wie geil es wäre, gleich von Bayern München entdeckt zu werden.«

»Unterhaching oder 1860 wäre auch nicht schlecht.« Frank schüttelte benommen den Kopf. Er hatte einen irren Fußballtraum gehabt, aber die Geräuschkulisse war geblieben ...

Mit einem Satz war er beim Fenster. Ein wahrhaft ohrenbetäubender Lärm scholl ihm entgegen. Die beiden Kinderzimmer lagen auf der Nordseite, während seine Eltern ihr Schlafzimmer auf der Südseite hatten, sodass sie von dem Getöse wahrscheinlich gar nichts mitbekamen.

Jacki grinste spöttisch. »Nur gut, dass Papa deine Quietschentchen in die Garage eingeschlossen hat.« Jacki wollte ihn damit nur wieder mal aufziehen, doch Frank stieg voll drauf ein.

»Quietschentchen?« Frank zog eine Augenbraue hoch. »Du meinst wohl deine Gartenzwerge?«

»Die Gartenzwerge gehören Mama«, sagte Jacki würdevoll. »Und die sind jetzt in der Garage wie alles andere auch, was man verschleppen könnte ...«

»Schade«, knurrte Frank. »Ich wär gar nicht böse gewesen, wenn die kitschigen Wichtelmännchen in der Freinacht auf Nimmerwiedersehen verschwunden wären.«

»Blödmann.«

»Wieso? Letztes Jahr haben die abgedrehten Typen nicht nur die Mülleimer und Fußmatten verschleppt, sondern auch alle Gullydeckel abgehoben. Was meinst du, wie leicht dabei ein paar Gartenzwerge ins Abwasser fallen können natürlich nur so ganz aus Versehen ...«

Jacki hörte ihm gar nicht zu. Sie starrte fasziniert auf die spärlich beleuchtete Straße. »Da geht heute echt der Bär ab.« Sie deutete nach unten. »Sieh dir das mal an! Die schleppen bei Meiers sogar die Gartenbank raus!«

»Mitsamt der Oma, die da immer drauf sitzt?« Frank beugte sich ein Stück vor und blickte staunend auf zwei kichernde Jugendliche, die die Gartenbank von einem Grundstück zum nächsten trugen. »Komisch, dass sich Oma Meier das entgehen lässt«, witzelte er. »Sie ist doch sonst für jeden Spaß zu haben. Und bei so einem alten Brauch wie der Freinacht ... Eh, was ist das?« Frank fiel vor lauter Überraschung der Unterkiefer herunter. »Da sind ja Eberhard und Thomy!«

Er wirbelte herum, rannte zur Treppe und sauste wie ein Blitz hinunter. Da Eberhard und Thomy die schlimmsten Feinde der Coolen Kicker waren, hatten sie bestimmt eine größere Gemeinheit vor, als sich an ein paar Gartenwichteln zu vergreifen ...

Frank entriegelte die Haustür und stürmte nach draußen. Mit nackten Füßen lief er den kalten Betonweg entlang, bis er das Gartentor erreichte.

»Verdammt«, fluchte er.

Zwar war aus weiter Ferne das Lachen und Johlen von ein paar Jugendlichen zu hören, die gerade irgendwelche Späße trieben. Aber zu sehen waren weder die Randalierer noch Eberhard und Thomy. Trotzdem war sich Frank sicher, dass er schon bald erfahren würde, welch teuflischen Plan die beiden diesmal ausgeheckt hatten ...

Es sollte bis zum nächsten Morgen dauern, bis sie förmlich mit der Nase darauf gestoßen wurden. Die Geschwister hatten gerade das Haus verlassen und drehten sich noch einmal zum Küchenfenster, um ihrer Mutter zuzuwinken, als Jacki einen spitzen Schrei ausstieß.

»Sieh dir das an!«, kreischte sie. »Das ist ja wohl 'ne absolute Sauerei.«

Frank begriff im ersten Moment gar nicht, was sie meinte. Doch dann fiel sein Blick auf das hell gestrichene Garagentor. »Ups«, machte er.

KIKERIKI – EUCH KICKER MACHEN WIR HIE! stand in einer ekelhaften braunen Schmiere auf dem Tor. »Ist das etwa ...?«, fragte Jacki fassungslos.

Frank nahm allen Mut zusammen und trat schnuppernd einen Schritt näher heran. »Ne, das ist nicht das, was du denkst.« Er schnupperte nochmals. »Den Geruch kenn ich von meinem Frühstücksbrot. Das ist Nutella.«

»Garagentor mit Nutella – bääh! Das schmeckt doch nicht.«

Frank nickte grimmig. »Diese Geschmacklosigkeit werden wir Eberhard heimzahlen. Vielleicht haben ja Guido und Jan dazu die passende Idee!«

KAPITEL 2

Vor dem Unterricht trafen sich Jacki und die Coolen Kicker am Eingang zum Fahrradkeller. Der blonde Jan stürmte mit hochrotem Gesicht auf die Geschwister zu und Guido schlenderte so sauer heran, als hätte man ihm zum Frühstück Knoblauch unter die Cornflakes gemischt.

»Oha.« Jacki legte den Kopf schief. »Ich glaube, die haben auch eine Begegnung der dritten Art hinter sich.«

»Ihr müsst euch mal den Mist ansehen, den uns jemand ans Garagentor geschmiert hat!«, schimpfte Jan, kaum dass er die Geschwister erreicht hatte. »Irgendwas von gackernden Hühnern und blöden Kickern.«

»Kikeriki – euch Kicker machen wir hie«, vermutete Frank

»Ganz genau. Aber woher weißt du ...?«

»Das ist doch wohl klar, oder?« »Professor« Guido verschränkte die Arme vor der Brust. »Weil Frank den gleichen Spruch am Garagentor stehen hat. Ich übrigens auch.«

»Wir haben die beiden Blödmänner sogar vor unserem Haus rumlaufen sehen!«, sagte Jacki.

Jans Augen funkelten vor Wut. »Das finde ich aber überhaupt nicht lustig. Wenn Eberhard auch ein paar coole Sprüche hören will, dann kann er sie bekommen. Jetzt gleich und unter Begleitung meiner Faust!«

»Nur nichts überstürzen!«, warnte Guido.

»Willst du den Idioten das etwa durchgehen lassen?«

»Wie bist du denn drauf?« Guido grinste breit. »Lass uns lieber auch was ganz Hinterhältiges und Gemeines ausdenken, um uns zu rächen.«

»Faust auf Schnauze finde ich gemein genug«, beharrte Jan.

»Du hast wohl immer noch nichts begriffen?« Guido blickte Jan hochmütig an. »Gewalt ist was für Idioten. Es ist doch viel besser, Eberhard eine reinzuwürgen, dass es ihn voll von den Socken haut.«

»Wenn wir das schaffen ...?«

Guido grinste siegessicher. »Sicher schaffen wir das. Wir wollten heute Nachmittag ja sowieso auf unserer eigenen Fußballwiese trainieren. Treffen wir uns also um vier dort und bereden alles weitere.«

Als sie nach ausgiebigem Garagentor-Schrubben am frühen Nachmittag Wilnshagen verließen, um mit ihren Rädern Richtung Mühlenforst hoch zu strampeln, waren Jacki und die drei Jungs voll geladen. Die Schmierereien an den Toren zu beseitigen war harte Arbeit gewesen. Dafür sollten Eberhard und Thomy bezahlen.

»Hast du denn was Heimtückisches auf Lager, Professor?«, fragte Jan hoffnungsfroh, als sie auf den zu ihrer Wiese führenden Feldweg einbogen. »Ich mein irgendwas, wie wir Eberhard platt wie 'ne Wanze kloppen können?«

»Ich brüte«, brummte »Professor« Guido.

»Dann brüte mal ein bisschen schneller ...«

Jacki lachte laut auf. »Ich weiß, was wir tun. Wir hauen jede Menge Nutella in eine alte Regentonne und tunken die beiden kopfüber rein.«

»Und dann müssen sie sich durchfressen.« Jan kicherte. »Denen soll es so übel werden, dass sie künftig schon beim Anblick eines Nutellaglases einen Schreikrampf kriegen.«

»Wo wir gerade von ›übel werden‹ reden.« Guido schloss mit seinem Rad zu Frank auf. »Mir wird ganz übel bei dem Gedanken, dass es nur noch zwei Wochen bis zum Sichtungslehrgang sind.«

»Das heißt ...?«

»Das heißt, dass wir heute nicht nur beim Rachepläneschmieden abhängen können, sondern auch das komplette Trainingsprogramm durchgehen werden.«

»Darauf wird der alte Perschke schon bestehen«, meinte Frank leichthin.

Guido schüttelte den Kopf. »Ne. Perschke hat mich vorhin angerufen: Wegen einer Familienangelegenheit musste er überraschend weg – er wünscht uns aber natürlich viel Glück und blablabla.«

»Ausgerechnet kurz vor unserem großen Auftritt«, murrte Jan. »Und was machen wir jetzt?«

»Lass dir deshalb mal keine grauen Haare wachsen.«

Guido grinste breit. »In den nächsten zwei Wochen werde ich euch schon auf Trab halten.«

»Nutellatore und jetzt auch das noch«, entfuhr es Jan. »Aber das eine sag ich dir: Lass bloß nicht wieder den Professor raushängen ...«

»Ich lass überhaupt nichts raushängen«, sagte Guido herablassend.

Eine Weile radelten sie wortlos weiter, bis Jacki schließlich erneut auf lachte. »Guckt mal, wer da kommt! Jetzt sind wir endlich komplett.«

Vom Feldweg aus der entgegengesetzten Richtung radelten ihnen zwei nur allzu bekannte Gestalten entgegen. Die eine war klein, trug eine Brille auf der Nase und hatte wild verstrubbelte Haare. An der Seite des Jungen radelte ein groß gewachsenes Mädchen mit frechem Kurzhaarschnitt und rehbraunen Augen, in die Frank stundenlang hätte blicken können.

»Luki und Karin«, stöhnte Jan. »Jetzt können wir wieder mit der Milchtüte trainieren.«

»Ich weiß überhaupt nicht, was du gegen Luki hast«, sagte Jacki. »Der gibt doch beim Fußballspielen immer sein Bestes.«

»Ja, ja, und seinem Papa gehört die Wiese, auf der wir uns unseren eigenen Fußballplatz gebaut haben«, stänkerte Jan. »Aber wenn ihr mich fragt: So kurz vor dem Sichtungslehrgang kann ich niemanden gebrauchen, der mir beim Trainieren durch die Beine wuselt.«

Das Fußballspielen war Franks Leben. Er konnte sich für alles begeistern, was mit Steilpässen, Fallrückziehern und Sturmangriffen zu tun hatte. Aber wenn es außer Fußball und den Coolen Kickern überhaupt etwas gab, das sein Herz erwärmte, dann war es Karin. Deswegen hätte er vor Behagen beinahe geschnurrt, als sie neben ihm zur Fußballwiese hoch radelte.

»Rechnet ihr euch wirklich Chancen bei der Sichtung aus?«, fragte Karin.

»Na klar«, antwortete Frank »Ein toller Erfolg wäre es doch schon, wenn wir für die Auswahlmannschaft des Landkreises entdeckt würden. Profivereine wie Bayern München sind ja fast unerreichbar.«

Karin nickte lächelnd. »Aber was ist, wenn einer von euch zu Bayern München oder Unterhaching oder so kommt, und die anderen nicht? Dann hat's euch Coole Kicker doch die längste Zeit gegeben.«

Frank kratzte sich am Kopf. »Da ist was dran. Wenn du von einem Profiverein entdeckt wirst, krallen die dich mit Haut und Haaren. Das heißt: Direkt nach der Schule reinfahren und dort am Nachmittag Schularbeiten machen und trainieren. Da bleibt nicht mehr viel Zeit für Freunde.«

»Eben.« Karin seufzte. »Es ist nicht immer gut, große Ziele auch zu erreichen!«

Fünf Minuten später kamen sie an ihrer von Fichten eingerahmten Fußballwiese an. Sie waren stolz auf das, was sie sich hier geschaffen hatten. Das Klubhaus hinter dem Fußballfeld war ursprünglich das Gartenhaus von Jans Oma gewesen und die neuen Metalltore hatten eine ganz besondere Geschichte: Sie hatte nämlich der Fußballstar Hubert Müller gespendet.

Frank war ein bisschen wehmütig ums Herz, als sie zur Holzhütte hinüberradelten. Wenn er ab nächstem Schuljahr tatsächlich bei einem Profiverein trainieren sollte, würde er hier kaum noch seine Zeit verbringen können. Das wäre überhaupt nicht gut. Denn die Fußballwiese mit dem kleinen Klubhaus war für ihn die einzige Rückzugsmöglichkeit aus der manchmal allzu hektischen Erwachsenenwelt.

»Es ist wirklich schön hier«, sagte Karin. »Nur gut, dass euch mein Vater die Wiese überlassen hat.«

»Ich hoffe, wir treffen uns hier auch im nächsten Schuljahr noch öfters«, sagte Frank leise. Fast wehmütig sah er zu, wie Jan und Guido aufgeregt miteinander redend von den Rädern stiegen und zum Klubhaus hinübergingen. Was, wenn sie der Sichtungslehrgang tatsächlich auseinander riss? Er würde zwar mit den beiden weiterhin befreundet bleiben, aber es würde nicht mehr dasselbe sein ...

Ein lauter Aufschrei riss ihn aus seinen Gedanken. Jan stürmte aus der Hütte, als wäre er in ein Wespennest gestolpert

»So eine verdammte Sauerei!«, brüllte er. »Wenn ich Eberhard erwische, stauche ich ihn auf Briefmarkenformat zusammen.«

Frank ließ sein Rad achtlos fallen und hetzte zu seinen Freunden. »Was ist los?«, keuchte er.

»Die haben bei uns eingebrochen!«, schrie Jan. »Ich hab mich schon gewundert, dass die Tür nicht abgeschlossen war – aber das, das geht jetzt wirklich zu weit. Eberhard sollte schleunigst sein Testament machen!«

Guido ließ sich mit hochrotem Gesicht vor der Tür nieder und begutachtete das Schloss. »Da war jemand mit einer Brechstange dran. Typische Amateurarbeit. Profis hätten das Schloss viel eleganter aufbekommen.«

»Deine Klugscheißerei hilft uns jetzt auch nicht weiter«, sagte Jan wütend. »Wir wissen doch auch so, dass Eberhard dahintersteckt«

»Der Typ ist ja ätzender als Biene Maja«, schimpfte Luki. »Warum lässt er euch nicht einfach in Ruhe?«

»Unsere Fußballsachen ...«, sagte Frank statt einer Antwort, »was ist mit denen?«

»Richtig! Wir haben ja all unsere Sachen hier, mit denen wir in Bergkirchheim antreten wollen.« Jan wirbelte herum und verschwand in der Hütte.

Seine Stimme verlor sich irgendwo im Inneren. Frank und Guido folgten ihm hastig. Kaum hatten sie den vorderen Raum durchquert, da schoss ihnen Jan auch schon mit hochrotem Kopf aus der Abstellkammer entgegen.

»Alles weg! Eberhard hat unsere gesamte Fußballausrüstung eingesackt. Der will uns fertig machen. Ohne meine hypergeilen Spezialschuhe kann ich den Sichtungslehrgang vergessen!« Die Coolen Kicker waren wie vor den Kopf geschlagen. »Schuhe futsch, Spielglück futsch«, sagte Jan bedrückt.

Frank nickte. »Ohne unsere schweißtriefend eingespielten Sachen werden wir bei der Sichtung jämmerlich vor die Hunde gehen.«

»Meine Güte!«, schimpfte Karin. »Ihr jammert ja rum wie ein paar Babys, denen man die Quietschentchen geklaut hat. Holt euch eure Sache wieder, verdammt noch mal!«

»Quietschentchen?«, fragte Frank misstrauisch »Wie kommst du jetzt ausgerechnet darauf?«

»Weil mir Jacki erzählt hat, dass du Gartenzwerge morden willst, obwohl du selber auf grellgelbe Quietschentchen stehst.«

Frank stöhnte auf. »Ich hab überhaupt keine Quietschtiere ...«

»Ach nein?« Jan sah plötzlich ganz neugierig aus. »Ist das vielleicht so ein heimliches Hobby von dir – mit Babyspielzeug ›Alle meine Entchen‹ spielen?«

»NEIN!«, schrie Frank. »Und außerdem hat uns Eberhard keine Quietschentchen geklaut, sondern unsere Fußballausrüstung.«

Karin warf ihm einen schiefen Blick zu. »Und da waren bestimmt keine Quietschtiere dabei?«

»Oh, ich fass es nicht!« Frank wandte sich an seine Schwester. »Was tratscht du da bloß über mich rum, du Giftspritze, eh?«

»Ich? Wieso ich?« Jacki schüttelte empört den Kopf. »Du hast doch in der Freinacht selbst davon angefangen ...«

»Schluss jetzt«, donnerte Guido. »Das ist ja nicht zum Aushalten mit euch. Lasst uns lieber überlegen, wie wir Eberhard fertig machen können.«

»Und wie wir unsere Sachen wiederkriegen«, sagte Jan. »Ob mit oder ohne Quietschentchen.«

Frank drehte sich wütend zu ihm um. »Wahrscheinlich hat er deine Lieblingsschuhe gleich in den Kompost gesteckt, damit eklige Würmer durchkriechen – falls die nicht vorher wegen dem Gestank deiner Schweißfüße umkippen.«

»Jetzt hört endlich auf, ihr beiden«, warnte Guido. »Frank hat's doch schon auf den Punkt gebracht. Ich glaub nämlich auch nicht, dass Eberhard so leichtsinnig ist, unsere Sachen bei sich zu Hause zu verstecken.«

»Dort vielleicht nicht«, meinte Karin. »Aber möglicherweise hat er sie irgendwo im Wald verbuddelt.«

»Ich sag's ja«, beharrte Frank stinksauer. »Der macht Wurmfutter daraus.«

»He!« Luki strahlte. »Würmer sind nicht schlecht. Vielleicht sollten wir Eberhard damit ein bisschen Angst einjagen – ihm eine Ladung ekliger Maden in die Unterhose kippen oder so was. Wenn der dann so richtig durchdreht vor lauter Panik, quatscht er bestimmt aus, was er mit unseren Sachen gemacht hat.«

»Ich fände, wir sollten die Madenidee mit einem richtig altmodischen Marterpfahl kombinieren.« Jan grinste gehässig. »Da fesseln wir Eberhard dran und lassen ihn erst wieder frei, wenn er das Versteck unserer Sachen ausgequasselt hat – oder ihm die Würmer aus der Nase kriechen!«

KAPITEL 3

Die Coolen Kicker überboten einander noch eine Zeit lang mit den abenteuerlichsten Vorschlägen, wie sie Eberhard mithilfe schleimigen Ungeziefers zum Reden bringen könnten. Schließlich langte es Guido: »Maden hin oder her – erst mal müssen wir Eberhard überhaupt kriegen. Deswegen bin ich dafür ...«

»He, stopp, hört ihr das auch?«, fragte Jacki aufgeregt. »Da raschelt irgendwas im Wald.«

»Der Wind, der Wind, das himmlische Kind«, spottete Jan. »Dass ihr Mädchen euch immer gleich bei der geringsten Kleinigkeit in die Hosen machen müsst.«

Jacki beachtete ihn gar nicht. Sie legte den Kopf schief und lauschte. »Da ist wirklich was. Irgendwo hinter der Hütte im Wald. Hört ihr es denn nicht?«

Frank nickte zögernd und Guido sagte: »Vielleicht ist das ja Eberhard, der sich gerade verdrücken will.«

»Du meinst, wir haben ihn bei seinem Einbruch überrascht?«, flüsterte Karin. »Dann könnte es natürlich sein, dass er sich gerade mitsamt euren Sachen aus dem Staub machen will.«

»Dann holen wir uns alles sofort wieder!«, rief Luki. »Mit oder ohne Quietschentchen!«

Guido legte den Zeigefinger an die Lippen. »Ganz ruhig, Leute«, sagte er fast unhörbar. »Wenn er wirklich noch hier ist, schnappen wir ihn uns und probieren aus, wie er am liebsten seine Maden mag – roh oder in einem leckeren Nutellasößchen ...«

Wieder raschelte es im Wald, näher diesmal. »Horch, was kommt von draußen rein ...«, flüsterte Jan.

»Das ist bestimmt nicht Eberhard.« Jacki drückte sich ungewohnt nah an Guido heran. »Das klingt eher nach einer ganzen Horde Wilderer ...«

Guido strahlte angesichts Jackis Nähe wie ein Baby, das gerade den heiß ersehnten Schnuller bekommen hat. Doch bevor er etwas sagen konnte, ertönte ein markerschütterndes Geheul. Es klang so bedrohlich wie eine angreifende Indianerhorde in einem alten Western.

Vier verwegene Gestalten stürmten auf die Coolen Kicker zu. Frank erkannte Eberhard, Thomy und ihre als üble Schläger gefürchteten Schulfreunde René und Peter. Sie trugen Stöcke in den Händen und sahen wütend und zu allem entschlossen aus.

Bevor die Coolen Kicker reagieren konnten, bildeten die vier Angreifer einen Halbkreis um sie. »Jetzt guckt ihr aber dämlich aus der Wäsche, was?«, höhnte Thomy. »Habt wohl nicht gedacht, dass wir mit Verstärkung anrücken würden?«

Da hatte er allerdings Recht. Frank verschränkte die Arme vor der Brust, wodurch das Zittern seiner Hände weniger auffiel. »Was wollt ihr überhaupt, he?«, brachte er schließlich hervor.

»Unsere Fußballsachen, die ihr uns abgegriffen habt!«, donnerte Eberhard. »Rückt sie sofort raus!«

»Euch hat man eure Sachen geklaut?« Jan sah erst ganz verblüfft aus, dann aber lachte er schallend. »Das gibt's ja gar nicht!«

»Genau!«, schrie Luki. »Die Blödmänner haben sich ihre Sachen klauen lassen – das ist mordskomisch!«

Thomy riss wütend seinen Stock hoch »Ich zeig dir gleich was Mordskomisches, du Giftzwerg!«

»Polieren wir den Spinnern die Fressleiste«, polterte René. »Dann vergeht ihnen schon das Lachen.«

»He!«, sagte Guido rasch »Irgendwas ist hier doch oberfaul. Schließlich sind wir es, die beklaut wurden.«

»Willst du uns jetzt auch noch klauen, dass wir beklaut wurden?«, fragte Thomy misstrauisch »Wir sind die Opfer – und nicht ihr. Verstanden?«

Guido schüttelte den Kopf. »Nein, nein. Wir sind die Opfer – und nicht ihr.«

Thomy richtete sich zu voller Größe auf. »Jetzt will ich dir mal was sagen, du Heini: Wir sind die Opfer! Und wenn du das nicht kapierst, packe ich dich an den Ohren und schleudere dich solange rum, bis du um Gnade winselst.«

»Alles klar.« Guido grinste schief. »Du willst mich also zum Opfer machen, damit ich kapiere, dass ich kein Opfer bin ...?«

»Lasst uns denen endlich die Fressleiste polieren«, stöhnte René. »Dann wissen wir wenigstens ganz genau, wer die Opfer sind.«

»Vielleicht wurden wir ja beide beklaut ...?«, schlug Jacki schüchtern vor. »Dann wären wir alle zusammen Opfer.«

Thomy musterte das schwarzhaarige Mädchen aus zusammengekniffenen Augen. »Von was quasselst du da eigentlich?«

»Na, das wäre doch möglich, oder?«, sagte Frank rasch. »Bei uns wurde jedenfalls eingebrochen. Und wenn nun jemand bei euch auch lange Finger gemacht hat ...«

»...dann sind wir allesamt Opfer«, beendete Guido seinen Gedankengang. »Und es sieht fast so aus, als wollte uns jemand gegeneinander aufhetzen.«

»Das kannst du deiner Oma erzählen«, sagte Thomy wütend. »Wir fallen jedenfalls nicht auf deine bescheuerten Tricks rein. Stimmt's, Eberhard?«

Der Angesprochene nickte. »Mit saublöden Ausreden kommst du bei uns nicht weiter, Professor Guido. Wir werden die Wahrheit schon aus euch rausprügeln!«

Ein paar Sekunden lang herrschte eisiges Schweigen. Frank suchte verzweifelt nach einer Idee, wie er die Situation entschärfen könnte. Und dann hatte er sie.

»Wieso glaubt ihr eigentlich, dass ausgerechnet wir euch beklaut haben?«, fragte er.

Eberhard grinste schmierig. »Die Frage kannst du dir wohl selbst beantworten.«

Frank nickte. »Ich glaube schon. Es hat mit diesem Kikeriki-Spruch auf unseren Garagentoren zu tun, stimmt’s?«

»Schlaues Kerlchen.«

»Und jetzt glaubt ihr, wir hätten uns mit dem Diebstahl der Klamotten für diese Schmierereien rächen wollen?«

»Genau so ist es, du Pickelhering.«

»Da frage ich mich nur«, fuhr Frank ungerührt fort, »wann genau man bei euch eingebrochen hat?«

Thomy war empört. »Was ist das denn für 'ne saublöde Frage? Natürlich in der Freinacht.«

»Wir haben aber erst heute Morgen euer Geschmiere entdeckt«, sagte Frank. »Und bevor wir uns in der Schule getroffen haben, konnten wir gar nichts gegen euch planen.«

Eberhard grinste schief. »Sieh mal einer an: Du versuchst dich ja im Denken. Das hätte ich dir gar nicht zugetraut.«

»Aber was ich sage, ist doch logisch, oder nicht?«

»Ob logisch oder nicht« Eberhard zuckte mit den Schultern, »letztlich tut das nichts zur Sache.«

»Genau«, sagte Peter. »Deshalb Schluss mit dem Gequatsche: Nehmen wir jetzt endlich diese blöde Hütte auseinander?«

»Moment noch.« Auf Franks Stirn perlte der Schweiß. »Wenn ihr uns zusammendrescht, obwohl wir eure Sachen gar nicht haben, seht ihr doch am Ende ziemlich alt aus.«

»Das Risiko gehen wir ein«, sagte Thomy fröhlich.

»Auch das Risiko, dass ihr eure Sachen dann auch nicht wiederbekommt, weil ihr hier einfach bei den falschen nachbohrt?«

Eberhard schien ins Grübeln zu kommen. »Wenn ihr die Garagentor-Graffiti vielleicht schon heute Nacht entdeckt habt und uns deswegen gleich einen Denkzettel verpassen wolltet ...«

»... würden wir wohl kaum blöd rumstehen und darauf warten, dass ihr hier anrückt.« Frank schüttelte entschieden den Kopf. »Nein. Ich glaube, da will uns jemand einen ganz bösen Streich spielen. Mann, überleg doch mal: Der lacht sich nachher darüber scheckig, dass wir uns kurz vor unserem hübschen kleinen Treffen in Bergkirchheim gegenseitig grün und blau geschlagen haben!«

Es wäre vielleicht doch noch zu einer Schlägerei gekommen, wenn das Wetter nicht plötzlich umgeschlagen hätte. Eine finstere Wolkenfront schob sich aus Richtung Wilnshagen heran und verdunkelte so schnell den Himmel, als hätte jemand das Licht ausgeknipst. Gleichzeitig kam ein heftiger Wind auf, der die Baumwipfel durchschüttelte und die streitenden Parteien frösteln ließ.

»Wir sollten machen, dass wir hier wegkommen«, stieß Karin entsetzt hervor. »Das wird ein handfestes Unwetter.«

Eberhard lachte trocken auf. »Spar dir deine Sprüche für den Kindergarten.«

Doch da prasselten bereits die ersten Regentropfen auf sie herab. Es war unglaublich, wie schnell eine geschlossene Wolkendecke über ihnen war. Zusätzlich kündigte sich ein Gewitter mit dumpfen Grollen an.

»Rein in die Hütte!«, schrie Frank.

Seine Freunde reagierten sofort. Obwohl es nur wenige Schritte bis zur Hütte waren, wurden sie klatschnass, bis sie endlich in ihren rettenden Klubraum polterten. Eberhard und seine Kumpels standen noch einen Moment lang wie versteinert mit ihren Schlagstöcken in der Hand da, doch dann taten sie das einzig Vernünftige: Sie folgten den Coolen Kickern.

In der Hütte brach ein unglaublicher Tumult los.

»Autsch!«, schrie Jacki, als ihr jemand auf den Fuß trat.

»Nimm doch mal deinen Ellenbogen aus meinem Gesicht«, jammerte Luki.

»Wo ist denn hier der verdammte Lichtschalter«, keuchte Thomy, der sich mit seinen Freunden in den engen Eingang drängte.

»Neben der Küchentür, Blödmann«, sagte Jan. »Aber da komme ich jetzt bei dem Gedränge nicht dran ...«

In diesem Moment drückte Karin den Schalter. Die Gesichter der in den Raum drängenden Kicker wirkten im milchigen Licht der Deckenleuchte fahl und bleich. Aber dass sie jetzt die Augen schreckgeweitet aufrissen, lag nicht an der Beleuchtung:

Draußen schien die Welt unterzugehen. Es war so dunkel wie mitten in der Nacht geworden, doch plötzlich zerrissen grelle Blitze den nachtschwarzen Himmel. Es donnerte gewaltig, als nicht weit weg ein Blitz einschlug. Gleichzeitig heulte und tobte der Sturm, als wollte er die alte Holzhütte mit aller Macht einreißen.

»Hoffentlich fliegt das Dach nicht weg!«, rief Jacki erschrocken.

Guido legte tröstend den Arm um sie und drückte sie fest. »Keine Sorge, Mädel!«, brüllte er gegen den Sturm an. »Das Ding ist grundsolide gebaut. Da muss schon was ganz anderes ko ... ko ... kommen ...«

Ein donnernder Schlag riss ihm die Worte förmlich aus dem Mund. Über ihnen im Dachstuhl krachte es und einen schrecklichen Moment lang glaubte Frank schon, der Blitz hätte die Hütte getroffen. Doch es war der Sturm, der an ihrem Klubhaus riss wie ein ungeduldiges Kind, das ein Legohaus möglichst schnell entreißen will.

KAPITEL 4

Es dauerte etliche Minuten, bis das Gewitter weitergezogen war. Aber noch immer zerrten die ungebändigten Gewalten des Sturms an der Hütte. Der Regen klatschte in großen Tropfen gegen die kleinen Fensterscheiben.

Freund und Feind hatten es sich so bequem wie möglich gemacht. Guido, Luki und die Mädchen saßen dicht aneinander gedrängt auf der Bank, während sich Frank, Jan und Eberhard jeweils einen Stuhl geschnappt hatten. Der Rest von Eberhards Schlägertruppe hockte auf dem Fußboden.

»Können wir nicht irgendwie Hilfe holen?«, schrie Jacki gegen den Sturm an.

Karin nickte. »Im Augenblick sind wir hier zwar sicherer als draußen, aber ich rufe meinen Vater an, damit er weiß, wo wir sind.«

Sie holte ihr kleines Handy hervor und drückte eine Kurzwahlaste. Doch kurz darauf schüttelte sie verstört den Kopf. »So ein Mist. Mein Akku ist leer.«

»Hat denn sonst jemand ein funktionierendes Handy dabei?«, fragte Frank unruhig.

René griff in seine Jackentasche, schüttelte dann aber bedauernd den Kopf. »Ne. Hab ich vergessen.«

Guido zuckte bedauernd mit den Schultern. »Ich hab im Augenblick leider kein Handy. Nachdem ich in letzter Zeit ein bisschen viel telefoniert habe, hat es meine Mutter einfach eingezogen.«

»Und meins hatte ich bei den Fußballklamotten, die geklaut worden sind«, sagte Jan.

»Das gibt's doch gar nicht«, polterte Thomy. »Was seid ihr bloß alle für Idioten? Wer läuft denn heute noch ohne Handy rum?«

»Hast du denn eins dabei?«, fragte Jacki hoffnungsvoll. Thomy grinste schief. »Ne. Gerade so im Moment – irgendwie nicht.«

»Das gibt's ja nicht«, stöhnte Frank. »Jetzt sind wir zehn Mann – und keiner hat ein Handy. Aber ... da fällt mir was ein ... wir haben doch immer noch unser Radio!«

Er drängte sich rücksichtslos zur Küche durch. Es dauerte eine Weile, bis er im Halbdunkeln das kleine blaue Radio fand und mit dem eingeschalteten Gerät zu den anderen zurückkehrte.

»... verheerende Sturmschäden über Süddeutschland. Der Wirbelsturm Heiner, der bereits in der vergangenen Nacht eine Schneise der Zerstörung schlug, ist einen Tag früher über Süddeutschland hereingebrochen. Vielerorts sind Landstraßen und Ortskerne gesperrt. Die Isar-Amperwerke warnen vor heruntergerissenen Stromleitungen. Da auch in den nächsten Stunden kein Abflauen des Sturm zu erwarten ist, besteht nach wie vor erhöhte Unfallgefahr durch umstürzende Bäume und herabfallendes Geäst. In schksch ...«

Frank klopfte gegen das Gerät, aber er hatte keinen Erfolg damit.

Details

Seiten
102
Erscheinungsform
Neuausgabe
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783960531029
Dateigröße
824 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v318491
Schlagworte
Kinderbuch ab 8 Jahre Fußball Kinderkrimi Wilde Kerle für Jungen Freundschaft Joachim Massanek Spannung Fußball-Haie Abenteuer eBooks

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Titel: Große Chance für Coole Kicker - Band 4