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DIE SCHWERTER - Band 5: Schwarzer Turm

2016 71 Seiten

Leseprobe

Über dieses Buch:

Dunkelheit kann selbst Helden das Fürchten lehren: Seit Tagen ist Dante in kompletter Finsternis gefangen – und er weiß, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis ihn dies um den Verstand bringen wird. Seine einzige Hoffnung: Eine verhängnisvolle Allianz, die seine besten Freunde für ihn eingegangen sind. Doch der Preis dafür ist hoch … Als Dante endgültig den Mut zu verlieren droht, hört er plötzlich eine Stimme. Irgendwo in der Schwärze vor ihm hockt ein Mitgefangener. Ist er ein möglicher Verbündeter – oder etwas ganz anderes?

Abenteuer, Gefahren, coole Sprüche und jede Menge Action: ein rasantes High-Fantasy-Lesevergnügen!

Über den Autor:

Thomas Lisowsky wurde 1987 in Berlin geboren. Er studierte Germanistik, Geschichte und Philosophie, bevor er als Autor bei einer Berliner Entwicklerfirma für Computerspiele arbeitete. 2009 wurde er mit dem ZEIT-Campus-Literaturpreis ausgezeichnet.

Bei jumpbooks veröffentlichte Thomas Lisowsky bereits den Roman Magie der Schatten. Seine Serie DIE SCHWERTER umfasst die folgenden Einzelbände:

DIE SCHWERTER – Erster Roman: Höllengold

DIE SCHWERTER – Zweiter Roman: Drachenblut

DIE SCHWERTER – Dritter Roman: Duell der Klingen

DIE SCHWERTER – Vierter Roman: Hexenjagd

DIE SCHWERTER – Fünfter Roman: Schwarzer Turm

DIE SCHWERTER – Sechster Roman: Verbotenes Wissen

DIE SCHWERTER – Siebter Roman: Feuerteufel

DIE SCHWERTER – Achter Roman: Blutiger Sand

DIE SCHWERTER – Neunter Roman: Dämonenzorn

Lernen Sie Thomas Lisowsky im Internet kennen – auf seiner Homepage (www.thomaslisowsky.com) und bei Facebook (https://www.facebook.com/thomas.lisowsky.8).

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eBook-Neuausgabe April 2016

Copyright © der Originalausagbe 2014 dotbooks GmbH, München

Copyright © 2016 jumpbooks Verlag. jumpbooks ist ein Imprint der dotbooks GmbH, München.

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Titelbildgestaltung: Nele Schütz Design, München, unter Verwendung von Motiven von shutterstock.com (greglith, Unholy Vault Designs, Atelier Sommerland, Algol)

eBook-Herstellung: Open Publishing GmbH

ISBN 978-3-96053-151-7

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Thomas Lisowsky

DIE SCHWERTER
Schwarzer Turm

Fünfter Roman

jumpbooks

1. Kapitel

Auf dem Rücken des Pferdes vergingen die Tage wie Stunden. Tristan wusste, wofür er diese Reise auf sich nahm. Der Junge saß hinter ihm auf dem Pferd, der Einzige, dem er sein Vertrauen schenkte. Und bei ihm war es gut aufgehoben, denn er nahm jedes Wort, das Tristan sprach, als Wahrheit und nickte so eifrig, als wäre er sein Schulmeister.

Alle, die er mit dem Auftrag betraut hatte, hatten versagt. Niemand hatte ihm die Münze gebracht. Also musste er selbst gehen.

Als die Tore der Hauptstadt in Sicht kamen, fühlte er, wie nahe er der Erfüllung seiner Wünsche war, und sein Herz schlug heftig.

Er hatte nicht mit dem Jungen gesprochen, kein einziges Wort. Der Knabe blieb trotzdem bei ihm. Es war eine Prüfung, aber bald schon war er sich vorgekommen, als würde er selbst geprüft. Der Junge ritt wortlos mit ihm und hatte gar nicht erst versucht, ihn anzusprechen und ihm Erklärungen zu entlocken. Ihr langer Ritt endete, als sie die Stadttore passierten und sich dem näherten, was Tristan so sehr begehrte.

»Ich weiß noch immer nicht deinen Namen, Junge.« Er ging über die Straßen der Hauptstadt, durch die ein frischer Wind fegte. Abgerissene Marktbuden standen in Reihen hintereinander, als seien die Schausteller schlagartig geflüchtet.

»Mio«, sagte der Junge und war offenbar kaum überrascht, dass sein Herr ihn endlich ansprach. In sein wirres schwarzes Haar mischten sich einzelne Strähnen, die grau waren vom Straßenstaub. Der Reisemantel war ihm viel zu groß und schleifte als faltiges Etwas hinter ihm her.

Tristan nickte. »Hast du schon einmal einen Menschen getötet?«

Es war seltsam hier an der frischen Luft und unter freiem Himmel, nachdem er so lange Zeit in den Schatten des Tempels verbracht hatte.

Der Junge schüttelte den Kopf. »Wie viele hast du denn getötet?«

Tristan hob eine Hand mit abgespreizten Fingern. »Fünf. Aber im Tempel lernst du schnell, wie nichtig ein Menschenleben ist, Mio.« Er lächelte. »Es ist schön, dass du mich begleitest.«

Mio nickte. »Aber was geschieht jetzt dort im Tempel? Jetzt, da du fort bist.«

Tristan lachte. »Irgendetwas werden sie wohl auch ohne mich unternehmen. Sie fürchten sich vor mir. Der Schüler des Triumvirats-Ältesten hat seinen vorbestimmten Platz eingenommen.«

Je weiter sie in die Stadt vordrangen, desto mehr füllten sich die Straßen. Handwerker boten ihre Waren feil, Kinder malten Figuren in den Straßendreck, Frauen krümmten sich unter dem Gewicht von Wasserkrügen.

»Warum sind wir hier? Warum hast du mich mitgenommen?«, fragte Mio mit großen Augen. »Du bist … das Triumvirat. Warum gibst du dich mit mir ab?«

»Weil du keine Angst vor mir hast.« Tristan lächelte wieder. Es war ein ungewohntes Gefühl; im Tempel hatte er stets die eiserne Miene eines Priesters aufsetzen müssen. »Du verstehst, warum ich all das tue.«

»Nun, ich … weiß nicht. Warum sind wir hier?«

»Das wirst du noch sehen.« Er ging zu einem der Warentische vor einem Zunftgebäude der Handwerker: eiserne Zangen, Nägel in allen Größen, eine kunstvoll geschnitzte Messlatte …

Tristan griff nach einer kleinen Münze, auf die ein winziges eisernes Kreuz gehämmert war. Wahrscheinlich das Werk eines Gesellen in einer freien Stunde.

Er reichte sie Mio. »Es geht mir um eine Münze. Deshalb schenke ich dir auch eine.«

Der Junge sah ihn mit großen Augen an und nahm das Geldstück entgegen. »Danke«, sagte er, aber es klang wie eine Frage. Er betrachtete es von beiden Seiten, drehte und wendete es in seiner Hand, als sei es die Gabe eines Gottes.

»Jetzt kommt das Wichtige«, sagte Tristan.

Direkt neben dem Stand hielt ein Mann in der Uniform der Stadtgarde Wache, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, und blickte verträumt in die Wolken.

Tristan bewegte eine Hand vor dem Gesicht des Mannes hin und her. »Heda.«

Der Gardist schreckte hoch, sein Kettenhemd klirrte.

»Jetzt, da ich Eure Aufmerksamkeit habe – welche Strafe steht auf Diebstahl?«

Verwirrt blickte der Mann ihn an. »Habt Ihr einen Diebstahl beobachtet?«

»Nein, aber ich werde gleich einen begehen.« Tristan ging die ausgelegten Handwerkswaren ab. »Welche Strafe steht also darauf?«

»Das wird durch die Art und die Umstände des Vergehens bestimmt.«

»Diese Zange hier.« Tristan nahm das eiserne Werkzeug vom Verkaufstisch. »Wie viel?« Auch der Gehilfe hinter der Theke wandte sich ihm jetzt zu.

»Wie viel die kostet, müsst Ihr schon die Zunft fragen.« Der Gardist lachte.

Tristan stimmte nicht mit ein. »Nein, wie viel Zeit ich dafür im Kerker verbringen muss.«

Der Gardist öffnete verwirrt den Mund, dann antwortete er langsam. »Einen Tag mindestens, seit das neue Strafenregister gilt. Ein Tag, um die Umstände feststellen zu können, während der Dieb in Gewahrsam ist.«

Tristan hörte schon nicht mehr zu. »Eine Zange, ein Tag.« Er griff sich noch einen Meißel, die Messlatte, zwei Gussformen und zwei Hämmer in verschiedenen Größen. »Das müsste dann jetzt sieben Tage machen.« Er ließ die Werkzeuge in seiner umgehängten Reisetasche verschwinden.

Der Gardist lachte. »Gut mitgedacht.«

Tristan schloss die Tasche und streckte die Hände aus. »Ihr müsst mich jetzt wohl mitnehmen.«

Mio sah ihn verständnislos an, genau wie der Handwerksbursche, der hinter dem Stand bisher geschwiegen hatte.

»Was soll diese Schelmerei?«, fragte der Gardist.

»Schelmerei? Nein, Diebstahl«, sagte Tristan. »So heißt es in Eurem Strafregister, glaube ich.«

»Im Ernst.« Der Gardist seufzte. »Legt die Waren zurück, ich glaube kaum, dass Ihr für die Gussformen und den Meißel eine Verwendung habt.«

Tristan trat näher an ihn heran. »Ich lege sie nicht zurück, also ist es Diebstahl. Deshalb nehmt Ihr mich jetzt mit. Sieben Tage Kerker.«

Von einer anderen Bude kam ein weiterer Gardist herübergeschlendert.

Der erste Soldat schüttelte den Kopf. »Ihr seid der seltsamste Kauz, dem ich hier seit langem begegnet bin … und dabei waren gerade erst die Schausteller zu Besuch in der Stadt.«

»Nein, kein seltsamer Kauz. Ein Verbrecher.« Tristan stellte sich so dicht vor ihn, dass ihre Nasenspitzen sich beinahe berührten. Der Gardist stank säuerlich nach Schweiß.

»Gibt es Ärger?«, fragte der Zweite, ein älterer Mann mit Vollbart.

Der Erste öffnete den Mund, aber Tristan war schneller. »Ja, ich bin ein Dieb. Eben erst habe ich diesem ehrlichen Handwerker sieben seiner teuer gefertigten Gerätschaften gestohlen.«

Der erste Gardist lachte hilflos. »Dieser Mann steckt sich die Waren in die Taschen und behauptet jetzt, er wäre ein Dieb und müsse festgesetzt werden.«

Der Ältere legte Tristan eine Hand auf die Brust und schob ihn zurück. »Schluss mit dem Unsinn. Niemand wird hier festgesetzt.«

Tristan atmete schwer. »Schluss mit dem Unsinn«, wiederholte er. »Also gut.« Er streckte die Finger zu einer geraden Fläche aus und schnitt mit einer abrupten Bewegung durch die Luft.

Blut spritzte. Der Arm des älteren Gardisten pendelte durch die Luft, abgetrennt am Ellbogen und nur noch gehalten von einem Stück Haut.

Der Handwerksgeselle schrie wie ein Mädchen. Der erste Gardist riss die Augen auf und machte zwei Schritte rückwärts. Der Unterarm platschte auf den Boden und zuckte dort weiter.

»Festsetzen!«, brüllte der verwundete Gardist und presste eine Hand auf den verwundeten Arm, aus dem stoßweise das Blut schoss.

Tristan wischte sich einen Blutstropfen von der Hand und lächelte. »Na also, geht doch.«

Mio starrte ihn ungläubig an.

2. Kapitel

Immer wenn er aufwachte, umgab ihn das Verlies wie eine Hölle voller Schwärze. Dante wusste, dass er höchstens zwei Tage hier sein konnte, aber die Zeit verging auf eigentümliche Weise, wenn man kein Tageslicht sah, und Wissen verwandelte sich in bloße Vermutungen.

Es gab nur die Geräusche – Scharren auf dem Boden vor der Zelle, manchmal das Fiepen einer Maus oder Ratte. Zumindest hoffte er, dass es Mäuse oder Ratten waren.

Mit vorsichtigen Fingern hatte er die Zelle erkundet. Da gab es die kalten Gitterstäbe, von denen der Rost abblätterte, und rauhe Steinwände an den drei anderen Seiten, sonst nichts.

Essen hatte es bisher keins gegeben. Zwar hatte er immer wieder auf dem Boden umhergetastet, in der Hoffnung, er habe nur den Moment verschlafen, in dem jemand ihm eine Schüssel durch das Gitter gereicht hatte, aber da war nichts.

Er richtete sich in der Dunkelheit auf. Gehörte das dazu? Wollten sie ihn aushungern und mit dem Licht des Tages blenden, wenn er …

Plötzlich stieß er auf etwas, während er über den Boden tastete. Stoff. Jemand grunzte.

Er wich zurück.

»He«, brummte der andere.

Dantes Herz setzte für einen Moment aus.

»Und ich dachte, ich könnte mich kurz ausruhen.« Unverkennbar die Stimme eines Mannes.

Dante hielt den Atem an und lauschte den Geräuschen. Jemand bewegte sich auf dem steinernen Boden.

»Wer bist du?«, fragte er. Seine eigene Stimme klang ihm fremd in den Ohren und feindselig.

Er musste träumen. Seit er hier unten war, hatte er nicht ein einziges Mal mehr von dem Mann geträumt, der Tristan hieß und mit einem Wink seiner Hände Fleisch und Stein zerteilen konnte. Das hier war vermutlich ein anderer Traum, eine seltsame Vision, in der ein eingebildeter Fremder in seiner Zelle saß.

»Mein Name ist Misingno«, sagte der Mann. »Ich grabe seit fünfzehn Jahren an einem Tunnel nach draußen. Mit einem Löffel. Willst du ihn sehen?«

»Sehen, das ist hier unten schwer …«

Stoff raschelte auf dem Boden. »Ach ja. Es dauert ein paar Jahre, bis du dich daran gewöhnst. Dann taste dich heran. Du kommst genau richtig, denn mein Tunnel ist so gut wie fertig.«

»Sicher«, sagte Dante. »Und wieso bin ich plötzlich in deiner Zelle?«

»Es war schon immer meine Zelle. Manchmal bringen sie welche herein. Sie kommen und gehen.«

Ja, es war nur ein Traum. Vermutlich schützte sein Verstand sich so vor dem Wahnsinn.

»Schön hast du es hier«, sagte er.

Mel saß abseits und hielt sich vom Lärm der Schenke fern. Neben ihr hing ein Banner an der Wand, ein schwarzes Laken mit drei roten Krallenspuren darauf.

Sen räkelte sich auf dem Tisch, die Augen halb geschlossen. Wann immer einer von den Roten Katzen vorbeischlich, blickte er auf und fauchte wütend, wobei Rauch aus seinen Nüstern stob.

Was hatte sie nur getan, als sie Bross und sich selbst diesem Pack in die Hände gespielt hatte, für die bloße Möglichkeit, Dante zu befreien?

Sie nahm den halbleeren Bierkrug und ging hinüber zu dem Berg aus Muskeln, der an einer Wand hockte. Zwei Männer hielten seine Fesseln. Die Eisenketten sahen so schwer aus, als könnten sie allein durch ihr Gewicht ein Ungeheuer wie den Mantikor am Boden halten.

Mel kniete sich vor ihn hin, die Blicke der Männer lagen auf ihr. Bross dagegen starrte unverwandt geradeaus, seine Augen ganz schwarz. Auf seiner Stirn prangte ein Kreuz aus hellem Blut. Gorr hatte befohlen, dass es stündlich erneuert wurde, mit frischem Blut. Nur so konnte er verhindern, dass Bross einen klaren Gedanken fasste.

»Tut mir leid«, sagte Mel. Die beiden Wächter hörten sie, aber es war ihr egal. Dass Bross sie hörte, bezweifelte sie. Er starrte einfach durch sie hindurch. Es war unwahrscheinlich, dass er etwas anderes vernahm als den Ruf des Bluts auf seiner Stirn.

»Ich hab dich in einen riesigen Haufen Scheiße reingezogen. Du wolltest Dante genauso helfen wie ich, aber bestimmt nicht auf diese Weise.«

Bross blieb stumm und fixierte einen unsichtbaren Punkt an der Wand.

»Aber du wirst frei sein, wenn wir Dante aus dem Kerker gezogen haben.« Dann bin ich die Gefangene.

Bross stimmte mit einem Grunzen zu. Oder er zeigte ihr seine Verachtung. Eines von beidem.

Sie beugte sich vor zu dem Gesicht, aus dessen Mund zwei Hauer ragten. Noch immer starrte der Halb-Oger durch sie hindurch.

Jemand zog sie an der Schulter zurück.

»Ist das ein Trick, um das Blut von seiner Stirn zu wischen?« Es war Gorr.

Mel erhob sich und drehte sich langsam um. »Das ist etwas, wovon du nichts verstehst. Es geht um …« Fast hätte sie Freundschaft gesagt, suchte aber nach einem anderen Wort. »… Kameradschaft«, sagte sie schließlich, als es schon zu spät war, die Wirkung des Satzes zu retten.

»Dafür nehmt ihr Gefangenschaft in Kauf.«

»Dafür nehmen wir in Kauf, einem Mann zu vertrauen, von dem wir bisher nur Versprechungen gehört haben.«

Gorr zog seine Augenbinde zurecht. »Es gibt heute im inneren Stadtring einen Maskenball. Das Fest der Winterwende.«

»Schön, dass du an Vergnügungen denkst, während sie meinem Gefährten wahrscheinlich gerade die Daumenschrauben festdrehen.«

Gorrs Miene blieb unverändert. »Nur so kommen wir in den inneren Ring hinein, wo er festgehalten wird.«

»Wo er wahrscheinlich festgehalten wird«, betonte Mel.

Seine Stimme blieb ruhig. »Weniger Widerworte und mehr Vertrauen würde die Sache einfacher machen.«

Mel schob ihn zur Seite. »Du hast Bross zu einem Tier gemacht, zu einem Hund. Bekommt er bald auch eine Mähne aus Pferdehaar und einen Schwanz aus Holz und muss dann den Mantikor spielen?«

Sie ging wieder an ihren Platz, wo Sen in lauernder Haltung hockte und das Treiben in der Schenke beobachtete.

Gorr setzte sich neben sie und betrachtete den kleinen Drachen. »Ich musste ihn ruhigstellen. Er ist nicht ganz so verhandlungsbereit wie du.«

»Er ist ein einfacher Mann«, sagte sie. »Wenn jemand seinen …«, beinahe hätte sie schon wieder Freunden gesagt, »… Gefährten etwas Böses will, rennt er so lange gegen den Feind an, bis er umkippt oder der Gegner.«

Gorr lächelte, und das machte ihn jünger. Genau wie die Karayana konnte er nicht so alt sein, wie der erste Eindruck und das fehlende Auge glauben machen wollten. »Wenn er gegen die Wände des Gefängnisturms anrennt, gibt sein Schädel zuerst nach.«

Mel schob ihren Humpen auf dem Tisch umher. »Woher wusstest du, wie man einem Berserker die Menschlichkeit nimmt?«

»Ich lebe nicht von der Wiege an in diesem Viertel und bin Mitglied einer Bande.«

Mel sah zu den jungen Männern, die ausgelassen tranken. »Du bist anders als sie.«

»Deswegen bin ich auch der Anführer.«

»Du benutzt diese Jungen, um dir irgendwas zu holen, was du allein nicht kriegen kannst.«

Der Blick in seinem Auge gefror. »Genug jetzt, Zauberin. Du bist die Geisel, du stellst keine Fragen, sondern beantwortest sie.«

Mel hielt dem Blick stand. »Was hast du nur mit den Zauberinnen? Warum hast du dieses großartige Schauspiel inszeniert, nur um die Karayana aus der Stadt zu treiben?« Sie machte eine kleine Pause. »Und warum wolltest du mich haben?«

Gorr stand auf, die Glieder steif wie Metall. »Ich komme in ein paar Stunden wieder zu dir, dann kriegen wir unsere Kostüme für das Fest.« Er ging zurück zu seinen trinkenden Genossen.

Sen sah ihm hinterher und gab ein leises, grummelndes Geräusch von sich.

Mel legte eine Hand auf seinen schuppigen Körper. »Also spielen wir mit.« Was sonst?

Sie erhob sich, um ihr Zauberbuch aus der Ecke zu holen. Für dieses Vorhaben brauchte sie jede Magie, die sie bekommen konnte.

3. Kapitel

Dante tastete sich durch die Dunkelheit. Wenn er tatsächlich träumte, dann war dieser Traum sehr lang und sehr real. Der Raum stank nach Urin, und wenn er seine Hände auf den Boden oder an die Gitterstäbe legte, spürte er nur eisige Kälte.

»Endlich angekommen?« Misingnos Stimme klang inzwischen vertraut.

»Ja«, sagte Dante. »Obwohl ich noch immer nicht weiß, wie ich in deine Zelle gekommen bin. Hat man mich verschleppt, während ich geschlafen habe?«

»In diesem Turm geschehen viele seltsame Dinge, die deinen Geist brechen sollen.«

»Turm?« Dante setzte sich aufrecht hin, ohne sich an eine der kalten Wände oder das Gitter zu lehnen.

»O ja. Man glaubt es kaum, aber wir sind hier nicht unter der Erde, sondern weit darüber.«

Dante schüttelte den Kopf. »Und es gibt nirgendwo Fenster?«

»O doch. In der Goldenen Galerie.«

»Goldene … was ist das? Die Ausstellung eines Malers, der mit Gold malt?«

Details

Seiten
71
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783960531517
Dateigröße
1000 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v318540
Schlagworte
eBooks Jugendbuch ab 14 Jahre fuer Jungen fuer Maedchen Fantasy Rollenspiel Dungeons and Dragons Schwertkampf Magie Word of Warcraft Freundschaft Herr der Ringe High Fantasy

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