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Der weiße Ritter - Zweiter Roman: Schattentanz

2016 163 Seiten

Leseprobe

Über dieses Buch:

Einst hat der Waisenjunge Tibor bei Wolff, dem weißen Ritter das Waffenhandwerk gelernt, doch jetzt ist die Zeit gekommen, sein Können zu beweisen.

Auf seiner gefährlichen Reise entdeckt Tibor eine geheimnisvolle Stadt, auf der ein dunkler Fluch zu liegen scheint. Der tapfere Ritter erkennt, dass sein Erzfeind Resnec, der dunkle Magier, diesen Ort in seiner Gewalt hat. Tibor weiß, dass er sich dem Hexer und seiner Schattenarmee entgegen stellen muss. Doch dann erfährt er zu seinem Entsetzen, dass der grausame Resnec seinen alten Lehrmeister Wolff als Geisel gefangen hält …

Über den Autor:

Wolfgang Hohlbein, 1953 in Weimar geboren, ist Deutschlands erfolgreichster Fantasy-Autor. Der Durchbruch gelang ihm 1983 mit dem preisgekrönten Jugendbuch Märchenmond. Inzwischen hat er 150 Bestseller mit einer Gesamtauflage von über 40 Millionen Büchern verfasst. 2012 erhielt er den internationalen Literaturpreis NUX. Zeitgleich startete der in Neuss lebende Autor ein innovatives Hohlbein-TV-Projekt.

 

Der Autor im Internet: www.hohlbein.de

Bei jumpbooks erscheint von Wolfgang Hohlbein:
Der weiße Ritter - Erster Roman: Wolfsnebel
Der weiße Ritter - Zweiter Roman: Schattentanz
Nach dem großen Feuer
Ithaka
Drachentöter

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eBook-Neuausgabe Juni 2016

Copyright © 1987 by Loewes Verlag, Bindlach

Copyright © der Neuausgabe 2016 dotbooks GmbH, München

Copyright © 2016 jumpbooks Verlag. jumpbooks ist ein Imprint der dotbooks GmbH, München.

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Titelbildgestaltung: Tanja Winkler, Weichs unter Verwendung von © Nejron Photo (fotolia.com)

eBook-Herstellung: Open Publishing GmbH

ISBN 978-3-96053-130-2

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Wolfgang Hohlbein

Der weiße Ritter
Zweiter Roman – Schattentanz

jumpbooks

Kapitel 1

Die Nacht war längst vorüber, als sie den Hügel überwanden und die Stadt mit ihren trutzigen Mauern, den wuchtigen grauen Türmen und ihren roten Ziegeldächern unter sich liegen sahen.

Tibor blickte aus eng zusammengepreßten Augen auf die Ansammlung von Häusern und das blaue Band des Flusses hinunter. Ein sonderbares, nicht sehr angenehmes Gefühl erfüllte ihn bei diesem Anblick. Es war nichts, was er in Worte fassen oder worauf er mit dem Finger hätte deuten können, aber irgend etwas war da; etwas, das in einer Illusion von Licht und Finsternis sein Spiel mit ihm trieb, Schatten, die stets verschwanden, wenn er versuchte, den Blick darauf zu richten. Die Stadt lag im hellen, klaren Licht des Morgens da, und doch schien es, als wäre ein Stück der Nacht zurückgeblieben.

Tibor versuchte, den Gedanken zu verscheuchen, aber es ging nicht. Und irgendwie, ohne zu wissen, woher, und ohne daß dieses Wissen irgendeines Beweises bedurft hätte, war er vollkommen sicher, daß es sich bei dem unheimlichen Gefühl, das sich seiner Seele bemächtigt hatte, nicht nur um bloße Einbildung handelte. Fast automatisch glitt seine rechte Hand zur Hüfte, dorthin, wo er sein Schwert trug, wenn er in Rüstung und Waffen war.

»Was ist los? Warum reiten wir nicht weiter?«

Eriks Stimme riß Tibor abrupt in die Wirklichkeit zurück. Und sie erinnerte ihn noch rechtzeitig daran, daß er im Moment nicht Tibor von Rabenfels, der weiße Ritter, sondern nur Tibor, der Gauklerjunge, war, der ein Stück des Weges mit einem Gleichaltrigen ritt, und auch das nur eher zufällig.

Beinahe verlegen wandte er den Kopf, lächelte dem rotblonden Hünen, der nur ein knappes Jahr älter als er, dafür aber um fast zwei Köpfe größer und doppelt so breitschultrig war, entschuldigend zu und ließ die Zügel knallen. Seine Graustute begann den Hügel hinabzulaufen, so schnell, daß Eriks Maultier auf seinen kurzen Beinen alle Mühe hatte, mit ihm Schritt zu halten. Das Tier witterte die Nähe von Menschen, und nach zwei Tagen, die sie fast ohne Pause unterwegs gewesen waren, sehnte auch er sich nach einer warmen Mahlzeit neben einem gemütlich knisternden Kaminfeuer.

Tibors Augen brannten vor Müdigkeit, und nach all den zahllosen Meilen, die er im Sattel verbracht hatte, schien das letzte Stück Weg kein Ende nehmen zu wollen, obwohl es kaum eine Meile bis zum Fuß des Hügels und dem Flußufer war. Wäre er allein gewesen, hätte er jetzt schon im Inneren der Stadt sein können, auf einem Weg, den nur er zu gehen wußte. Aber er war nicht allein, und wenn ihm auch jeder einzelne Knochen im Leib weh tat, es war nicht mehr weit bis zum Fluß, und fast in gerader Linie unter ihnen schaukelte eine Fähre auf dem Wasser, so daß sie sogar trockenen Fußes hinübergelangen würden.

Erik schloß zu ihm auf, als Tibor die Stute auf dem schmalen sandigen Streifen unmittelbar am Ufer zügelte. Auch er hockte vornübergebeugt und erschöpft im Sattel, doch er gab sich alle Mühe, sich seine Müdigkeit nicht anmerken zu lassen. Tibor fand dieses Benehmen reichlich albern und überflüssig dazu. Seit sie sich getroffen hatten, versuchte Erik mit aller Macht, den Älteren und Erwachsenen herauszukehren. Aber was war schon unmännlich daran, nach zwei Tagen im Sattel erschöpft zu sein?

Trotzdem schwieg Tibor dazu und verwandte das bißchen Energie, das er noch aufbringen konnte, lieber darauf, nach dem Fährmann Ausschau zu halten.

Allerdings ohne großen Erfolg. Die Fähre lag verlassen da, nur gehalten von einem quer über den Fluß gespannten Tau und der Strömung, die sie gegen das Ufer drückte. Der Anblick kam Tibor sonderbar vor, und wieder machte sich das gleiche, ungute Gefühl in ihm breit, das er schon beim ersten Blick auf die Stadt verspürt hatte. Eine Fähre war ein kostspieliger und wertvoller Besitz, den man nicht einfach so liegenließ. Und wenn ihr Besitzer drüben in der Stadt lebte, warum war sie dann hier, am jenseitigen Ufer?

Aber Tibor verfolgte auch diesen Gedanken nicht weiter, sondern stieg nach einem letzten, mißtrauischen Blick in die Runde aus dem Sattel und folgte Erik, der ebenfalls abgesessen war und bereits versuchte, sein Maultier auf die Fähre hinaufzubugsieren. Doch das übermüdete und gereizte Tier machte dem schlechten Ruf seiner Rasse alle Ehre und war nur mit Gewalt überhaupt dazu zu bewegen, sich von der Stelle zu rühren.

Tibor band seine Stute auf der Fähre fest, ging zu Erik zurück und half ihm, das Maultier vollends auf die Plattform hinaufzuhieven.

Der junge Nordmann nickte dankbar, wischte sich mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn und wollte unverzüglich nach dem Zugseil der Fähre greifen, aber Tibor hielt ihn noch einmal zurück.

»Warte«, sagte er. »Einen Moment noch. Irgend etwas gefällt mir hier nicht.«

»So?« brummte der Nordmann ungeduldig. »Und was beunruhigt den Herrn?«

Tibor blickte ihn einen Moment lang an, dann zuckte er mit den Achseln. Wie sollte er Erik etwas erklären, das er selbst kaum verstand? Es war ja nur ein Gefühl.

»Zum Beispiel, daß die Fähre hier so herrenlos herumliegt«, sagte er schließlich.

Erik grinste. »Wer stiehlt schon eine Fähre?« fragte er scherzhaft. »Und nun komm. Ich will endlich in die Stadt und sehen, ob sie ein Wirtshaus haben, in dem es ein gutes Bier gibt.«

So ganz zerstreuten Eriks Worte Tibors Bedenken allerdings nicht. Aber er sah auch ein, daß sich das Rätsel – wenn es eines war – nicht lösen würde, wenn sie hier herumstanden. So griff auch er nach dem Zugseil und half Erik, die Fähre von der Stelle zu bewegen.

Es war eine schwere und schweißtreibende Arbeit, das plumpe Gefährt gegen den Sog der Strömung zum anderen Ufer zu bewegen, und für die nächsten Minuten dachte er nicht an einen verschwundenen Fährmann oder sonderbare Schatten, sondern konzentrierte sich ganz darauf, sich Stück für Stück am rauhen Seil entlangzuhangeln.

Nach einer Ewigkeit – wie es ihm schien – erreichten sie das andere Ufer. Erik sprang mit einem kraftvollen Satz von der Fähre, knotete das Haltetau fest und griff nach dem Zaumzeug seines Maultieres.

Bevor er überhaupt reagieren konnte, hatte es ihn gebissen. Erik ächzte vor Schmerz und Überraschung, als die kräftigen Zähne des Maulesels so fest in seine Hand zwickten, daß Blut über seine Finger lief. Tibor konnte sich allerdings ein schadenfrohes Lachen nicht ganz verkneifen.

»Blödes Vieh!« schimpfte Erik und fügte mit einem wütenden Blick in Tibors Richtung hinzu: »Ich weiß überhaupt nicht, was es da zu lachen gibt. Das tut verdammt weh!«

Tibor verstummte schuldbewußt. »Verzeih«, sagte er. »Es sah nur so komisch aus.« Er trat auf Erik zu und wollte nach seiner verletzten Hand sehen, aber Erik drehte sich mit einem wütenden Ruck um und tauchte den Arm bis zum Ellbogen ins Wasser, bis die Wunde, die nicht sehr tief war, zu bluten aufhörte. Dann kam er zurück und versuchte noch einmal – weitaus vorsichtiger – das Muli von der Fähre zu ziehen. Tibor half ihm, aber selbst mit vereinten Kräften machte es Mühe, das bockende Tier aufs Ufer hinaufzuzerren.

Als sie es endlich geschafft hatten, blieb Tibor erschöpft stehen, fuhr sich mit beiden Händen über das Gesicht und wartete, bis sich sein Atem ein wenig beruhigt hatte. Dann ging er auf die Fähre zurück, band seine Graustute los und schnalzte mit der Zunge.

Doch auch sein Tier bewegte sich nicht.

Diesmal war es Erik, der ein schadenfrohes Gelächter anstimmte.

Tibor sah die Stute mit einer Mischung aus Ärger und Verwirrung an. Er ritt das Tier jetzt seit annähernd einem Jahr, und es hatte ihm noch niemals den Gehorsam verweigert. Doch plötzlich fiel ihm auf, wie nervös die Graustute war. Ihre Ohren zuckten unablässig, der Schwanz peitschte hin und her, und ihre Nüstern waren gebläht. In diesem Zustand hatte sie Tibor noch nie erlebt. Sie bewegte sich nicht einmal von der Stelle, als er am Zügel zog und ihr gleichzeitig beruhigend zuzureden begann.

»Was ist los?« fragte Erik spitz. »Du lachst ja gar nicht mehr.«

Tibor schenkte ihm einen bösen Blick und fuhr fort, beruhigend auf die Stute einzureden. Schließlich gelang es ihm wirklich, das Tier von der Fähre herunter zu bekommen; wenn auch nur mit sehr großer Geduld und schier endlosem Zureden. Als er in den Sattel stieg, warf sie ihn beinahe ab.

Erik lachte nicht mehr, sondern stieg ebenfalls auf und betrachtete die beiden Tiere nachdenklich. »Was ist bloß mit den blöden Viechern los?« fragte er stirnrunzelnd. »Die sind ja wie ausgewechselt!«

Tibor sah nachdenklich zur Stadt hinauf. Obwohl sie ihr schon so nahe gekommen waren, daß sie das Muster des Mauerwerks erkennen konnten, war noch immer kein menschliches Wesen zu entdecken. Die Zinnen und Türme waren leer, hinter den Fenstern war nichts als Dunkelheit, und das weit offenstehende Tor gähnte wie ein häßliches Loch in der Stadtmauer. Nur die Schatten waren wieder da. Und noch etwas…

»Das gefällt mir nicht«, sagte Tibor. Erik seufzte, aber Tibor schüttelte den Kopf und fuhr mit einer Geste auf ihre beiden Reittiere fort: »Die Tiere sind nervös.« »Und?«

»Sie haben viel feinere Sinne als wir«, behauptete Tibor. »Manchmal spüren sie eine Gefahr lange vor den Menschen.«

Erik verdrehte in übertriebenem theatralischem Entsetzen die Augen. »Fängst du schon wieder an zu unken?« fragte er. »Die Viecher sind müde, das ist alles!« »Und die Stadt?« fuhr Tibor unbeeindruckt fort. »Sie hätten uns lange bemerken müssen.«

Erik wirkte für einen kleinen Moment unsicher und irritiert. Dann schüttelte er fast zornig den Kopf. »Vielleicht haben sie ja Angst vor uns«, sagte er ärgerlich.

Noch bevor Tibor irgend etwas darauf erwidern konnte, rammte er seinem Maulesel so kräftig die Fersen in die Seiten, daß das Tier mit einem erschrockenen Satz loslief.

»Ja«, murmelte Tibor leise. Abermals sah er zur Stadt hinauf. »Vielleicht hast du sogar recht, mein Freund.« Aber das hörte Erik schon nicht mehr, denn er hatte auf seinem kurzbeinigen Muli bereits einen solchen Vorsprung, daß Tibor sich sputen mußte, ihn überhaupt noch einzuholen.

Kapitel 2

Die Stadt wirkte jenseits ihrer Mauern so unheimlich wie von außen. Sie hatten das Tor durchschritten und waren auf eine breite, sauber gepflasterte Straße gelangt. Aber auch hier waren sie auf keine Menschenseele gestoßen. Die einzige Bewegung kam vom Wind, der Staub und trockenes Laub vor sich hertrieb, und die einzigen Laute waren sein Heulen und die unheimlichen, klackenden Echos der Hufe ihrer Reittiere, die von den Wänden widerhallten.

Tibor schauderte, aber es war keineswegs nur die Einbildung, die ihn frösteln ließ. Es war kalt hier in der Stadt, sehr viel kälter, als es trotz des Windes und der noch frühen Stunde hätte sein dürfen.

»Was mag hier geschehen sein?« murmelte Erik, während sie nebeneinander durch die menschenleere Straße ritten, dem Marktplatz zu, der wie ein verwaschener heller Fleck am Ende der grauen Häuserreihe schimmerte. Erik war immer schweigsamer geworden, mit jedem Schritt, den sie tiefer in die Stadt eingedrungen waren. »Wo sind all diese Menschen geblieben?«

»Vielleicht… sind sie vor einer Krankheit geflohen«, vermutete Tibor.

»Oder sie haben uns gesehen und halten sich versteckt«, fügte Erik hinzu. »Möglicherweise halten sie uns für Räuber und haben wirklich Angst vor uns.«

Keiner von ihnen antwortete auf die Worte des anderen, denn sie spürten beide, daß weder die eine noch die andere Erklärung richtig war. Sie suchten nur beide verzweifelt nach einem Grund für das unheimliche Schweigen, um sich selbst zu beruhigen.

Schließlich erreichten sie den Marktplatz und zügelten ihre Tiere. Tibor sah sich mit einer Mischung aus Neugier und Furcht um. Die Stadt mußte weit größer sein, als es von außen den Anschein gehabt hatte, denn hinter ihnen war die Mauer nur noch als grauer Schemen über den Dächern zu erkennen, und auf der anderen Seite verlor sich sein Blick gar in diffuser Weite, ohne daß die jenseitige Begrenzung der Stadt überhaupt zu erkennen war.

Aber das, dachte Tibor mit plötzlichem, eisigen Schrecken, war etwas, das ganz und gar unmöglich war.

Aber er verschwieg Erik seine Beobachtung. Vielleicht war es ja nur eine Täuschung: eine Luftspiegelung oder ein Streich, den ihm seine übermüdeten Augen spielten. Und er war viel zu müde, um sich mit der Lösung dieses neuerlichen Rätsels jetzt wirklich befassen zu können.

Umständlich stieg er aus dem Sattel, griff die Stute beim Zügel und wies mit der freien Hand auf ein zweistöckiges Gebäude auf der anderen Seite des Platzes, über dessen Eingang ein buntes Schild ein Gasthaus verriet. Darunter stand etwas geschrieben, aber in einer Schrift, die er nicht lesen konnte.

Erik nickte erschöpft und folgte ihm wortlos, aber sein Gesichtsausdruck sprach Bände. Er fühlte sich alles andere als wohl in seiner Haut, und wahrscheinlich wünschte er sich in diesem Moment nichts mehr, als möglichst weit fort von dieser unheimlichen Stadt zu sein.

Wind und Schatten und Staub begannen heftiger zu tanzen, als sie den Platz überquerten, und für einen kurzen Augenblick glaubte Tibor, leise wispernde Stimmen im Heulen der Böen wahrzunehmen: düstere Dinge in den Schatten, die wie körperlose graue Hände nach ihm und Erik griffen und sich stets zurückzogen, kurz bevor sie sie wirklich erreichten. Mit einemmal war der Spuk wieder vorbei. Aber es blieb etwas wie ein schlechter Geschmack bei Tibor zurück, und er war sich nicht ganz sicher, daß wirklich alles nur Einbildung gewesen war. War da nicht eine leise, aber sehr deutliche Stimme im Wind gewesen, eine Stimme, die »Geht weg! Geht weg!« gerufen hatte, immer und immer wieder?

Erik band seinen Maulesel vor dem Gasthaus an, wartete, bis Tibor es ihm gleichgetan hatte, und stieß die Tür auf, ohne anzuklopfen.

Drinnen war es dunkel und so kalt, daß ihr Atem als weißer Dampf in der Luft erschien und Tibor nicht erstaunt gewesen wäre, hätte er Eis in den Ritzen entdeckt. Und das Zimmer war so leer wie die Stadt, die sie durchquert hatten.

Erik blieb dicht hinter der Tür stehen und rief dreimal nach den Wirtsleuten, wobei er zweimal zwei verschiedene Sprachen gebrauchte, von denen Tibor keine kannte. Die einzige Antwort, die er bekam, war das Echo seiner eigenen Stimme. Schließlich zuckte er mit den Achseln, ging zum Fenster und stieß die Läden auf, um das Tageslicht hereinzulassen.

Und dann ging alles ganz schnell: so rasch, daß Tibor hinterher nicht einmal sicher war, überhaupt etwas gesehen zu haben; sicher war er sich nur, daß Erik, der noch immer zum Fenster gewandt dastand, nicht einmal etwas davon bemerkt hatte. Aber für einen ganz kurzen Moment, einen flüchtigen Augenblick, in dem die Dunkelheit dem hereinströmenden Licht wich, es aber noch nicht wirklich hell werden ließ, hatte er den Eindruck, etwas davonhuschen zu sehen: etwas Großes und Dunkles, Körperloses, das sich mit einer sonderbar flatternden Bewegung aus den Winkeln und Ecken erhob und in die Schatten floh.

»Was hast du?« fragte Erik plötzlich. Er hatte sich wieder herumgedreht und sah Tibor an, und Tibor begriff, daß sein Schrecken ziemlich deutlich auf seinem Gesicht geschrieben sein mußte.

»Nichts«, sagte er hastig.

»Nichts?« Erik runzelte die Stirn und sah ihn mißtrauisch an. »Du siehst aus, als hättest du ein Gespenst gesehen!«

»Es ist nichts«, sagte Tibor noch einmal. »Ich bin müde, das ist alles.« Er versuchte zu lächeln, um seine Worte zu unterstreichen, aber so ganz gelang es ihm nicht. Zu seiner Erleichterung gab sich Erik mit dieser Erklärung zufrieden und begann ohne ein weiteres Wort das Zimmer zu durchsuchen. Tibor half ihm dabei.

Viel war es allerdings nicht, was sie fanden. Die Gaststube war recht groß, aber vollkommen leer. Die Töpfe und Tiegel hinter der Theke waren blank geputzt und so säuberlich aufgereiht wie Soldaten bei einer Parade. Und auch die anschließende Küche und der Vorratsraum boten keinen anderen Anblick: sauber und ordentlich aufgeräumt, aber leer bis auf den letzten Brotkrumen.

»So eine Schweinerei«, schimpfte Erik, als sie in die Gaststube zurückkamen. »Nicht einen Bissen haben sie uns zurückgelassen!«

»Wir haben genügend eigene Vorräte«, antwortete Tibor. »Zumindest wissen wir jetzt, daß die Leute hier nicht vor Räubern oder einem feindlichen Heer geflohen sind. Und auch nicht vor der Pest.«

»Ach?« fragte Erik. »Und woher wissen wir das?«

Tibor machte eine Bewegung mit der Hand, die den gesamten Raum einschloß. »Dann sähe es hier anders aus«, erklärte er. »Wer immer hier gelebt hat, ist nicht in Panik geflohen, sondern hat Zeit gehabt, seine Dinge zu ordnen und dieses Haus in tadellosem Zustand zurückzulassen.« »Vielleicht kommen sie ja wieder«, vermutete Erik. »Sollen wir nachsehen, ob es in den anderen Häusern ähnlich aussieht?«

»Nein«, sagte er. »Ich bin müde, und du auch. Laß uns lieber nach oben gehen und schauen, ob sie wenigstens das Bettzeug dagelassen haben.«

Nacheinander gingen sie die schmale, ausgetretene Treppe zum oberen Stockwerk hinauf. Diesmal hatten sie mehr Glück. Schon im ersten Zimmer fanden sie ein frisch bezogenes Bett und weitere in den Nebenzimmern. Erik ging noch einmal nach unten, um das Gepäck zu holen und sich davon zu überzeugen, daß ihre Tiere sicher angebunden waren.

Tibor bekam nicht einmal mehr mit, wie Erik zurückkam. Er hatte sich bereits in voller Kleidung aufs Bett gelegt und war eingeschlafen.

Kapitel 3

Als Erik ihn weckte, hatte er das Gefühl, die Augen gerade erst geschlossen zu haben. Er fühlte sich müder als zuvor und war so benommen, daß er im ersten Moment nicht einmal begriff, wer der Schatten war, der da an seiner Schulter rüttelte, geschweige denn, was er von ihm wollte.

»Laß mich«, murmelte er verschlafen. Er schob Eriks Hand beiseite und wollte sich zur Wand umdrehen, aber Erik zerrte ihn grob in die Höhe und deutete mit der anderen Hand zum Fenster.

»Zum Teufel, Tibor, wach endlich auf!« fauchte der Nordmann zornig. »Es kommt jemand!«

Tibor blinzelte, setzte sich mühsam auf und fuhr sich mit beiden Händen über das Gesicht. Die Benommenheit wich nur langsam, und für einen Moment mußte er mit aller Gewalt gegen die Verlockung ankämpfen, Eriks Worte einfach zu ignorieren und weiterzuschlafen. Er gähnte ungeniert, rieb sich die Augen und blinzelte verschlafen zu Erik hoch.

»Es kommt jemand?« murmelte er.

»Reiter!« Erik nickte erregt. »Sehr viele Reiter. Man hört sie ganz deutlich!« Er deutete aufgeregt zum Fenster und rollte ungeduldig mit den Augen, als Tibor für seinen Geschmack viel zu langsam aufstand.

Tatsächlich hörte auch Tibor deutlich das Hufgetrappel von Pferden, als er Erik zum Fenster gefolgt war und einen Moment gelauscht hatte. Zu sehen war zwar noch nichts, aber das Geräusch war eindeutig. So verlassen, wie diese Stadt ihnen bisher vorgekommen war, war sie wohl doch nicht.

»Laß uns hinuntergehen«, sagte Erik. »Sie werden unsere Tiere sehen und nach uns suchen.«

Tibors Blick suchte die Sonne, ehe er sich umwandte und Erik folgte. Ihrem Stand nach zu schließen, hatte er kaum zwei Stunden geschlafen. Kein Wunder, daß er sich noch wie gerädert fühlte.

Die Schatten waren vollends ins Nichts zurückgekrochen, als sie die Gaststube durchquerten, und der Raum war jetzt nichts weiter als ein großes, leeres Zimmer, in dem sich schon der Staub breitzumachen begann. Und auch an der Stadt war nichts Unheimliches oder gar Bedrohliches mehr, als er hinter Erik aus dem Haus trat und den Blick über das weite, verlassene Areal des Marktplatzes gleiten ließ.

Der Hufschlag war lauter geworden, aber noch immer war von den Reitern nichts zu sehen. Dabei mußten sie schon sehr nahe sein, Tibor konnte bereits den Widerhall der einzelnen Hufschläge hören, dazwischen das schwere Schnauben der Pferde, das Knarren von ledernem Sattelzeug und das Klirren von Metall. Erik hatte recht. Es mußten sehr viele sein, ein Dutzend oder mehr.

Aber sie kamen nicht in Sicht.

Der donnernde Hufschlag wurde lauter und lauter, schwoll mehr und mehr an. Es war ein bizarrer, unheimlicher Moment: Der Platz erzitterte unter den dröhnenden Hufschlägen eines kleinen Heeres, in der Luft lag das Wiehern der Pferde, das Rufen und Schreien der Männer und das Klirren von Waffen und metallbeschlagenem Sattelzeug.

Aber sie waren allein, und rings um sie herum regte sich nicht einmal der Wind.

»Tibor, was… was ist das?« keuchte Erik. Er war leichenblaß geworden. Seine Hände zitterten. »Das ist Hexerei!« Tibor schwieg. Instinktiv war er wieder zurückgewichen, bis er halbwegs unter der Tür und im Haus war, obwohl er ebenso wußte, daß ihm dieses Haus keinen Schutz bieten würde.

Der Lärm schwoll weiter an, wuchs zu einem irrsinnigen Crescendo, bis die ganze Stadt unter dem Dröhnen eines gewaltigen Heeres zu zittern schien. Tibor glaubte sogar den Staub und den scharfen Schweiß der Pferde zu riechen.

Aber der Platz vor ihnen war leer!

»Teufelswerk!« keuchte Erik. »Was geht hier vor?«

Tibor wollte antworten, aber der Lärm schwoll noch weiter an, und es war unmöglich zu reden. Was zuerst wie das Geräusch von vielleicht ein oder zwei Dutzend Reitern geklungen hatte, wurde zu einem infernalischen Getöse, als galoppiere ein nach Tausenden zählendes Heer durch die Stadt. Der Boden unter ihren Füßen zitterte, und schließlich begann selbst das Glas in den Fenstern zu klirren.

Und ebenso langsam, wie der Lärm gekommen und angeschwollen war, ebbte er auch wieder ab. Es dauerte lange, bis sie überhaupt wieder miteinander reden konnten, ohne schreien zu müssen.

Erik wandte sich um. Sein Gesicht war bleich wie eine frisch gekalkte Wand und seine Augen vor Schreck geweitet. »Was… was war das?« stammelte er. »Tibor, was war das?« Plötzlich sprang er auf Tibor zu und packte ihn so heftig an beiden Schultern, daß es weh tat.

Tibor schlug seine Arme beiseite und sprang einen Schritt zurück. »Das weiß ich so wenig wie du!« rief er. »Verdammt, Erik, beruhige dich.«

Aber der Nordmann beruhigte sich nicht. Er folgte Tibor zwar nicht, aber in seinem Gesicht zuckte es, und er schluckte ununterbrochen. Sein Atem ging so schnell, als wäre er stundenlang gerannt. »Ich… ich will hier raus«, stammelte er, »raus aus dieser verdammten Stadt!«

Plötzlich schrie er auf, fuhr herum und wollte aus dem Haus stürmen, aber Tibor vertrat ihm mit einem raschen Schritt den Weg und stellte ihm ein Bein. Erik stolperte, fiel der Länge nach hin und blieb einen Moment lang benommen liegen.

»Nun?« fragte Tibor, nachdem er sich wieder hochgerappelt hatte. »Wieder beruhigt?«

Erik nickte. Aber das Flackern in seinem Blick besagte das Gegenteil. Tibor ließ den jungen Nordmann keine Sekunde aus den Augen, während er sich aufrichtete und umständlich den Schmutz aus seinen Kleidern klopfte. Das Dröhnen der Pferdehufe war noch immer zu vernehmen, aber es entfernte sich und wurde leiser.

»Ich will hier weg«, sagte Erik plötzlich ganz ruhig, aber auch mit großer Entschlossenheit. »Diese Stadt ist verhext, Tibor. Hier gibt es böse Geister.«

Tibor nickte. Er war nicht sicher, daß die Erklärung für ihr unheimliches Erlebnis wirklich so einfach war, wie Erik glaubte. Aber in einem Punkt hatte er sicher recht – daß sie von hier verschwänden sollten, so rasch es nur ging.

»Gut«, sagte er. »Sattele die Tiere. Ich gehe inzwischen nach oben und hole unser Gepäck.«

Auf Eriks Gesicht machte sich ein Ausdruck deutlicher Erleichterung breit. Er lächelte, wenn auch etwas gezwungen, drehte sich herum – und erstarrte mitten in der Bewegung. Ein überraschtes Keuchen kam über seine Lippen.

»Was hast du?« fragte Tibor alarmiert.

»Dort drüben!« Erik deutete erregt über den Platz. »Da ist jemand. Ein Mensch!«

Tibor blickte in die Richtung, in die Eriks ausgestreckter Arm wies. Und tatsächlich sah er auch etwas: eine Gestalt, groß, aber angstvoll geduckt, in graue Lumpen gekleidet, die einen fast mannslangen Knüppel in der Rechten trug. Nicht länger als eine Sekunde blieb der Mann reglos so stehen, kaum weniger überrascht als Erik und er, dann fuhr er herum und war mit einem einzigen Satz in einer Lücke zwischen zwei Häusern verschwunden.

»Den schnappen wir uns!« rief Erik. »Los!« Und damit stürmte er auch schon los, so rasch, daß Tibor keine Zeit fand, ihn auch nur mit einem Wort zurückzuhalten. All seine Furcht schien im Augenblick vergessen.

Tibor schluckte einen Fluch herunter und folgte ihm, so schnell er konnte. Aber Erik spurtete in einem Tempo los, mit dem er nicht mitkam. Als er in die Gasse stürmte, in die der Fremde verschwunden war, betrug sein Vorsprung schon ein gutes Dutzend Schritte. Tibor verdoppelte seine Anstrengungen, ihn einzuholen. Gleichzeitig begann er aus Leibeskräften Eriks Namen zu rufen.

Wie zur Antwort erscholl aus der Gasse ein zorniger Schrei. Und als Tibor um die Ecke bog, bot sich ihm ein erschreckender Anblick: Erik war nur mehr wenige Schritte vor ihm, aber er war nicht mehr allein. Gleich vier oder fünf zerlumpte Gestalten bedrängten ihn und versuchten, den jungen Hünen niederzuringen. Erik wehrte sich aus Leibeskräften und ließ die gewaltigen Fäuste fliegen, aber die Übermacht war zu groß.

Tibor stieß einen erschrockenen Ruf aus und wollte ihm zu Hilfe eilen, doch in diesem Moment flog neben ihm eine Tür auf, und plötzlich sah auch er sich von gleich drei in Fetzen gehüllte Gestalten umringt.

Es war nicht einmal ein richtiger Kampf. Tibor packte zwar den ersten Mann, der auf ihn zustürmte, am Arm, vollführte eine blitzartige halbe Drehung und versetzte ihm so noch mehr Schwung, als er schon hatte. Der Kerl stolperte an ihm vorüber und kollidierte reichlich unsanft mit der gegenüberliegenden Wand. Aber noch bevor er mit einem gurgelnden Schrei zusammensinken konnte, fühlte sich Tibor von ungemein starken Fäusten gepackt und niedergerungen. Er fiel auf die Knie, bäumte sich noch einmal auf und sank vollends nach vorne, als ein harter Schlag seinen Nacken traf.

Einen Moment lang blieb er benommen sitzen. Das Blut rauschte in seinen Ohren, und für einige kurze Sekunden spürte er die dunkle Hand der Bewußtlosigkeit nach seinen Gedanken greifen.

Als sich sein Blick wieder klärte, lag er mit auf dem Rücken zusammengebundenen Händen am Boden, gleich neben Erik, der auf dieselbe Art gefesselt war. Ein gutes halbes Dutzend zerlumpter Gestalten umstanden sie, und der Ausdruck, den er in ihren Blicken las, ließ ihn das Schlimmste befürchten.

»Was wollt ihr von uns?« fragte er mühsam. »Warum greift ihr uns an? Wir haben euch nichts getan!«

Statt einer Antwort beugte sich einer der Burschen vor und schlug ihm mit der flachen Hand über den Mund.

»Schweig!« schrie er aufgebracht. »Oder ich bringe dich gleich hier um!« Er ballte die Faust, als wolle er seine Ankündigung auf der Stelle wahr machen, aber einer der anderen riß ihn grob an der Schulter zurück und fuhr ihn an: »Laß das! Barok soll entscheiden, was mit ihnen zu geschehen hat!«

»Was gibt es da zu entscheiden?« fauchte der Bursche. Tibor erkannte ihn jetzt. Es war der, den er gegen die Wand geschleudert hatte. Sein Gesicht war bleich, und aus seiner Nase lief Blut. »Schlagt sie tot, auf der Stelle, ehe sie uns alle umbringen können!«

»Du wirst warten, bis Barok hier ist«, sagte der andere befehlend.

»Ihr täuscht euch in uns, ihr Herren!« sagte Tibor. »Wir wollen euch nichts…«

Diesmal war es der andere Mann, der ihn zum Schweigen brachte: mit einem derben Fußtritt in die Rippen, der Tibor vor Schmerz aufstöhnen ließ.

»Kein Wort mehr!« sagte er drohend. »Unser Anführer wird entscheiden, was mit euch zu geschehen hat. Bis dahin rate ich dir, deine Zunge im Zaum zu halten. Am Ende sagst du noch einen Zauberspruch auf und verhext uns alle!« Er zerrte einen schartigen Dolch unter dem Gürtel hervor, fuchtelte einen Moment drohend damit vor Tibors Gesicht herum und richtete sich auf.

»Ihr gebt mir auf die beiden acht«, sagte er, an seine Begleiter gewandt. »Ich werde nachsehen, wo Barok und die anderen stecken.«

Tibor sah ihm finster nach, bis er am Ende der Gasse verschwunden war. Er war noch viel zu benommen, um wirkliche Angst zu empfinden. Im Gegenteil; er spürte fast so etwas wie Erleichterung. So gefährlich die Männer auch sein mochten, in deren Gewalt sie sich befanden, es waren doch ganz normale Menschen aus Fleisch und Blut und keine herumgeisternden Schatten.

Tibors Blick glitt über die Gestalten und Gesichter der anderen, und der Ausdruck, den er darin las, war überall der gleiche: Zorn und Haß, aber auch eine große Portion Furcht. Vorsichtig, um ihre Bewacher nicht durch eine zu schnelle Bewegung zu neuen Schlägen oder Schlimmerem zu verleiten, drehte er sich auf die Seite und besah sich die Gasse genauer. Sie war sehr schmal, kein eigentlicher Weg, sondern im Grunde nur eine Lücke zwischen zwei Häusern, die zu bebauen niemand lohnenswert gefunden hatte. Die Sonne stand noch nicht ganz im Zenit, so daß die Häuser auf der rechten Seite noch einen deutlichen Schatten warfen. Eine schnelle Drehung, dachte er, und er könnte ihn erreichen. Aber er tat es nicht. Im Grunde waren Erik und er nicht einmal in Gefahr, denn es war für Tibor ein leichtes, von einem Augenblick zum anderen zu verschwinden: auch zusammen mit Erik.

Es dauerte lange, bis der Räuber zurückkam. Doch er war nicht mehr allein. Ein weiteres halbes Dutzend Männer begleitete ihn. Angeführt wurde der kleine Trupp von einem mittelgroßen, hageren Mann mit schwarzem Haar, dessen Kleidung als einzige nicht aus Lumpen, sondern aus einer – wenn auch bunt zusammengewürfelten – Rüstung bestand: Kettenhemd und Rock aus dem gleichen Metallgeflecht, zwei verschiedene Stiefel und einen Helm, der ihm ein gutes Stück zu groß war, dazu einen runden Schild, den er auf den Rücken geschnallt hatte, was ihn fast bucklig erscheinen ließ. An seiner Seite klirrte ein Schwert.

Die Männer wichen respektvoll zur Seite, als Barok näher kam und dicht vor Erik und Tibor stehenblieb. Eine Zeitlang blickte er stumm und ausdruckslos auf die beiden herab, dann verzogen sich seine Lippen zu einem dünnen, abfälligen Lächeln.

»Geister!« sagte er wütend. »Hexenmeister. Seid ihr von Sinnen, Kerle? Das sind zwei Kinder.« Das letzte Wort hatte er geschrien, und Tibor sah, wie die Männer in seiner unmittelbaren Nähe ein Stück zurückwichen. Gleichzeitig machten ihn Baroks Worte wütend. Sicherer war noch jung, für seine sechzehn Jahre aber doch wieder sehr groß und kräftig. Und Erik war ein Riese, der jeden von Baroks Männern um Haupteslänge überragte. Sie als Kinder zu bezeichnen, war eine Beleidigung.

»Aber sie… sie waren hier«, verteidigte sich der Mann, der Tibor getreten hatte. »Und sie kamen aus einem der Häuser, gerade als der Hufschlag am lautesten war!«

Barok starrte den Mann an. Seine linke Augenbraue rutschte ein Stück in die Höhe und verschwand unter dem Rand seines Helmes. »Narr«, sagte er kalt. Dann wandte er sich um, ließ sich vor Tibor und Erik in die Hocke sinken und sah sie abwechselnd an.

»Also«, begann er, »wer seid ihr beiden? Und was sucht ihr hier?«

»Dasselbe könnte ich euch fragen!« schnappte Erik trotzig zurück.

Tibor sah, wie es in Baroks Augen zornig aufblitzte. »Wir sind durch Zufall hier«, sagte er hastig, um Baroks Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. »Wir sind drei Tage geritten und haben die Stadt heute morgen entdeckt. Wir wollten nur ein paar Stunden ausruhen.«

»Und wer seid ihr?« wollte Barok wissen.

»Ich heiße Tibor«, antwortete Tibor. Er wies mit einer Kopfbewegung auf den Nordmann. »Das da ist Erik.« »Und was seid ihr?«

»Nichts, Herr«, sagte Tibor hastig. »Ich bin nur ein Gauklerjunge, der durch die Welt zieht und sich hier und da ein paar Münzen verdient. Erik kommt aus dem Norden und ist wieder auf dem Weg dorthin zurück.« »Ein Gauklerjunge, so«, murmelte Barok. »Einer vom fahrenden Volk. Wieso bist du allein?«

»Ich habe mich von meinen Leuten getrennt, im vergangenen Jahr«, antwortete Tibor.

Barok nickte, fuhr sich mit der Hand über das Kinn und wandte sich an Erik. »Und du?« fragte er. »Hast du auch niemanden, oder leben deine Eltern noch?«

»Mein Vater ist ein mächtiger Mann«, erwiderte Erik stolz. »Vier Kriegsschiffe und hundert Krieger folgen seinem Befehl. Er wird euch alle töten lassen, wenn ihr mir auch nur ein Haar krümmen solltet!«

Seine Worte lösten ein schallendes Gelächter unter Baroks Männern aus, und auch in den Augen des Anführers blitzte es amüsiert. »Wer spricht davon, dir ein Leid anzutun?« fragte er. »Im Gegenteil. Meine Männer und ich haben noch für eine Weile hier zu tun, aber wie es der Zufall will, führt uns unser Weg danach nach Norden. Und was liegt da näher, als dich mitzunehmen und zu deinem Vater zu bringen?« Er lachte böse. »Wenn er wirklich ein so reicher und mächtiger Mann ist, dann wird er sicher einen Teil seines Reichtums hergeben, um seinen Sohn zurückzubekommen.«

Erik erbleichte, als ihm klar wurde, daß er mit seinen Worten wohl das genaue Gegenteil von dem bewirkte, was er beabsichtigt hatte. »Das wagst du nicht!« keuchte er. »Mein Vater wird dich vierteilen lassen und deine Männer dazu!« Barok bedachte ihn mit einem beinahe mitleidigen Blick, stand auf und deutete auf zwei seiner Männer. »Ihr da! Nehmt diesen Burschen und bringt ihn ins Lager. Und paßt gut auf ihn auf. Und ihr anderen haltet hier nicht Maulaffen feil, sondern macht euch an die Arbeit. Es sind noch eine Menge Häuser zu durchsuchen, bis es dunkel wird.«

»Und was geschieht mit dem da?« fragte einer seiner Männer und deutete auf Tibor.

Barok überlegte einen Moment. »Für einen Gauklerjungen habe ich keine Verwendung«, entschied er dann. »Er hat nichts, und es gibt keinen, der für ihn zahlt.« »Sollen wir ihn töten?«

Barok schwieg einen Augenblick, dann schüttelte er den Kopf. Ein dünnes, böses Lächeln huschte über sein Gesicht. »Wozu so viel Mühe?« fragte er. »Sie sind doch hergekommen, um zu schlafen, oder? Bringt ihn zurück und bindet ihn gut fest. Heute abend, wenn die Geister kommen, werden sie die Arbeit für uns tun.«

Die Räuber kommentierten seine Worte mit schallendem Gelächter, und schon wenige Augenblicke darauf wurde Tibor von harten Händen gepackt und quer über den Platz zum Gasthaus zurückgeschleift.

Kapitel 4

Tibor wurde zurück in das Zimmer gebracht, in dem er geschlafen hatte. Seine beiden Bewacher gingen dabei alles andere als sanft mit ihm um. Zu den blauen Flekken, die er schon hatte, gesellten sich weitere hinzu. Er wurde aufs Bett geworfen und so gebunden, daß er nicht einmal einen Finger rühren konnte. Aber selbst dann ließen die beiden Burschen ihn noch nicht allein, sondern begannen sein und Eriks Gepäck auf einen Haufen zu werfen. Das Zimmer wurde aufs Gründlichste durchsucht, wobei sie nichts liegenließen, was auch nur im mindesten des Mitnehmens wert schien.

»Sagt mir wenigstens, was mich erwartet«, sagte Tibor, als die beiden, schwer mit den erbeuteten Dingen beladen, zur Tür gehen wollten. »Ihr könnt mich doch nicht hier liegenlassen, bis ich verhungert oder verdurstet bin!?«

Einer der beiden ging unbeeindruckt weiter, aber der zweite blieb noch einmal stehen und wandte sich mit einem bösen Lächeln zu ihm um. »Aber nicht doch«, kicherte er. »Wer würde einem so netten Burschen wie dir wohl so etwas antun wollen? Morgen früh, sobald es hell wird, kommen wir zurück und sehen nach dir. Wenn du dann noch da bist«, fügte er hämisch hinzu.

»Was soll das heißen?« fragte Tibor erschrocken.

Das Grinsen des anderen wurde noch breiter. »Wer wird denn so neugierig sein?« kicherte er. »Warte einfach ab, und du wirst es sehen. Du mußt dich nicht einmal sehr lange gedulden. Nur bis es dunkel wird.« Und damit wandte er sich um, wankte unter seiner Last aus dem Zimmer und ließ Tibor endgültig allein.

Tibor blieb weiterhin reglos auf dem Bett liegen, selbst, als die Schritte der beiden längst unten im Schankraum verklungen waren. Die Fesseln waren so fest angelegt, daß sie schmerzten, und seine Finger und Zehen begannen schon jetzt zu prickeln, denn die dünnen Lederriemen schnürten ihm das Blut ab. Trotzdem wartete er noch einige Minuten, denn es hätte ihn kaum überrascht, wenn einer der beiden noch einmal zurückgekommen wäre, um sich davon zu überzeugen, daß ihr Gefangener auch wirklich gut gefesselt war.

Erst als vor dem Haus ein zorniges Wiehern und Augenblicke darauf das Geräusch von Hufschlägen laut wurden, ging er daran, seine Fesseln zu lösen; eine Kunst, die ihm wahrlich nicht schwerfiel. Immerhin hatte er den größten Teil seines Lebens wirklich bei einer Gaukler- und Artistentruppe verbracht, und Kunstreiten war nicht das einzige, was er während dieser Zeit gelernt hatte.

Zuerst drehte und wand er sich so lange, bis er auf der Seite lag. Dann zog er die Knie an den Körper, bog gleichzeitig Kopf und Schultern zurück und versuchte, mit den Fingern die Absätze seiner Schuhe zu erreichen. Beim dritten Versuch gelang es ihm. Alles andere war zwar sehr langwierig und auch schmerzhaft, aber im Grunde nicht viel mehr als ein Kinderspiel, denn die Fesseln waren zwar sehr fest angelegt, aber nicht besonders fachmännisch. Schon nach wenigen Minuten war es ihm gelungen, die Beine zwischen den zusammengebundenen Händen hindurchzuziehen und so die Arme nach vorn zu bekommen. Kurz darauf saß er aufrecht auf dem Bett und begann mit den Zähnen an den Knoten seiner Fesseln zu zerren.

Er brauchte eine Stunde, seine Hände zu befreien, und weitere zwanzig Minuten, bis er die Finger wenigstens halbwegs wieder bewegen und darangehen konnte, auch die Fußfesseln zu lösen. Langsam stand er auf, begann im Zimmer hin und her zu gehen und wartete darauf, daß das Blut auch in seinen Beinen wieder zu zirkulieren begann und er richtig gehen konnte. Erst dann trat er auf den Platz hinaus. Natürlich waren sein Pferd und Eriks Maultier so spurlos verschwunden wie die Räuber selbst. Jetzt galt es erst einmal Erik zu befreien – was sicherlich gar nicht so einfach sein würde. Er durfte nicht den Fehler begehen, die Räuber zu unterschätzen. Das wäre ihm schon einmal fast zum Verhängnis geworden. Aber Tibor hatte auch nicht vor, mit leeren Händen zu den Räubern zurückzukehren.

Mit einem entschlossenen Schritt trat er vom Fenster zurück und in die Schatten hinein.

Dies war Tibors großes Geheimnis: genaugenommen, eins von zwei Geheimnissen, die sein Leben vor nunmehr über zwei Jahren so gründlich verändert hatten. Es war etwas, was allen anderen wie Magie vorgekommen wäre und wofür auch er niemals eine Erklärung gefunden hatte: er konnte es einfach. So, wie ein anderer eine Tür öffnen und einfach hindurchgehen konnte, vermochte er die Welt des Sichtbaren zu verlassen, wo immer er einen Schatten fand, und ebenso beliebig wieder zu betreten, an jedem Ort, an dem er einmal gewesen war.

Bis jetzt, jedenfalls.

Diesmal war alles anders. Der Anfang war wie immer: ein Gefühl körperloser Kälte erfaßte ihn, dann der Schritt zurück in die Wirklichkeit.

Aber es war nicht die kleine Lichtung drei Tagesritte entfernt, wo er seine Rüstung und die Waffen versteckt hatte, auf der er sich jetzt wiederfand. Es war überhaupt kein Ort, an dem er jemals gewesen wäre.

Rings um ihn herum waren nur Schatten, schwarze Schemen, manche wuchtig und starr, andere klein, wie flackernde Nebelfetzen. Die Schatten umkreisten ihn. wirbelten schneller und schneller im Kreis um ihn herum und schienen wie mit zahllosen gierigen Händen nach ihm zu greifen. Tibor empfand Angst wie niemals zuvor in seinem Leben, ein gräßliches, bis auf den Grund seiner Seele reichendes Entsetzen, dessen er sich nicht erwehren konnte.

Und dann war es vorbei. So plötzlich, daß er vor Schreck taumelte und um ein Haar über eine Wurzel gestolpert wäre, fand er sich auf der Lichtung wieder, die sein ursprüngliches Ziel gewesen war.

Zitternd lehnte sich Tibor gegen einen Baum, schloß die Augen und wartete darauf, daß die rasende Angst in seinem Inneren nachließ. Aber sie ließ nicht nach, sondern wurde sogar noch schlimmer. Es waren auch nicht die Schatten, die ihn so ängstigten, sondern etwas anderes, das unsichtbar und lautlos in jener schrecklichen Zwischenwelt gelauert hatte und ihm bis in die Wirklichkeit gefolgt war. Er konnte es jetzt noch fühlen: ein Gefühl körperlicher Bedrohung, das sich wie ein Würgegriff um seine Kehle gelegt hatte.

Was war das gewesen? dachte er entsetzt. Waren das die Geister, von denen die Räuber gesprochen hatten oder Schatten derer, deren Hufschlag Erik und er gehört hatten, und die im finsteren Reich jenseits der Wirklichkeit vielleicht nur darauf lauerten, hervorzubrechen, und die Lebenden zu verderben?

Tibor versuchte die Vorstellung zu verscheuchen, aber es ging nicht. Seine Gedanken drehten sich wild im Kreis, und es dauerte seine Zeit, bis er sich so weit wieder gefaßt hatte, daß er seine Sachen aus dem Versteck holen und sich umziehen konnte. Trotzdem zitterten seine Hände noch immer so stark, daß er Mühe hatte, seine Kleidung abzustreifen und in seine Rüstung zu schlüpfen.

Als Tibor sich nach einer Weile aufrichtete und das Schwert in den Gürtel schob, hatte er sich – zumindest äußerlich – vollkommen verändert. Aus dem zwar großgewachsenen, aber im Grunde doch recht unscheinbaren Gauklerjungen war ein Ritter geworden, ein Mann in einer strahlenden weißen Rüstung, einen gewaltigen dreieckigen Schild am linken Arm und ein blitzendes Schwert an der Seite. Das Wappen von Rabenfels prangte auf Schild und Harnisch, und der weiße Federbusch an seinem Helm wehte hoch im Wind. Tibors Gesicht war unter dem spitzen Visier des Helmes verborgen, das bei genauerem Hinsehen an das Profil eines Raben erinnerte.

Aber es fiel Tibor schwer, sich auf seine bevorstehende Aufgabe zu konzentrieren. Er hatte schon mehr Zeit verloren, als gut war, doch zum ersten Mal überhaupt hatte er Angst davor, wieder den Schritt in die Schatten zu tun. Aber es mußte sein. Die Macht, die ihm gegeben worden war, war begrenzt. Er konnte nur einen Schatten wählen, den er sah – oder einen Ort, an dem er schon einmal gewesen war.

Tibor raffte das letzte bißchen Mut, das er noch in seinem Inneren fand, zusammen, schloß die Augen – und war mit einem einzigen Schritt wieder in der verlassenen Herberge im Zentrum der namenlosen Stadt.

Nichts hatte sich verändert. Diesmal griffen die unheimlichen Schatten nicht nach ihm, und auch das Zimmer lag noch ganz so da, wie er es verlassen hatte. Die Räuber waren offensichtlich nicht zurückgekommen, um noch einmal nach ihm zu sehen. Solange sie nichts von seinem Verschwinden ahnten, hatte er wenigstens noch den Vorteil der Überraschung auf seiner Seite. Und im Moment konnte er jeden noch so winzigen Vorteil bitter gebrauchen.

Er huschte noch einmal zum Fenster, überzeugte sich davon, daß der große Platz vor der Herberge nach wie vor leer war, und eilte die Treppe hinunter, so schnell es ihm in der schweren Rüstung überhaupt möglich war. Er wagte es nicht, wieder den Weg durch die Schatten zu nehmen, und so dauerte es fast eine halbe Stunde, ehe er endlich das Tor erreichte und die Stadt verließ.

Tibor atmete erleichtert auf, kaum, daß er die Zugbrücke überwunden hatte. Er merkte es erst jetzt, aber die ganze Zeit über, die er in dieser verlassenen Stadt gewesen war, schien eine unsichtbare Last auf ihm gelegen zu haben: etwas, das ihn am Atmen, ja beinahe am Denken hindern wollte.

Tibor sah sich aufmerksam um. Von den Räubern war noch immer keine Spur zu sehen, aber die Fähre lag wieder am anderen Ufer des Flusses, unweit des kleinen Wäldchens, das Erik und er am Morgen umgangen und in dem zweifellos auch die Räuber ihr Lager aufgeschlagen hatten. Tibor lächelte unter seinem Helm, als ihm klar wurde, welch einfache Erklärung dieses Rätsel gefunden hatte.

Langsam ging er weiter, blieb im Schutze der Uferbüsche stehen und sah sich noch einmal lange und aufmerksam um. Von den Räubern war noch immer keine Spur zu sehen. Sicher würden sie erst bei Einbruch der Dämmerung zurückkehren. Sie schienen sich so sicher zu fühlen, daß sie es nicht einmal für nötig zu halten schienen, eine Wache aufzustellen.

Trotzdem wagte es Tibor nicht, die Fähre herüberzuziehen und damit den Fluß zu überqueren. Er hatte mehr als einmal am eigenen Leib zu spüren bekommen, wie schnell sich das Glück rächen konnte, wenn man es überstrapazierte. So wählte er schweren Herzens noch einmal den Weg durch die Schatten und gelangte mit einem einzigen Schritt über den Fluß und an den Waldrand.

Tibor ließ sich im Schutze eines umgestürzten Baumes nieder und lauschte gebannt. Nichts war zu hören, bis auf das Rauschen des Windes und die Geräusche des nahen Flusses. Er verharrte trotzdem weiter reglos hinter seiner Deckung und wartete, bis er ganz sicher war, allein zu sein. Erst dann richtete er sich auf, sah noch einmal zur Stadt zurück und begann geduckt in den Wald hineinzulaufen.

Er fand die Spuren der Räuber schnell. Wie er vermutet hatte, führten sie geradewegs in den Wald hinein. Und die Männer hatten sich wahrlich keine besondere Mühe gegeben, vorsichtig zu sein. Auch jemand, der keine Erfahrung im Spurenlesen hatte, hätte den breiten Pfad aus niedergetrampeltem Buschwerk und geknickten Ästen, der ihren Weg markierte, schwerlich übersehen können. Tibor folgte ihm, bis sich das schattige Dunkelgrün vor ihm aufhellte und er gedämpftes Stimmengemurmel hörte. Dann wich er nach Westen aus und umging das Lager, um sich den Räubern von der der Stadt abgewandten Seite zu nähern.

Was er schließlich sah, erschreckte ihn.

Das Lager der Räuber war weitaus größer, als er erwartet hatte. Auf der halbrunden, roh in den Wald geschlagenen Lichtung erhob sich ein gutes Dutzend Zelte und hastig aus Laub und Zweigen errichtete Hütten. Drei bis zum Bersten beladene, vierrädrige Karren bildeten die Südgrenze des Lagers; daneben lag ein gewaltiger Haufen mit unordentlich übereinandergeworfenen Beutestücken, die die Räuber wohl aussortiert hatten. Offensichtlich rafften sie drinnen in der Stadt alles zusammen, dessen sie habhaft werden konnten, und sortierten erst hier das aus, was ihnen des Mitnehmens nicht wert schien.

Tibor schob sich ein Stück näher an das Lager heran, wobei er sorgsam darauf achtete, daß sich die Zweige des Busches, hinter dem er Deckung gesucht hatte, nicht bewegten. Angestrengt hielt er nach Erik Ausschau und entdeckte ihn schließlich am gegenüberliegenden Ende der Lichtung. Er saß an einem in den Boden gerammten Pflock gefesselt und wurde noch immer von den beiden Burschen bewacht, die ihn hergebracht hatten. Auch die Graustute und Eriks Maultier waren da.

Aber auch fast ein halbes Dutzend von Baroks Männern.

Tibor zerbiß einen Fluch auf den Lippen, als ihm klar wurde, daß es mit der blitzschnellen Befreiung Eriks wohl nichts werden würde. Er konnte allein sechs Räuber ausmachen – und wie viele sich noch in den Zelten und Hütten verbargen, wagte er nicht einmal zu schätzen.

Aber wenn er weiter hier hockte und wartete, bis womöglich noch Barok und die anderen Plünderer zurückkamen, würde an eine Befreiung Eriks überhaupt nicht mehr zu denken sein. Entschlossen richtete er sich daher auf und zog sein Schwert aus dem Gürtel.

Einer der beiden Räuber, die neben Erik hockten und ihn bewachten, fiel vor Schreck glattweg nach hinten in die Büsche, als Tibor vor ihm buchstäblich wie aus dem Nichts auftauchte. Der andere schrie auf, sprang hoch und schwang seinen Knüppel.

Tibor schlug ihn mit der flachen Seite seiner Klinge nieder, versetzte dem zweiten einen Hieb mit dem Schwertknauf und fuhr blitzschnell herum. Seine Klinge blitzte auf und zerschnitt Eriks Fesseln, noch bevor hinter ihnen im Lager der erste Schrei erscholl.

Erik sprang keuchend in die Höhe und starrte ihn an. »Wer seid Ihr, Herr?« stieß er hervor.

Tibor antwortete nicht, sondern deutete mit einer ungeduldigen Geste auf ihre Tiere und fuhr gleichzeitig herum, Schild und Schwert kampfbereit erhoben.

Keine Sekunde zu früh, denn die vier anderen Räuber hatten ihre Überraschung schnell überwunden und stürmten mit hoch erhobenen Waffen heran.

Tibor wartete nicht, bis sie ihn erreicht hatten, sondern griff seinerseits an. Noch ehe die Räuber wirklich begriffen, wie ihnen geschah, war er unter ihnen, schlug dem einen mit voller Wucht den Schild unter das Kinn und versetzte dem zweiten einen tiefen Stich in den Oberarm, daß er mit einem Schrei seine Waffe fallen ließ und sich zu seinem Kameraden auf dem Boden gesellte.

Die beiden anderen Angreifer verließ ob Tibors unerwarteter heftiger Gegenwehr vollends der Mut: Sie schleuderten ihre Keulen davon, fuhren auf dem Absatz herum und suchten ihr Heil in der Flucht. Das Lager war ruhig: Wenn sich in den Zelten und Hütten noch weitere Räuber aufhielten, so mußten sie aus dem Schicksal ihrer Kameraden gelernt und es vorgezogen haben, sich nicht zum Kampf zu stellen. Aber Tibor wußte auch, daß das nicht lange so bleiben würde. Er hatte es einzig dem Überraschungsmoment zu verdanken, daß er die Wegelagerer so leicht hatte überrumpeln können. Wenn sie wieder zu sich kamen und begriffen, daß sie nur mit einem einzelnen Mann zu tun hatten, würde es schlecht für ihn aussehen.

Erik starrte Tibor immer noch mit offenem Mund an. Selbst als Tibor an ihm vorbeistürmte und mit zwei blitzartigen Hieben die Stricke durchtrennte, die die Graustute und Eriks Maultier hielten, blieb er wie angewurzelt stehen.

Tibor schwang sich in den Sattel, riß sein Pferd mit einer heftigen Bewegung herum und winkte Erik nun ungeduldig. Zwei der Burschen, die er niedergeschlagen hatte, regten sich bereits wieder, und auch aus einer der Laubhütten drang gedämpfter Lärm.

Endlich erwachte der junge Nordmann aus seiner Erstarrung. Mit zwei, drei raschen Schritten war er bei seinem Maultier, schwang sich in den Sattel und ließ das Tier antraben. Auch Tibor ließ die Graustute lospreschen, und noch ehe die Räuber richtig begriffen, was wirklich geschah, hatten beide die Lichtung verlassen und sprengten den gewundenen Waldweg entlang, so rasch es die kurzen Beine von Eriks Maultier zuließen. Erik gestikulierte unentwegt hinter ihm her und rief ihm zu, anzuhalten, aber Tibor galoppierte stur weiter, bis sie ein gutes Stück vom Lager der Räuber entfernt waren und den Waldrand schon fast wieder erreicht hatten. Erst als Tibor sicher war, daß sie nicht verfolgt und unversehens wieder angegriffen werden konnten, ließ er seine Stute ein wenig langsamer traben, so daß Erik zu ihm aufschließen konnte.

Der junge Nordmann war außer Atem, und auch das Fell seines Maulesels glänzte vor Schweiß.

»Bist du verletzt?« fragte Tibor besorgt.

Erik schüttelte den Kopf. »Nein. Aber wer seid Ihr, Herr, und wieso…« Er sprach nicht weiter, sondern starrte Tibor einen Moment lang aus großen Augen an. »Tibor?« murmelte er. Seine Stimme bebte vor Unglauben. »Bist… bist du das?«

Statt einer direkten Antwort hob Tibor die Hand an den Helm und klappte mit einem Ruck das Visier nach oben. Erik stieß einen Schrei der Überraschung aus, aber Tibor ließ ihm gar keine Gelegenheit, irgend etwas weiter zu sagen, sondern deutete mit einer Kopfbewegung in die Richtung, aus der sie gekommen waren.

»Ja«, sagte er. »Ich weiß. Aber bevor du jetzt vor lauter Staunen aus dem Sattel fällst, sollten wir lieber weiterreiten. Deine Freunde werden kaum in aller Ruhe abwarten, bis wir ein gemächliches Schwätzchen gehalten haben.«

Erik nickte wie geistesabwesend, daß Tibor fast bezweifelte, ob der junge Nordmann seine Worte überhaupt verstanden hatte. Aber wenigstens folgte er ihm, als sie weiterritten, ohne noch einmal zu widersprechen.

Kapitel 5

Sie ritten fast eine Stunde nach Westen, immer am Flußufer entlang und stets so, daß sie das dichte Ufergestrüpp als Deckung nach beiden Seiten hin ausnutzen konnten. Tibor rechnete allerdings nicht ernsthaft damit, wirklich verfolgt zu werden. Soweit er es in den wenigen Augenblicken, da er das Lager gesehen hatte, überhaupt beurteilen konnte, hatten die Plünderer keine Pferde. Und Barok würde nach seiner Rückkehr zum Lager die Geschichte eines unbesiegbaren Ritters hören, der wie ein Geist aus dem Nichts erschienen und gleich sechs der Räuber auf einmal besiegt hatte. Tibor bezweifelte, daß Baroks Strauchdiebe den Mut haben würden, sich mit einem Ritter anzulegen.

Trotzdem hielt er erst an, als das Waldstück mit dem Räuberlager nur noch als grüner Fleck am Horizont auszumachen war. Und jetzt, endlich, fand Erik auch die Gelegenheit, auf die er seit einer Stunde fiebernd vor Ungeduld wartete: ihn nämlich mit Fragen zu bestürmen.

»Wie hast du das gemacht?« begann er aufgeregt, kaum daß sie abgesessen und ihre Tiere an einen Strauch angebunden hatten. »Dieser Trick war ja unglaublich! Es sah aus, als wärst du geradewegs aus dem Nichts erschienen! Und deine Verkleidung! Die Halunken sind glatt darauf hereingefallen und haben es mit der Angst be…«

Er brach mitten im Wort ab, als ihn Tibors Blick traf. Seine Augen wurden groß und rund. »Es… es war kein Trick, nicht wahr?« hauchte er plötzlich.

Tibor schüttelte den Kopf.

»Und du bist auch nicht verkleidet«, fuhr Erik fort.

Tibor schüttelte abermals den Kopf, schwieg aber noch immer.

»Und du bist auch kein Gauklerjunge«, sagte Erik verlegen. »Ich habe… auch gelogen«, gestand er schließlich nach einer Minute des Schweigens. »Mein Vater ist ein einfacher Seemann, und die hundert Krieger habe ich im gleichen Moment erfunden, in dem ich davon erzählt habe.«

Tibor war kein bißchen überrascht, das zu hören. »Und warum?« fragte er nur.

»Ach verdammt, ich hatte… einfach Angst!« rief Erik. »Ich dachte mir, daß sie mich mitnehmen würden, um ein Lösegeld von meinem Vater zu erpressen. Ich hatte Angst, daß sie mich gleich auf der Stelle erschlagen.«

»Und zu was sollte das gut sein?« fragte Tibor. »Sie hätten sich fürchterlich an dir gerächt, wenn sie die Wahrheit herausgefunden hätten.«

»Der Weg nach Norden ist weit«, sagte Erik achselzukkend. »Irgendwo hätte sich eine Gelegenheit zur Flucht ergeben.« Er lächelte, wenn auch sehr schüchtern, und wurde dann ganz plötzlich sehr ernst. »Du bist jetzt sicher sehr wütend auf mich, wie?« fragte er.

»Eigentlich sollte ich es sein«, antwortete Tibor, fügte aber mit einem halblauten, verzeihenden Seufzer hinzu: »Aber im Grunde kann ich dich sogar verstehen. Auch wenn es nicht besonders klug war.« Er lächelte, streichelte geistesabwesend den Hals seines Pferdes und deutete den Weg zurück, den sie am Morgen zuvor gekommen waren. »Sobald es dunkel wird, bringe ich dich zurück«, sagte er. »Eine Wegstunde wird reichen, denke ich. Barok und seine Halsabschneider werden uns sicher nicht verfolgen.«

»Zurück?« wiederholte Erik mißtrauisch. »Was soll das heißen?« »Willst du etwa hierbleiben?« fragte Tibor spöttisch. »Barok hat uns alles gestohlen«, erinnerte Erik. »Unser ganzes Gepäck ist fort, und…«

»Ein paar zerschlissene Decken und ein verbeultes Kochgeschirr«, unterbrach ihn Tibor ungehalten. »Es lohnt nicht, deswegen irgendein Risiko einzugehen.« »Und warum willst du dann hierbleiben?« fragte Erik. »Habe ich gesagt, daß ich das will?«

Erik nickte heftig. »Du hast gesagt, daß du mich zurückbringst, sobald es dunkel wird. Was willst du tun?« Tibor starrte ihn an. Für einen Moment war er fast versucht, Erik von seinem unheimlichen Erlebnis in der Stadt zu erzählen. Aber er tat es dann doch nicht. »Ich muß noch einmal in die Stadt«, sagte er knapp.

Erik keuchte vor Schreck. »In die Stadt zurück? Bei Nacht? Hast du vergessen, was die Räuber erzählt haben? Und was wir selbst erlebt haben?«

»Nein«, antwortete Tibor. »Gerade darum will ich ja noch einmal zurück.«

»Aber das ist doch Selbstmord!« protestierte Erik. »Die Geister werden dich…«

»Unsinn!« unterbrach ihn Tibor, der nun langsam wirklich zornig wurde. »Es gibt keine Geister!«

»Und was haben wir dann gehört?« fragte Erik. »Und was ist mit dieser Stadt und all ihren Bewohnern passiert?«

»Um das herauszufinden, will ich ja noch einmal zurück«, antwortete Tibor.

»Dann komme ich mit«, sagte Erik entschlossen. Einen Moment lang blickte ihn Tibor sehr ernst an. Dann schüttelte er den Kopf. »Nein.«

»Doch«, sagte Erik bestimmt.

Und dabei sollte es bleiben.

Kapitel 6

Die Räuber waren längst abgezogen. Tibor und Erik hatten aus dem sicheren Versteck des Ufergebüsches heraus beobachtet, wie sie die Fähre bestiegen und den Fluß überquert hatten, kaum daß sich das erste Grau der Dämmerung am Himmel zeigte. Und Tibor waren auch die angstvollen Blicke nicht entgangen, die die Männer zur Stadt zurückwarfen.

Die Sonne war noch nicht ganz untergegangen, als Erik und er sich durch das Stadttor schlichen und in Richtung Marktplatz gingen. Ein sonderbares, graues Licht lag wie regloser Nebel über der sauber gepflasterten Hauptstraße, und ganz wie am Morgen glaubte Tibor im Wispern des Windes für einen Moment noch ein anderes Geräusch zu hören: ein leises Flüstern und Raunen, als schliche etwas auf weichen Pfoten durch die Schatten.

»Was hat es nur mit dieser seltsamen Stadt auf sich?« flüsterte Erik.

»Ich weiß es nicht«, gab Tibor ebenso leise zurück. »Aber wir sind ja hier, um es herauszufinden, nicht wahr?« Er deutete mit einer Kopfbewegung auf das am nächsten liegende Haus. »Komm. Sehen wir uns dort drinnen um.«

Erik widersprach nicht. Trotz der unheimlichen Schatten, die das Haus wie alle anderen erfüllte, schien Erik froh zu sein, von der Straße herunterzukommen.

Ein Schwall abgestandener, nach Staub riechender Luft schlug ihnen entgegen, als sie das niedrige Gebäude betraten. Tibor widerstand im letzten Moment der Versuchung, das Schwert vorsichtshalber aus dem Gürtel zu ziehen, ließ die Hand jedoch auf dem Knauf der Waffe liegen und gebot Erik mit einer Geste, hinter ihm zu bleiben.

Irgend etwas stimmte hier nicht, das spürte er ganz genau. Das Haus bestand aus einem einzigen, großen Raum, so daß er sich auf den ersten Blick davon überzeugen konnte, allein zu sein.

Und trotzdem war irgendjemand hier. Tibor spürte es genau. Es war dasselbe Gefühl, das einen Blinden die Anwesenheit einer anderen Person fühlen ließ.

»Das… das ist Zauberei«, flüsterte Erik neben ihm. Er mußte das Unheimliche, das sich wie ein übler Geruch im Zimmer ausgebreitet hatte, so deutlich spüren wie Tibor. Sein Blick wanderte unstet durch den Raum. Durch die Fenster fielen die blassen Strahlen des silbernen Mondlichts herein, so daß sie trotz allem ausreichend sehen konnten. Aber da war nichts, außer ein paar ärmlichen Möbeln, einem umgestürzten Korb – und den Schatten, die wie schemenhafte Gestalten in den Ecken hockten. Wenn man lange genug hinsah, dann schienen sie sich zu bewegen, sich sanft zu wiegen, zusammenzuziehen und wieder auszudehnen… Fast, dachte Tibor schaudernd, als atmeten sie…

»Ich will weg hier!« keuchte Erik plötzlich. In seiner Stimme war jetzt ein deutlicher Unterton beginnender Panik. Und auch Tibor spürte eine immer stärker werdende Furcht; und es war eine Art von Furcht, gegen die er vollkommen wehrlos war.

Aber noch bevor er antworten konnte, fuhr Erik mit einem nur halb unterdrückten Schrei zusammen und deutete mit einer erschrockenen Geste zur Tür.

Tibor gebot ihm zu schweigen, schob ihn kurzerhand beiseite und zog sein Schwert. Das leise Scharren, mit dem die Klinge aus ihrer Hülle fuhr, kam ihm in der Stille des abgedunkelten Zimmers übermäßig laut vor: wie ein Schrei, der noch auf der anderen Seite der Stadt zu hören sein mußte.

Gebannt lauschte er. Schritte durchdrangen die Stille der Nacht, sehr schnelle, hastige Schritte, die rasch näher kamen. Die Schritte von drei, vielleicht auch mehr Männern, schätzte Tibor.

Vorsichtig und genau darauf achtend, im Schatten der Tür zu bleiben, schob sich Tibor vor und spähte auf die Straße hinaus. Im ersten Moment sah er nichts, obgleich er jetzt auch die aufgeregten Stimmen von mindestens zwei Männern hören konnte. Abermals fühlte er sich auf sehr unangenehme Weise an ihr unheimliches Erlebnis vom Nachmittag erinnert. Aber dann erschien ein Schatten am Ende der Straße, gleich darauf ein zweiter, dritter und vierter, und Tibor registrierte erleichtert, daß sie es diesmal mit wirklichen, lebenden Menschen zu tun hatten.

Die Männer kamen schnell näher, und Tibor sah jetzt, daß sie nichts anderes als eine Verfolgungsjagd beobachteten, bei der ein Mann von den drei anderen erbarmungslos gehetzt wurde. Instinktiv ergriff er sofort Partei für den Verfolgten. Aber er war klug genug, sich nicht einzumischen, sondern wich einen Schritt ins Haus zurück, um aus sicherer Deckung heraus zuzusehen, was weiter geschah.

Die drei Verfolger holten ihr Opfer ein, ehe es die Hälfte der Straße überwunden hatte. Für einen Moment verschmolzen die vier Männer zu einem einzigen Knäuel. Aber es war nur ein kurzes Gerangel, dann hatten die Männer den Flüchtenden überwältigt und zerrten ihn grob auf die Füße. In dem Moment riß die Wolkendecke auf, und das Gesicht des Mannes war im silbernen Mondlicht so deutlich zu erkennen, als stünde Tibor ihm direkt gegenüber. Es war ein Gesicht, das er nur zu gut kannte.

»Wolff!« entfuhr es Tibor.

Erik zuckte zusammen, packte ihn an den Schultern und legte beinahe entsetzt den Zeigefinger auf die Lippen. »Bist du wahnsinnig?« keuchte er. »Willst du, daß sie uns hören?«

Tibor verstummte schuldbewußt. Tatsächlich blickte einer der Männer auf und sah aufmerksam in die Runde, aber nur für einen Moment. Dann zuckte er mit den Achseln, wandte sich wieder um und versetzte seinem Gefangenen einen Stoß, der ihn die Straße hinuntertaumeln ließ. Der Anblick löste eine Woge heißen Zornes in Tibor aus. Abermals mußte ihn Erik mit Gewalt ins Haus zurückzerren, um zu verhindern, daß er einfach hinter den Männern dreinstürmte und sich auf sie warf. Erst als die kleine Gruppe wieder hinter der Straßenbiegung verschwunden war, beruhigte sich Tibor soweit, daß Erik ihn losließ.

»Was zum Teufel ist in dich gefahren?« fragte der junge Nordmann zornig. »Willst du uns beide umbringen?«

Details

Seiten
163
Erscheinungsform
eBook-Lizenz
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783960531302
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v324274
Schlagworte
eBooks Hohlbein Fantasy Ritter Kampf Krieger Saga Geheimnis Krieg Ehre

Autor

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Titel: Der weiße Ritter - Zweiter Roman: Schattentanz