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1:0 für Coole Kicker - Band 1

2016 96 Seiten

Leseprobe

KAPITEL 1

»Tooor!« Es riss Frank geradezu aus seinem Sessel. »Hast du das gesehen, Jacki? Hast du das gesehen?«

»Ja, natürlich«, maulte seine schlanke, schwarzhaarige Schwester. »Aber hat dieser ... dieser Dingsda nicht im Abseits gestanden?«

»Der Dingsda«, Frank tippte sich bezeichnend gegen die Stirn. »Das ist der obercoolste Stürmer seit ...«

»Scholl? Matthäus? Oder willst du etwa bis Beckenbauer in die Vergangenheit zurückreisen?«

»Beckenbauer war kein Stürmer«, murmelte Frank, bevor er wieder fast in den Fernseher hineinkroch.

Kaum hatte der Schiedsrichter abgepfiffen, als auch schon das Telefon klingelte. Frank angelte sich den Hörer. »Ja?«

»Haste auch das Spiel gesehen? Voll krass, das mit dem Abseits in der zweiundvierzigsten Minute, was?«

»Wenn das überhaupt ein Abseits war«, sagte Frank großkotzig. »So sicher bin ich mir da nämlich nicht«

»Ach, komm, hör auf. Das war doch eindeutig.«

»Vielleicht in deinem Fernseher«, sagte Frank spitz, »aber nicht in meinem.«

Als keine schnelle Antwort erfolgte, fuhr er fort »Ist ja eigentlich auch egal, Jan. Lass uns zum Bolzplatz gehen.«

Der Bolzplatz genannte alte Fußballplatz lag direkt an dem Fluss Wilns, der ihren Heimatort Wilnshagen in zwei fast gleiche Hälften teilte.

»Du vergisst wohl«, beschied ihm Jan, »dass sich dort im Augenblick nur Kanalratten austoben können.«

»Richtig. Das Hochwasser.« Frank hatte ganz vergessen, dass der Bolzplatz mal wieder knöcheltief unter Wasser stand. »Dann sind die Wiesen unten am Fluss ja auch unter Wasser.«

»Klar doch, du Expresschecker. Und das, wo wir unbedingt für das Bromberger Hallenturnier üben müssen!«

»Ich weiß, was von dem Spiel abhängt«, sagte Frank »Es wäre eine prima Gelegenheit, auf uns aufmerksam zu machen – und als Torjäger in die Zeitung zu kommen! Damit stünden unsere Chancen echt besser, beim Test im nächsten Mai in die Auswahlmannschaft zu kommen.«

»Da sind auch Talentsucher von Bayern, 1860 und Unterhaching dabei. Stell dir mal vor, die merken, wie gut wir sind – und wir könnten im nächsten Jahr direkt bei Bayern München trainieren!«

»Ja«, sagte Frank ganz verträumt, »das wäre ein Ding.«

»Das kannste aber vergessen, wenn wir nicht genug üben können.«

Frank überlegte kurz. »Also, auf zu deiner Oma. Erschrecken wir mal wieder die Piepmätze in ihrem Obstgarten.«

»Keine Chance«, beschied ihm Jan. »Nachdem du bei unserem letzten Probespiel hinten im Garten den Ball direkt in ihr Gewächshaus gedonnert hast, ist meine Oma auf uns so gut zu sprechen wie Donald Duck auf einen leeren Geldspeicher.«

»Stimmt. Früher war sie immer so gut drauf. Aber wegen ihres Gewächshauses hat sie sich aufgeführt wie eine alte Gewitterhexe.«

Die beiden Jungen beratschlagten noch eine Weile hin und her, bis schließlich Frank das entscheidende Machtwort sprach: »Also, auf zu Guido. Der hat doch immer eine affenstarke Idee auf Lager.«

»Wir brauchen unseren eigenen Fußballplatz«, sagte Guido.

Der schlanke Junge mit den dunklen Haaren war bekannt für seine abgefahrenen Ideen. Oft machten sie ja auch Sinn. Aber ein eigener Fußballplatz? Das klang nur verrückt.

»Klar«, sagte der blonde Jan. »Ich ruf nachher mal bei Bayern München an. Die werden uns bestimmt einen Trainingsplatz abtreten.«

»Ich meine es ernst«, beharrte Guido ungerührt. »Ohne eigenen Platz kommen wir nicht weiter. Wenn wir drei wirklich den Sprung in einen Profi-Verein schaffen wollen, müssen wir einfach mehr trainieren.«

»Dein Wort in Gottes Gehörgang«, sagte Frank. »Aber kannst du mir vielleicht auch verraten, wie wir das schaffen sollen? Wir finden ja noch nicht mal eine vernünftige Wiese für ein kleines Spielchen!«

»Das genau ist es doch«, nickte Guido. »Wo du hinguckst Neubausiedlungen, Maisfelder und ›Betreten Verboten‹-Schilder. Und wie sollen wir uns da in Ruhe auf den Sichtungslehrgang im nächsten Mai vorbereiten?«

»Stimmt ja alles«, sagte Frank »Aber wie willst du den auftreiben, deinen Platz?«

Guido grinste. »Wir sehen uns einfach ein bisschen in der Gegend um. Vielleicht finden wir ja eine Wiese ...«

»... von der wir wieder im Handumdrehen vertrieben werden wie letztes Jahr am Anger«, beendete Jan seinen Satz.

»Du meinst, als uns der alte Bauer Wenzel mit seiner Schrotflinte vor dem Gesicht herumgefummelt hat?« Frank schüttelte sich angesichts der unangenehmen Erinnerung. »An so was denke ich lieber nicht.«

»Wir werden schon jemand finden, der ein Herz für Kicker hat«, meinte Guido zuversichtlich. »Irgendeine hoch gelegene Wiese, bei der wir garantiert keine nassen Füße bekommen.«

Er erklärte den Freunden seinen Plan. Nach einigem Hin und Her fanden die beiden, dass Guidos schräge Idee vielleicht doch weniger verrückt war, als sie auf den ersten Blick ausgesehen hatte.

»Also gut«, sagte Frank »Sehen wir uns in der Gegend nach einer passenden Wiese um – jeder für sich allein. Und heute Abend treffen wir uns wieder hier um zu sehen, ob ein Volltreffer dabei war!«

KAPITEL 2

Frank radelte für sein Leben gern. Eigentlich machte er alles gern, was irgendwie mit sportlicher Betätigung zu tun hatte. Doch heute hatte er es eilig. Schließlich wollte er möglichst schnell zum Sendlerhof, um den Bauern nach einer ungenutzten Wiese zu fragen.

Dabei kam er an mehreren Senken vorbei, die voll Wasser gelaufen waren. Es hatte bis vor wenigen Tagen wie aus Kübeln gegossen und die Feuerwehr war pausenlos im Einsatz gewesen, um Keller auszupumpen und Hausrat zu retten. Da war es kaum verwunderlich, dass sich niemand um drei fußballbegeisterte Jungen kümmerte, die nichts weiter im Kopf hatten als einen trockenen Übungsplatz.

Aber wer einmal in der Bundesliga spielen und vielleicht sogar Länderspiele bestreiten wollte, durfte sich von solchen Kleinigkeiten nicht aufhalten lassen.

Schließlich strampelte er im ersten Gang den Weg zum Mühlenforst hoch, der sich malerisch auf dem Hügel erstreckte. Am Rand des Wäldchens machten sich zwei Jungs an einer Holzbank zu schaffen, die hier für müde Wanderer bereitstand.

Es waren ausgerechnet das Großmaul Eberhard und sein etwas zurückgebliebener Freund Thomy. Das war gar nicht gut! Denn seitdem die Coolen Kicker im örtlichen Fußballverein so richtig Erfolg hatten, versuchten diese beiden Neidhammel alles, um sie fertig zu machen.

Im Moment hatte Eberhard ein Taschenmesser in der Hand und ritzte damit etwas in die Lehne ein. Als er das Fahrrad hörte, klappte er sein Messer rasch zusammen und drehte sich mit Unschuldsmiene um.

»Keine Sorge!«, rief sein Kumpel Thomy. »Ist nur einer unserer dämlichen Sportsfreunde.«

Frank wurde es mulmig zumute. Aber er wollte nicht wie ein Feigling dastehen. Deswegen bremste er, als ihm Eberhard in den Weg trat, statt umzudrehen und den Hügel gleich wieder hinabzusausen.

»Was gibt’s, Eberhard?«, fragte er schroff, nachdem er sein Rad zum Stehen gebracht hatte.

Der kräftige Junge grinste, während er mit dem zugeklappten Taschenmesser in seiner Hand spielte. »Das Gleiche könnte ich dich auch fragen. Aber abgesehen davon: Wo hast du denn deine beiden traurigen Freunde gelassen?«

»Die kommen gleich nach«, behauptete Frank geistesgegenwärtig. »Und ihr habt euch jetzt aufs Schnitzhandwerk verlegt, was?«

Eberhard schüttelte den breiten Kopf. »Ne. Wie kommst du denn darauf?«

Frank blickte zu der bereits mit reichem Schnitzwerk »verzierten« Bank hinüber. »Ich weiß auch nicht«, sagte er ruhig.

»Das will ich auch hoffen«, drohte Eberhard. »Denn wenn du irgendwelchen Scheiß erzählst, kannst du was erleben.«

»Genau«, pflichtete ihm Thomy bei. »Erzähl bloß niemandem nicht, dass wir in Bänke was einritzen tun oder so. Denn das tun wir nämlich gar nicht, stimmt’s, Eberhard?«

Der Angesprochene verdrehte bloß die Augen. Thomy spielte zwar recht ordentlich Fußball, aber in jeder anderen Hinsicht haperte es bei ihm mit der Kopfarbeit.

»Was glotzt du denn so blöd, du Typ?«, zischte Eberhard. »Willst du, dass wir dir ein bisschen die Fresse polieren, oder was?«

Frank beeilte sich sein Rad wieder in Gang zu setzen. Immerhin hinderten ihn die beiden Jungen nicht daran, an ihnen vorbeizufahren.

Kaum hatte er sie hinter sich gelassen, trat Frank mit aller Kraft in die Pedale.

»Lass dich hier bloß nie wieder blicken!«, rief ihm Eberhard nach.

Das mit dem „nie wieder blicken lassen" würde nicht ganz so einfach werden. Denn auf dem großen, einsam gelegenen Sendlerhof stieß Frank auf offene Ohren.

»Ich hab ja früher auch viel Fußball gespielt«, sagte Thomas Sendler und kratzte sich am Kopf. »Aber ein eigener Fußballplatz – das kommt mir doch ein bisschen verrückt vor.«

Er war von seinem mächtigen Trecker abgestiegen, als Frank mit seinem Fahrrad auf den Hof gerollt war, und stand nun in seiner Arbeitskleidung vor ihm: ein großer, kräftiger Mann mit einem fast jungenhaften Lächeln.

»Ich weiß ... schon«, stotterte Frank »Es ist nur so ... der Sichtungslehrgang und die Auswahlmannschaft ... ich meine ... «

Und obwohl er es gar nicht wollte, brachen aus ihm die ganzen Träume und Pläne hervor, die er und seine beiden Freunde geschmiedet hatten. Besonders schwärmte er dabei von dem Sichtungslehrgang im nächsten Mai, bei dem die Coolen Kicker hofften von Bayern München oder einem anderen Profiverein entdeckt zu werden.

Als er geendet hatte, lachte Sendler laut auf. »Da habt ihr euch ja ganz schön was vorgenommen. Hoffentlich braucht ihr nicht noch Flutlicht – damit ihr auch im Dunkeln trainieren könnt!«

Frank schüttelte entschieden den Kopf. »Ne. Aber heißt das ... heißt das, dass Sie uns helfen wollen?«

»Vielleicht«, brummte der Bauer gutmütig. »Ich hab da oben, mitten im Wald, eine Wiese, die ich erst vor ein paar Jahren vom Wenzelhof übernommen habe. Eigentlich hatte ich mit ihr etwas anderes vor – aber zur Zeit liegt sie brach.«

»Und auf dieser Wiese können wir spielen?«, strahlte Frank

»Nun mal langsam mit den jungen Pferden«, schmunzelte Sendler. »Ihr müsst euch erst einmal bewähren. Ich werde in den ersten paar Wochen ganz genau darauf achten, ob bei euch alles mit rechten Dingen zugeht.«

»Kein Problem!«

»Aber da wäre noch eine Kleinigkeit«, sagte Sendler. »Die Pacht!«

»Aber ich dachte ...«, begann Frank zerknirscht.

»Dass ich euch die Wiese umsonst überlassen würde?« Der Bauer schüttelte entschieden den Kopf. »So geht das natürlich nicht. Nur wenn ihr zu einer Gegenleistung bereit seid, könnt ihr euch auf der Wiese austoben. Sonst nicht.«

»Wir haben aber nicht viel Geld«, sagte Frank tonlos. »Und unsere Eltern motzen schon, weil sie ständig neue Trainingssachen kaufen müssen.«

»Ich dachte auch nicht an Geld«, grinste Sendler. »Ich dachte eher an eine Fußball-typische Gegenleistung.«

»Und wie soll die aussehen?«, fragte Frank misstrauisch.

»Na, ganz einfach.«

Der Bauer drehte sich um und rief: »Luki!«

Eine hohe Stimme antwortete ihm von der Rückseite des Hauses her. Kurz darauf tauchte ein Junge auf, der eine Sandschaufel in der Hand hielt und neugierig zu dem älteren Jungen hochschielte.

Frank kannte den Kleinen nur flüchtig. So viel er wusste, war er sieben oder acht Jahre alt – also niemand, den man in irgendeiner Hinsicht ernst nehmen musste.

Sendler legte seine große Hand auf die schmalen Schultern seines Sohnes. »Das ist Lukas.«

Der Lokomotivführer?, hätte Frank beinahe gefragt.

»Lukas spielt auch Fußball. Und nicht schlecht. Auch wenn er mit euch Profis natürlich nicht mithalten kann.«

»Ah, ja«, machte Frank. Er begann bereits zu ahnen, auf was der Bauer hinauswollte. Bitte nicht, dachte er, wir sind doch kein Gartenzwergverein.

»Luki würde gerne öfters trainieren«, fuhr Sendler fort. »Aber wir wohnen so abgelegen, dass sich seine Freunde nur selten hierher verirren.«

»Kann ich irgendwie verstehen«, krächzte Frank

»Da wäre es doch nett, wenn er mit euch trainieren könnte, oder?«

»Tatsächlich.« Frank wurde ganz blass bei der Vorstellung, mit diesem Luki Elfmeterschießen üben zu müssen.

»Du bist doch damit einverstanden?«

Fast gegen seinen Willen nickte Frank Er hatte zwar keine Ahnung, wie er diese bittere Pille seinen Freunden verkaufen sollte – aber wenn sie den Platz haben wollten, mussten sie Luki leider als neuen Partner in Kauf nehmen.

Seine Freunde reagierten mit absoluter Hochstimmung auf Franks Neuigkeit. Ihre eigenen Versuche, einen Trainingsplatz aufzutreiben, waren nämlich gründlich in die Hose gegangen.

»Wir brauchen natürlich noch Tore«, sagte Guido. »Und all den anderen Krempel, mit dem aus einer Wiese erst ein richtiger Fußballplatz wird.«

»Dieses Teil zum Linienziehen leihen wir uns einfach vom 1. FC Wilnshagen aus«, meinte Jan begeistert. »Und Tore können wir uns zur Not selbst bauen.«

»Wir könnten doch gleich noch zu einem kleinen Übungsspiel hochfahren«, sagte Guido. »Ich wüsste nämlich wirklich gern, ob sich Frank nicht irgendeine Hoppelwiese andrehen hat lassen, auf der man gar nicht richtig spielen kann.«

»Dann müssten wir sie eben planieren«, überlegte Jan.

»Sagt mal, habt ihr ein Rad ab?«, schimpfte Frank »Wir können doch heute nicht mehr losdüsen! Meine Mutter meckert sowieso schon ständig, weil ich so viel unterwegs bin.«

»Ach ja, die Eltern«, seufzte Jan. »Die wollen bestimmt auch ein Wörtchen mitreden.«

»Zumindest müssen die wissen, wo wir trainieren«, stellte Frank sachlich fest. »Und es wäre sicher nicht schlecht, wenn wir ein Handy mitnehmen würden. Damit die wissen, wo sie uns im Notfall erreichen können. Oder umgedreht.«

»Vielleicht wäre auch ein Babyfon nicht schlecht«, maulte Jan. »Und ein Lätzchen und ein Schnuller.«

Frank lachte laut auf. »Könnte schon sein. Damit könnten wir Luki beschäftigen, damit der uns beim Fußballspielen nicht dazwischenfunkt.«

Luki lernten sie am nächsten Tag nach der Schule kennen. Er war ein lebhafter Junge, der in einem fort auf die drei Coolen Kicker einschnatterte, kaum dass er sich bei ihnen beim Verlassen des Schulgebäudes eingeklinkt hatte.

»Meine Mutter holt mich gleich ab«, sagte der schmale, braunhaarige Junge. »Wenn ihr wollt, könnt ihr gleich mitkommen um euch die Wiese anzusehen.«

»Das kommt jetzt ein bisschen ... überraschend«, sagte Jan.

Luki blickte über den Rand seiner Brille hinweg zu ihnen hoch. »Ich dachte, ihr seid ganz heiß aufs Fußballspielen.«

»Ja, schon.« Guido kratzte sich am Kopf. »Aber ... wir müssen erst nach Hause. Mittagessen, Schularbeiten machen ... diesen ganzen Mist.«

»Und?«, fragte Luki aufgeregt. »Kommt ihr danach? Treffen wir uns an der Wiese? Oder holt ihr mich zu Hause ab?«

Frank tauschte einen kurzen Blick mit seinen beiden Freunden. »Was meint ihr? Wenn wir uns ranhalten, müssten wir doch um drei Uhr mit allem fertig sein.«

Jan und Guido nickten rasch.

»Dann brauchen wir mit dem Rad noch mal zwanzig Minuten bis zur Wiese«, überlegte Frank

»Also kurz nach drei«, sagte Luki fröhlich. »Ich warte dann am Wald auf euch ... aber, he, da kommt meine Mutter.«

Ehe es sich die drei versahen, machte er auf dem Absatz kehrt und rannte zu einem großen Geländewagen hinüber, der gerade auf den Parkplatz der Schule einbog.

»Das kann ja heiter werden«, sagte Jan, während sie beobachteten, wie der Geländewagen mit Luki an Bord davonbrauste. »Wenn wir nicht aufpassen, glaubt die Milchtüte noch, sie könnte uns rumkommandieren.«

Frank nickte nachdenklich. »Aber vielleicht ist der Kleine ja auch nur aufgeregt ... weil er mit den drei gefürchtetsten Kickern der Jugendmannschaft zusammen üben darf.«

Seine beiden Freunde lachten. Aber so ganz wohl war ihnen bei der Sache trotzdem nicht. Schließlich gehörte Lukis Vater die Wiese, die sie zu ihrem eigenen Fußballplatz auserkoren hatten – und damit hatte der Kleine so etwas wie das Hausrecht.

KAPITEL 3

Als sie endlich ihre Räder an der großen Birke abstellten, die am Wegesrand vor ihrem Fußballplatz stand, rannte ihnen Luki aufgeregt entgegen. »Da seid ihr ja endlich!«, rief er erfreut.

Frank nickte nur mürrisch Denn hinter Lukas stand ein Mädchen, etwas älter als er, aber mit einem solch überheblichen Blick, dass ihm ganz anders wurde.

»Das ist übrigens meine große Schwester«, sagte Luki kleinlaut, dem Franks Blick nicht entgangen war.

»Eh, ja«, sagte Guido stirnrunzelnd. »Und was macht sie hier?«

»Auf mich aufpassen?«, schlug Luki fast schüchtern vor.

»Auf dich aufpassen?« Guido verschluckte sich fast.

»Was denkst du denn, Kleiner«, fragte Lukis Schwester. Ihre schwarzen Augen funkelten voller Spott. »Du glaubst doch nicht, dass meine Mutter unseren Dreikäsehoch alleine durch den Wald flitzen lässt. Also muss ich leider Babysitter spielen.«

»Aber jetzt nicht mehr!«, begehrte Luki auf. »Mama hat gesagt ...«

»Mama hat gesagt!« Jan schüttelte empört den Kopf. »Wo sind wir denn hier gelandet? Ist das ein Kindergarten, oder was?«

Lukis Schwester lachte. »Kann schon sein. Wenn ein paar Jungens außer Fußballspielen nichts in der Birne haben ...«

Jan packte Frank am Ärmel und zog ihn ein paar Schritte weiter. »Sag mal, ist das dein Ernst, oder was?«, fragte er halblaut. »Erst schiebst du uns diesen Wichtel Luki unter und jetzt kommt auch noch seine große Schwester und glaubt uns rumkommandieren zu können!«

Frank zuckte unglücklich mit den Schultern. »Das kriegen wir schon irgendwie geregelt. Lass mich nur machen.«

Er drehte sich um und steuerte auf Lukis große Schwester zu. Sie hatte ein hübsch geschnittenes Gesicht und eine freche Kurzhaarfrisur. Zu allem Überfluss lächelte sie auch noch auf eine Art, die Frank ganz unruhig machte.

»Ja?«, fragte sie. »Wolltest du mit mir sprechen?«

»Ja, eh ... eigentlich schon«, stotterte Frank. »Ich meine spielst du ... auch Fußball?«

Das Mädchen lachte hell auf. »Na klar«, sagte es dann gutmütig. »Früher habe ich mal in der F-Jugend gespielt.«

»Dann verstehst du bestimmt auch, warum wir einen Trainingsplatz brauchen.«

»Ne«, sagte Lukis Schwester offen. Sie streckte die Hand vor. »Ich heiße übrigens Karin.«

Frank ergriff ihre Hand und drückte sie. Sie fühlte sich angenehm kühl und kräftig an, aber aus irgendeinem ihm unbekannten Grund machte ihn die kurze Berührung schrecklich nervös.

»Ich mach mich jetzt wieder vom Acker.« Karin lachte. »Oder sollte ich besser sagen: von der Wiese?«

Die Wiese war tatsächlich ein Knaller. Eingesäumt von dicht stehenden Fichten erstreckte sie sich über die mindestens doppelte Fläche eines Bundesligaplatzes. Durch die Baumreihen, die sie auf drei Seiten eingrenzten, war sie zudem gegen neugierige Blicke gut geschützt.

»Affenstark.« Guido nickte anerkennend. »Mit diesem Linienziehdingsbums malen wir uns ein wunderschönes Fußballfeld in die Mitte der Wiese – und fertig ist der Lack«

»Können wir gleich mal ne Runde spielen?«, fragte Luki begeistert.

»Du kannst den Ball von meinem Gepäckträger holen«, sagte Jan großzügig. »Aber sei vorsichtig damit – er ist ein Andenken! Da ist nämlich das Autogramm von einem Fußball-Star drauf.«

Das war ein ganz klein wenig übertreiben. Zwar hatte sich der junge Zweitligaspieler Siggi Kakerlake mit seiner schwungvollen Unterschrift darauf verewigt. Aber Jans ganzer Stolz waren die fünf anderen Bälle mit den Namen richtiger Fußballstars wie Tomas Rosicky.

»Und wie machen wir das mit den Toren?«, fragte Frank

Guido winkte ab. »Ist schon geregelt. Der Verein hat noch alte Holztore im Schuppen stehen.« Er grinste. »Ich hab denen erzählt, dass wir die nur probehalber im Garten von Jans Oma aufbauen wollen. Damit wir nicht gleich die ganze Meute hier haben.«

»Gut so«, nickte Jan. »Den anderen erzählen wir erst von unserem eigenen Platz, wenn er für ne Einweihungsparty taugt!«

»He, jetzt kann’s losgehen!« Luki kam mit dem Autogramm-verzierten Fußball angerannt, den er auf Jans Gepäckträger gefunden hatte.

Luki kickte das runde Leder zu Frank, der es gleich weiter zu Guido schoss. Ein paar Minuten lang hetzten die Coolen Kicker den Ball über die Wiese, bis ihn Luki mit einem ungeschickten Schuss mitten in die Fichten beförderte.

»Das war’s dann erst mal«, sagte Frank und stemmte die Hände in die Hüften. »Puh! Macht wieder richtig Spaß, den Ball ein bisschen zu quälen.«

»Ja, wirklich klasse. Vor allem, wenn ihn so ein Wichtel mitten in die Pampa schießt«, schimpfte Jan.

»Ich hol den Ball ja schon!«, rief Luki eifrig und stürzte davon.

»Bloß blöd, dass wir immer wieder alles mitnehmen müssen«, sagte Frank. »Mit dem Ball ist das ja kein Problem. Aber unsere Ausrüstung ...«

»Und was zu trinken«, warf Guido ein.

»Ja, genau. Und Werkzeug, mit dem wir die Tore instand halten können.«

»Wir müssten irgendwas haben, wo wir unsere Sachen einsperren können, wenn wir nicht da sind.«

»Ich weiß schon, was wir bräuchten«, sagte Jan sehnsüchtig. »Ein Klubhaus!«

Guido nickte. »Da ist was dran. Und ich habe auch schon eine Idee, wie wir da drankommen könnten!«

Was auch immer Guido für eine Idee hatte – er kam nicht mehr dazu, sie seinen Freunden mitzuteilen. Denn Luki begann plötzlich wie am Spieß zu schreien und rannte so schnell auf die Coolen Kicker zu, als wäre ihm der Teufel persönlich auf den Fersen.

»Was ist los?«, rief ihm Frank entgegen.

»Die haben Jans Ball!«, schrie der Kleine. »Die haben mir den einfach geklaut!«

Jan tippte sich bezeichnend an die Stirn. »Der spinnt doch«, behauptete er. »Hier ist doch überhaupt niemand.«

Frank sah das ein bisschen anders. Er war zwar auch nicht erfreut, dass ihnen der Sohn des Bauern aufs Auge gedrückt worden war. Aber trotzdem hielt er Luki nicht unbedingt für einen Idioten.

Ohne zu zögern lief er ihm entgegen. »Was ist los?«, fragte er, als sie sich auf halber Strecke begegneten.

Luki war vollkommen außer Atem. »Zwei ... Jungs«, keuchte er. »Einer so groß ... wie ein Bär. Der andere hatte so ein rotes ... Dingsbums an.«

Frank nickte aufgeregt. Die Beschreibung passte haargenau auf Eberhard und sein ständiges Anhängsel Thomy! »Und die haben jetzt Jans Ball?«

Luki nickte unglücklich. »Ich hatte ihn schon in der Hand. Die kamen einfach ... haben mich geschubst ... und sind mit dem Teil weg!«

Mittlerweile waren auch Jan und Guido heran. »Kommt, Jungs«, stieß Jan entsetzt hervor. »Wenn wir uns ein bisschen beeilen, kriegen wir die beiden Idioten noch!«

Die drei Coolen Kicker sprinteten auf den Waldrand los, als ginge es darum, ein feindliches Tor zu stürmen. Frank rief über die Schulter: »Wo sind sie lang?«

»Da hinten, zum Weg hin.«

»Klar«, japste Jan. »Die haben dort irgendwo ihre Räder versteckt. Und dann düsen sie mit meinem unersetzlichen Ball ab.«

Im gleichen Moment änderte er schon die Richtung. Seine beiden Freunde folgten ihm.

Sie kamen gerade rechtzeitig auf dem Weg an, um in der Ferne zwei Fahrräder verschwinden zu sehen. Eberhard auf seinem Riesen-Drahtesel und daneben Thomy auf seinem kleinen Sportrad – das sah aus wie ein Gorilla und ein Schimpanse, die gerade aus dem Zoo ausgebrochen waren.

»Wenn ich Eberhard in die Finger kriege«, schimpfte Jan, »mache ich den mindestens drei Köpfe kürzer!«

»Dabei helf ich dir«, sagte Frank rasch, »falls wir ihn noch einholen.«

Guido hatte als Erster sein Rad erreicht. Er schwang sich auf den Sattel, trat in die Pedale – und kam schon nach zwei Metern zitternd und schwankend zum Stehen.

»So ein verdammter Mist!«, fluchte er. »Meine Reifen sind platt.«

»Das kommt davon, weil du mit so ner alten Schrottkiste rumdüst«, schimpfte Jan.

Doch auch sein Alarmstart geriet zur Lachnummer. Als würde er auf einem volltrunkenen Kamel sitzen, wackelte er mit seinem Rad ein Stück über den Weg, direkt auf die Böschung zu. Kurz vor dem Graben stemmte er beide Beine so kraftvoll in den Boden, dass Schotter aufspritzte.

»Das waren die zwei, meine Karre haben sie auch platt gemacht!«, brüllte er außer sich.

Durch das Schicksal seiner beiden Freunde gewarnt, ging Frank neben seinem Drahtesel in die Hocke und begutachtete die Reifen. »Hab ich’s mir doch gedacht. Die Pappnasen haben uns die Ventile rausgedreht!«

KAPITEL 4

Dass Jans Ball fürs Erste futsch war, war für ihn eine Katastrophe. »Der Ball ist einfach unersetzlich«, jammerte er, während sie zu dritt auf der Terrasse seiner Oma saßen und eine Limo schlürften.

»Weil den irgend so eine Kakerlake mit ihrem Namen voll gekritzelt hat?«, meinte Guido abfällig. »Den kennt doch eh keiner.«

»Du bist voll gemein.« Jan stand mit einem Ruck auf und ging mit steifen Schritten auf die Überreste des Gewächshauses zu, das Frank vor zwei Wochen mit einem genialen Schuss in seine Einzelteile zerlegt hatte.

»Du könntest ruhig ein bisschen freundlicher zu ihm sein«, sagte Frank vorsichtig. »Schließlich haben wir es auf der Oma ihr altes Häuschen abgesehen.«

»Auf ›Omas altes Häuschen‹, du Schlafmütze.«

»Hab ich doch gesagt: auf der ›Oma ihr altes Häuschen‹.«

Guido seufzte. »Wenn du so weitermachst, kriegst du in Deutsch nie ne bessere Note.«

»Wozu muss denn ein Fußballer ein Ass in Deutsch sein?«, grinste Frank. »Es reicht ja wohl, wenn ich später mal meinen Namen unter Millionen-Verträge setzen kann.«

Guido verdrehte die Augen. In diesem Moment kam Jan zurück

»Das eine sag ich euch«, begann er sauer, »wenn ihr mir nicht meinen Ball wiederbringt, kriegt ihr nicht meiner ›Oma ihr altes Häuschen‹.«

»Es heißt: ›die alte Häuschen-Oma‹. Eh, ich meine: ›das alte Oma ihr Häuschen‹ ...« Guido brach verärgert ab. »Verdammt, ihr beiden Armleuchter bringt mich noch ganz durcheinander. Ich sollte mich besser von euch fern halten, wenn ich mal irgendwann ein gutes Abi machen will.«

»Was ist denn ein Abi?«, fragten Frank und Jan wie aus einem Mund.

»Das meint ihr doch jetzt nicht ernst, oder?« Guido stand kurz davor, zu explodieren. »Abi heißt Abitur. Und das ist so ein Schulabschluss ... na ja, wie der Aufstieg in die Erste Bundesliga.«

»Warum bist du denn so aus dem Häuschen?«, fragte Jan.

»Ja, genau«, ergänzte Frank »Aus der ›Oma ihr altes Häuschen‹?«

Guido stöhnte nur auf. Er bedauerte schon beinahe, die Idee gehabt zu haben, die alte Hütte abzureißen und als Klubhaus auf ihrem Fußballplatz wieder aufzubauen.

»Es ist so ein Mist, dass ausgerechnet dieser Oberhampelmann Eberhard die Sache mit unserem Fußballplatz spitzgekriegt hat«, sagte Jan düster. »Der bringt es fertig und fackelt uns unser neues Klubhaus ab, kaum dass wir es aufgebaut haben!«

»Mal bloß nicht den Teufel an die Wand«, sagte Frank erschrocken. »Wir werden unseren Platz schon verteidigen und wenn wir einen Feuer speienden Drachen engagieren müssen. Irgendwie kriegen wir auch deinen Ball wieder. Aber es kann überhaupt nichts schaden, wenn wir vorher schon mal ans Häuslebauen gehen.«

»Stimmt.« Guido wandte sich Jan zu. »Deine Oma und Lukis Vater sind ja damit einverstanden, dass wir die Hütte abreißen und als Klubhaus wieder aufbauen.«

»Also«, hakte Frank nach, »mein Vater und meine Schwester haben versprochen, uns morgen Vormittag beim Abbauen zu helfen. Treffen wir uns hier um neun, um mit dem Abriss anzufangen?«

»Von mir aus«, brummte Jan. »Aber vergesst dabei nicht, dass ich meinen Ball wiederhaben will!«

Als Frank, seine Schwester Jacki und Guido am frühen Samstagmorgen mit reichlich Werkzeug bewaffnet in den großen Garten von Jans Oma einbogen, kam ihnen ihr Freund schon aufgeregt entgegen.

»Eberhard hat gerade angerufen«, rief er vollkommen außer sich.

Was?«, fragte Jacki. »Will der dir etwa deinen Ball zurückgeben?«

»Er hat gesagt ... er hat gesagt ...« Jan brach ab und schaute betroffen zu Boden.

»Nun red schon«, herrschte ihn Guido an. »Was hat der Hanswurst abgelassen?«

»Er hat gedroht ... er will ... mein Ball ...«

»Schön und gut.« Guido knirschte vor lauter Ungeduld mit den Zähnen. »Was ist mit deinem Ball?!«

»Er will ihn in tausend kleine Teile zerschneiden! Und dann hat er gedroht, mir auch noch meine anderen Bälle zu klauen – der weiß sogar, dass ich einen mit einer Beckenbauer-Unterschrift habe.«

»Dein Beckenbauer-Ball ist doch eine Fälschung.« Guido stellte seine Werkzeugtasche vor sich ab. »Das weiß doch jeder.«

»Der ist KEINE Fälschung!«, schrie Jan außer sich. »Wie kommst du nur dazu, so was Gemeines zu behaupten?«

»Ist ja jetzt auch ganz egal«, meinte Frank sachlich. »Beruhige dich erst mal.«

»Ich will mich aber nicht beruhigen! Dieser Eberhard ist zu allem fähig.« Jan drehte sich um und rannte durch die offen stehende Tür ins Haus seiner Oma. Mit einem wahren Donnerknall flog sie hinter ihm zu.

»Aua«, machte Jacki. »Der ist heute aber gar nicht gut drauf.«

»Das ist ja wohl die Untertreibung des Jahrhunderts«, meinte Guido. »Wenn das so weitergeht, können wir die Sache mit dem Häuschen vergessen.«

»Sehe ich doch gar nicht ein«, widersprach Frank »Ich werd mal mit ihm reden.«

»Da würde ich mich aber beeilen«, sagte Jacki. »Denn wenn ihr nicht bald in die Gänge kommt, bin ich wieder weg. Ich hab schließlich was anderes zu tun, als meine Zeit mit durchgeknallten Mannsbildern zu verschwenden!«

Guido setzte sich auf seine Werkzeugtasche, während sich Jacki ein Stück entfernt auf einen umgedrehten leeren Blumenkübel hockte. Das schlanke, schwarzhaarige Mädchen spielte ebenfalls Fußball und war schon aus diesem Grund öfters mit den Coolen Kickern zusammen.

Guido sah das gar nicht so ungern. Denn ihm gefiel Franks hübsche Schwester viel besser, als er es je zugegeben hätte.

»Eh, ja«, begann er, nachdem Frank verschwunden war. »Schon ein voll krasses Ding, das mit dem Ball.«

»Ja. Ganz schön ballaballa.«

»Ich meine ... wenn Eberhard das Ding wirklich zerschneidet ...«, stotterte Guido.

»Die Sache scheint dich mächtig aufzuregen«, lächelte Jacki spitzbübisch. »Du bekommst ja einen richtig knallroten Kopf!«

»Eh. Ja, nur ... weil ...« Guido suchte krampfhaft nach einer Antwort, die davon ablenkte, dass ihn alleine Jackis Anwesenheit aus der Fassung brachte.

Zum Glück kam in diesem Moment Frank aus der Haustür. Er war allein.

»Was ist los?«, fragte Jacki. »Hat sich unser Schmollmündchen bei Oma verkrochen um sich auszuheulen?«

Frank schüttelte den Kopf. »Ganz im Gegenteil. Jan ist schon hinten raus, um mit dem Abriss der Hütte zu beginnen. Ich wollte euch nur holen.«

»Na, dann ist es ja gut.« Guido erhob sich und packte seine Werkzeugtasche. »Super, dass Jans Oma sich gerade jetzt entschieden hat, einen neuen Anbau für ihre Gartengeräte zu wollen und das alte Teil in der Versenkung verschwinden zu lassen!«

Ohne das Thema Eberhard noch einmal anzuschneiden machten sich die drei Coolen Kicker und Jacki sofort an die Arbeit. Kaum hatten sie angefangen, das Gartenhäuschen zu zerlegen, kam auch noch Franks Vater vorbei, um ihnen bei den schweren Teilen und dem Dachabbau zu helfen. Das Hämmern, Stemmen und Bersten dröhnte den ganzen Vormittag durch die Siedlung, als würde eine Herde wild gewordener Büffel durchtoben.

Immerhin kamen sie so zügig voran, dass Franks Vater schon nach zwei Stunden grinsend meinte: »Jetzt geh ich mal lieber wieder. Sonst stehe ich euch am Ende noch im Weg rum.«

»Mach ruhig«, nickte Jacki. »Jans Oma hat uns Pfannkuchen zum Mittagessen versprochen. Also rechne erst zum Abendbrot mit uns!«

»Und vielen Dank auch«, fügte Guido hinzu.

Auch ohne erwachsene Hilfe kamen sie gut voran.

»Wie bringen wir das alles zum Fußballplatz?«, keuchte Jan, während er zusammen mit Guido einen schweren Balken auf dem Lagerplatz ablegte.

»Ach ja, das habe ich euch noch gar nicht gesagt.« Frank ließ die Brechstange sinken, mit der er gerade ein Brett freigehebelt hatte. »Ich hab vorhin Lukis Vater angerufen, um ihn zu fragen, ob er das Zeug nicht mit einem Trecker abholen kann.«

»Abgefahrene Idee. Was hat er gesagt?«

»Das wäre kein Problem, weil Karin mit einer Sondergenehmigung seinen alten Trecker fahren dürfte ...«

»Karin«, ächzte Jan. »Du meinst doch nicht, dass die Ziege sich jetzt auch noch bei unserem Klubhaus einmischt!«

»Doch«, sagte Frank, während er ganz verträumt guckte. »Karin wird die Holzfuhren übernehmen!«

KAPITEL 5

Karin und Luki kamen nach der Mittagspause mit einem mindestens dreißig Jahre alten Monstrum von Trecker angetuckert. Zur großen Überraschung der Jungen begrüßten sich Karin und Jacki wie alte Freundinnen – dabei kannten die sich doch gar nicht!

Fröhlich und bester Laune fassten sie alle kräftig mit an. Im Nu hatten sie den alten, aber stabilen Anhänger voll geladen und machten sich mit den schweren Balken auf den Weg zu ihrer Fußballwiese.

Nachdem sie dort den Anhänger im Schweiße ihres Angesichts entladen hatten, sagte Frank: »Wir brauchen eine Wache.«

Karin legte den Kopf schief und musterte ihn von oben bis unten. »Wozu denn das? Glaubst du etwa, dass euch jemand das Uralt-Holz unterm Hintern wegklauen könnte?«

»Das wohl weniger«, sagte Frank kleinlaut. »Ich fürchte eher, dass jemand damit ein besonders großes Grillfeuer machen könnte.«

»Du schaust dir wohl zu viele Horrorgeschichten an, oder?«

»Das verstehst du nicht«, sagte Luki zu seiner Schwester. »Es ist doch wegen der Fußballräuber.«

»Aha.« Karins Augen funkelten vor Spott. »Treibt sich hier in den Wäldern etwa eine finstere Räuberbande herum, die arme Fußballer beklaut?«

Jacki kicherte, was ihr einen bösen Blick ihres Bruders einbrachte.

»So ungefähr«, brummte Guido. »Wenn du es genau wissen willst: Der beknackte Eberhard hat uns ganz oben auf seiner Abschussliste. Als Erstes hat er Jans Ball geklaut ...«

»Ein unersetzliches Stück«, jammerte Jan. »Mit der Unterschrift von Kakerlake.«

»Seit wann kann Ungeziefer schreiben?«, lachte Karin und natürlich fiel auch Jacki in ihr albernes Gelächter ein.

»Nicht Kakerlake wie ... wie Küchenschabe«, sagte Jan verzweifelt. »Sondern wie Siggi Kakerlake – der berühmte Fußballer!«

»Nie gehört«, sagten Karin und Jacki wie aus einem Mund.

»Das hat eigentlich niemand«, sagte Frank trocken.

»Tatsache ist aber, dass sich dein kleiner Bruder von Eberhard einen Ball hat klauen lassen. Und das heißt ...«

»Ja?«, fragte Karin, während Jacki leise kicherte.

»Dass dieser Neidhammel alles tun wird, um uns die Sache mit unserem eigenen Fußballplatz kaputtzumachen.«

Karin nickte langsam. »Jetzt verstehe ich Ihr braucht den Schutz starker Frauen.«

Details

Seiten
96
Erscheinungsform
Neuausgabe
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783960531050
Dateigröße
903 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v318486
Schlagworte
Kinderbuch ab 8 Jahre Fußball Kinderkrimi Wilde Kerle für Jungen Freundschaft Joachim Massanek Spannung Fußball-Haie Abenteuer eBooks

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Titel: 1:0 für Coole Kicker - Band 1