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Die abenteuerliche Reise des Marco Polo

Roman

2016 279 Seiten

Leseprobe

Über dieses Buch:

Es ist eine waghalsige Reise, die 1271 in Venedig ihren Anfang nimmt. Kostbare Handelsware und sogar gesalbtes Öl aus dem Jesusgrab sollen ihren Weg zum großen Kublai Khan in China finden. Vier Jahre Abenteuer liegen vor dem jungen Kaufmann Marco Polo, als er staunend Karawanenwege bereist, die kein Europäer je zuvor betrat. Der Orient der Araber, Kirgisen, Tibeter und Mongolen ist voller Geheimnisse und exotischer Stätten – und voller Gefahren …

Über den Autor:

Roland Mueller, geboren 1959 in Würzburg, lebt heute in der Nähe von München. Der studierte Sozialwissenschaftler arbeitete in der Erwachsenenbildung, als Rhetorik- und Bewerbungstrainer und unterrichtet heute an der Hochschule der Bayerischen Polizei. Er veröffentlichte zahlreiche Romane, Kurzgeschichten, Kinder- und Jugendbücher.

Bei jumpbooks erschienen bereits Roland Muellers historisches Kinderbuch Der Kundschafter des Königs.

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eBook-Neuausgabe April 2016 

Copyright © der Originalausgabe 2007 cbj, München

Copyright © der Neuausgabe 2014 dotbooks GmbH, München

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Copyright © 2016 jumpbooks Verlag. jumpbooks ist ein Imprint der dotbooks GmbH, München.

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Titelbildgestaltung und Titelbildabbildung: Tanja Winkler, Weichs

eBook-Herstellung: Open Publishing GmbH

ISBN 978-3-96053-072-5

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Roland Mueller

Die abenteuerliche Reise des Marco Polo

Roman

jumpbooks

PROLOG

Wie die Geschichte begann ...

»Schütze, o Herr, Deine gläubigen Seeleute vor Stürmen,

schütze sie vor Schiffbruch und den Übeltaten ihrer gerissenen Feinde!«

Die Bitte des Dogen von Venedig bei der alljährlichen Feier der »Vermählung mit dem Meer«

I. TEIL

Etwa 22 Jahre zuvor, als die Reise in das Reich des Khans begann.

»Die Flasche enthielt geweihtes Öl aus der Grabeskirche von Jerusalem ... Sie war mit Wachs verschlossen und mit dem Siegel des Heiligen Vaters versehen. Erst der große Kublai Khan durfte sie öffnen.«

Marco Polo »Die Beschreibung der Welt«1. Kapitel

»MARCO!«

Das war Tirza, die nach mir rief. Sie war die älteste Dienstmagd bei uns und, seit meine Mutter vor einigen Jahren gestorben war, für unser Haus verantwortlich. Sie suchte nach mir, denn Vater und Onkel Maffeo wollten aufbrechen. Ich wollte ja auch in den Hof hinunterkommen, aber nicht jetzt gleich. Denn ich hatte gerade geweint und dafür schämte ich mich ein bisschen. Ein junger Mann wie ich, gerade siebzehn Jahre alt geworden, der weint doch nicht, oder?

Aber ich konnte nichts dagegen machen. Die Tränen kamen ganz plötzlich, gerade als ich noch einmal für mich allein durch unser Haus gehen wollte, um mich zu verabschieden. Für eine sehr lange Zeit, wie mein Vater gesagt hatte. Heute, an diesem Tag, wollte ich zusammen mit ihm und meinem Onkel in ein fernes Land weit im Osten aufbrechen.

Ich wischte mir mit dem Ärmel übers Gesicht. Wie lange wird es dauern, dachte ich, bis ich beim Blick aus dem Fenster all das wiedersehen werde? Den Kanal, der vor unserem Haus vorbeifließt, mit den Booten und Kähnen darauf. Den blauen Himmel über der Lagune. Am besten kann ich ihn sehen, wenn ich aufs Dach hinaufsteige. Dann sieht man sogar die Kuppeln von San Marco, ja, sogar den Kirchturm von Santa Maria Assunta, an dem noch immer gearbeitet wird.

»Marco! Wo steckst du denn? Es ist Zeit!«

Jetzt hatte ich auf einmal auch noch einen dicken Kloß im Hals. Weil ich daran denken musste, wie lange es dauern würde, bis ich Venedig wiedersah. Ja, wann würde ich meine Stadt wieder hören? Das Geräusch der vielen Hämmer und Sägen in den Werkstätten, das Singen der Fischer und Händler in ihren Booten, die Scherze der Arbeiter hinter den Mauern des Arsenale, wo wir Venezianer unsere Schiffe bauen. Wann würde ich die Gerüche dieser Stadt wieder riechen? Meerwasser, Salz, Gewürze, frisches Brot und Fisch. Würde ich je wieder das Licht der vielen Laternen am Abend und die Fackeln der Fischerboote am frühen Morgen sehen? Ja, es würde dauern, bis ich wieder in meiner kleinen Kammer stand. Hier, in meinem kleinen Reich, wo mein weiches Bett steht und meine prächtig geschnitzte Truhe. Ja, es würde lange dauern. Sehr lange.

»Marco? Wo bist du denn?«

Erneut hatte Tirza nach mir gerufen. Schnell fuhr ich mir mit dem Ärmel noch einmal übers Gesicht und dann erst antwortete ich ihr. »Ich komme, Tirza!«

Als ich mich umwandte, stand sie in der Tür. Sie trug ein blaues Kleid, die lange Schürze darüber, und beides reichte ihr bis auf den Boden. Auf ihrem Kopf trug sie eine Leinenhaube, wie die meisten Frauen in der Stadt sie trugen. Ihre Haare waren kaum zu sehen. Sie blickte mich an, und ich wusste gleich, dass sie mich längst durchschaut hatte. Schließlich kannte sie mich ja von Kindesbeinen an. Nun trat sie zu mir und nahm mich in den Arm, als ich ob ich noch ein kleiner Junge wäre.

»Ich wünsche mir, dass Ihr gesund zurückkehrt, junger Herr.«

Wenn sie mich nicht mehr duzte, sondern junger Herr nannte, wusste ich, dass sie sich Sorgen machte. Sie hatte keine eigenen Kinder und ich war ihr wie ein Sohn gewesen.

Verflixt, jetzt hatte ich schon wieder diesen dicken Kloß im Hals. Aber noch einmal würde ich nicht zu heulen anfangen. Nein, bestimmt nicht. Sie drückte mich noch einmal fest an sich, und dann sagte sie: »Es ist Zeit, die Herren warten.«

Tirza küsste mich auf die Stirn, wie sie es immer getan hatte, damit ich einschlafen konnte. Da drückte ich sie dieses Mal fest an mich, dann drehte ich mich um und lief hinaus.

2. Kapitel

UNSER HAUS HATTE, wie viele Handelshäuser in Venedig, einen Innenhof, und als ich die steile, enge Treppe hinunterlief, musste ich an einem kleinen Fenster vorbei. Durch das konnte ich sehen, wie die Lastenträger bereits warteten. Sie sollten unser restliches Gepäck aufs Schiff schaffen. Unsere Handelswaren hatten sie bereits gestern zum Hafen gebracht.

Auf einer Seite war der Innenhof meines Elternhauses zum Kanal hin offen. Von dort brachte uns ein Ruderboot zu dem Schiff, auf dem unsere Reise beginnen sollte. Es war ein großes, dickbauchiges Segelschiff, das aus Bremen, einer Hafenstadt aus dem Land der Teutschen, weit im Norden, stammte. Diese Handelsschiffe heißen Koggen und mit ihrem breiten Rumpf und dem genauso breiten Deck liegen sie ganz ruhig im Wasser. Diese Schiffe galten als sehr sicher. An Bord ging es ruhig, beinahe behäbig zu. Außerdem war es auf ihnen nicht so eng wie auf den venezianischen Handelsschiffen.

Mein Vater, Onkel Maffeo und ich waren die einzigen Passagiere, die der Kapitän mitnahm. Das kam daher, dass er gar nicht mehr Platz hatte, denn das gesamte Schiff war bis in den letzten Winkel mit unserer Handelsware, Wein- und Essigfässern, beladen. Dazu kamen eine große Menge Tuchballen aus schwerer Leinwand, die im ersten großen Hafen wieder ausgeladen werden sollten. Diese Handelsware sollte uns genug einbringen, um vom Erlös neue Ware kaufen zu können. Aber wir hatten noch mehr dabei: bunte Seidentücher, Goldschmuck aus der Lombardei, Öllampen und eine große Anzahl Küchengeräte aus schwerem Kupfer. Eisernes Werkzeug für Steinmetze und Schmiede, Holzwerkzeug für Tischler und Fassmacher. Dazu viele Beutel mit geschmiedeten Eisennägeln.

Wir trugen auch Edelsteine bei uns, die wir tauschen wollten. Aber das wusste außer uns dreien natürlich niemand. Schließlich gab es genug Spitzbuben, die auf Kaufleute wie uns nur warteten, wie mein Vater sagte. Also galt es, kein Wort über unsere Juwelen zu verraten, die wir sorgsam in unserer Kleidung versteckt hatten.

Kaum waren wir an Bord gegangen, als der Kapitän seine Kommandos gab. Er hieß Hein und war ein freundlicher, gemütlicher Mann, mit einem dichten Bart und Backen, rot wie reife Äpfel. Als wir ablegten, trat ich an die Reling neben meinen Vater und meinen Onkel, und gemeinsam winkten wir Tirza und meiner Tante und einem Teil des Gesindes zu, das uns zum Abschied bis zum Schiff begleitet hatte. Jetzt bemerkte ich, dass mein Vater und auch mein Onkel auffallend oft nach ihren Leibtüchern griffen. Sie haben diese neue Mode gerne, sich lange Seidentücher in die weiten Ärmel zu stecken, um sich damit das Gesicht oder gar die Nase abzuwischen. Obwohl man sich doch mit der Hand schnäuzt oder sich einfach mit dem Ärmel über die Nase fährt, wenn sie läuft.

Hinter uns wurde Venedig immer kleiner, bis es verschwand.

Es kam mehr Wind auf, der die Segel blähte. Das Handelsschiff begann, Fahrt aufzunehmen. Allerdings ganz gemächlich, denn der Schiffsname sagte alles: »Seekuh«. Beinahe ruhig und ohne Aufregung begann sich das Schiff leicht zur Seite zu neigen, um dann durchs Wasser zu gleiten. Der Wind wurde noch ein wenig stärker und die Wellen klatschten an den Rumpf. Dann tauchte das Schiff mit dem Bug voran in ein Wellental hinein, ließ sich davontragen, um dann, wieder mit dem Bug voran, aus dem Wellental herauszuklettern.

So ging das andauernd.

Immer rauf und wieder runter, auf und ab. Je länger ich das alles beobachtete, umso deutlicher stellte ich fest, dass auch der Horizont in der Ferne sich stetig rauf und runter bewegte. Ich glaubte beinahe, er folgte den Bewegungen des Schiffes. Als ich mich umwandte, um noch einmal einen Blick auf Venedig zu werfen, war die Stadt verschwunden. Selbst die Küste war nur noch ein schmaler dunkler Strich. Der wurde immer dünner und dann verschwand auch er ganz in der Ferne. Jetzt sah ich ringsum nur noch Wasser. Ich hielt mich an einem Tau fest und dachte, seltsam. Ja, genau, das war der richtige Ausdruck. Auf einmal stand mein Onkel Maffeo neben mir.

»He, du bist ja ganz grün im Gesicht!«, lachte er.

Ich sah ihn nur an, denn sagen konnte ich nichts, weil mir tatsächlich ein wenig seltsam zumute war.

»Sag, geht es dir gut?«, fragte er jetzt doch ein wenig besorgt, und mein Vater, der gerade mit dem Kapitän gesprochen hatte, trat zu uns.

»Marco, was ist mit dir?«, wollte er wissen.

»Kann denn niemand diese Schaukelei beenden?«, sagte ich nur.

Da mussten beide lachen. Also ich fand das gar nicht komisch, denn mir war auf einmal schlecht. Aber die beiden lachten noch mehr, als ich ihnen sagte, dass mein Frühstück nicht da bleiben wollte, wo es jetzt gerade war, nämlich in meinem Magen. Dann spürte ich auf einmal, wie mir richtig übel wurde. Ich schaffte es gerade noch bis zur Reling und dann ... ohje! Das Gelächter hinter mir wollte gar nicht mehr aufhören. Genau wie meine Übelkeit. Allmächtiger Herr im Himmel, war mir auf einmal schlecht. Mein Vater ist gemein, musste ich denken. Genau wie mein gemeiner Onkel.

Gemeinsam brachten sie mich in meine Koje unter Deck. lieber Gott, war mir schlecht! Ich lag da und wäre am liebsten gestorben. Doch zum Glück konnte ich bald darauf einschlafen.

3. Kapitel

»HÖRET! Sieben vorbei und acht verweht! Gott schütze dieses Schiff! Amen!«

Von diesem langen, singenden Ruf erwachte ich. Er stammte vom Uhrwächter auf der Brücke. Mit diesen Worten sagte er der Besatzung und uns Reisenden, wie lange es noch bis zum Morgen dauerte. Dabei half ihm eine große Sanduhr. Sie stand auf einem Podest gleich hinter dem Ruderplatz. Reich geschnitzt und verziert, waren da zwei Gläser, eines oben und eines unten. Beide waren miteinander verbunden. Durch das obere Glas rieselte feiner Sand in das untere Glas. Der Wächter musste diese ganze Vorrichtung immer wieder umdrehen, bis er abgelöst wurde. Eine andere Uhr gab es auf dem Schiff nicht.

Acht verweht bedeutete, dass es bis zum Tagesanbruch nicht mehr weit sein konnte. Das war mir recht, denn ich konnte sowieso nicht mehr einschlafen. Aber es ging mir gut. Meine Übelkeit war wie weggeblasen und das sanfte Schaukeln der »Seekuh« fand ich gar nicht mehr schlimm. Also blieb ich noch liegen und lauschte.

Onkel Maffeo schnarchte unter seinem Strohsack. Das Geräusch der Wellen am Schiffsrumpf wechselte sich mit dem Knarren der Holzbalken in unserer Kajüte ab. Leise und vorsichtig kletterte ich aus meiner Koje. Hier war es stockfinster, denn es gab kein Fenster und auch keine Kerze oder Laterne. Jedes offene Licht war hier verboten, aus Furcht, es könnte ein Brand ausbrechen. Das einzige Feuer an Bord glühte im Herd der Schiffsküche.

Zweimal stieß ich mir den Kopf an, bis ich die schmale Tür fand, hinter der das Unterdeck begann. Draußen war es etwas heller, auch wenn die Frachtballen dicht gestapelt lagen und ich zwischen ihnen hindurchmusste, wie durch einen engen Gang. Es roch nach Teer, Salz und gebleichtem Leinen. Diabolo, wenn dieses Schiff nur nicht so schaukeln würde! So musste ich mich dauernd mit beiden Armen abstützen, damit ich nicht irgendwo dagegen rumpelte. Als ich endlich die schmale Leiter auf das Oberdeck hinaufgeklettert war, umfing mich dort kühle, frische Morgenluft. Ich tastete mich bis zum Hauptmast vor und dann weiter, bis zur Reling, wo ich aufs Wasser hinuntersah. Ein Streifen schaumige Gischt lief am Rumpf nebenher und schien fast zu leuchten, als ob das Meer brennen würde. Es sah schön aus. Das kam vom Morgenlicht, das alles so hell scheinen ließ.

»Na, wieder auf den Beinen?«, fragte eine Stimme hinter mir, und ich wandte mich um.

Es war der Kapitän, Signor Hein. Ich nickte und wünschte ihm einen guten Morgen.

»Der Smutje ist schon auf und kocht«, sagte er. »Du solltest was essen, dann ist es leichter zu ertragen.«

Ich verstand nicht gleich, was er meinte.

»Was zu ertragen?«, wollte ich wissen.

»Na, die Seekrankheit. Fast jeder hat sie einmal gehabt.«

Er lachte und griff nach einer Laterne. Mit einer glühenden Lunte zündete er sie an. Dann hob er die Laterne hoch und schwenkte sie, ließ seinen Arm wieder sinken und zog ein Tuch über die Laterne. Und da, neben unserem Schiff, vielleicht drei Steinwürfe weit entfernt, blitzte es drei Mal hintereinander auf. Der Kapitän antwortete wieder, indem er erneut die Laterne hob, das Tuch dreimal hintereinander wegzog, um es gleich wieder darüberzulegen. Dann nickte er zufrieden und blies das Wachslicht wieder aus.

»Sind da noch weitere Schiffe?«, fragte ich verblüfft.

»Ja, zwei«, entgegnete der Kapitän. »Das da gleich neben uns ist die ›Gote Frau‹ und gleich hinter uns fährt die ›Altmark‹; Handelsschiffe aus Bremen, wie wir. Wir segeln immer zusammen mit anderen Koggen und immer dicht unter Land.«

Er senkte den Kopf und sagte etwas leiser: »Wegen der Piraten.«

Das hatte mir mein Vater schon erzählt. Piraten waren auf See in dieser Zeit eine ständige Gefahr und große, reich beladene Schiffe wie unseres eine begehrte Beute. Einmal im Jahr ging die venezianische Kriegsflotte auf die Suche nach diesen Räubern zur See und manchmal hatten sie Glück. Dann spürten sie die Banden in ihren Schlupfwinkeln an der dalmatinischen oder griechischen Küste auf und griffen sie an. Meist besiegten sie die Seeräuber und dann war für eine Weile Ruhe. Aber es gab ja auch noch osmanische Piraten und sogar tunesische Seeräuber wagten sich manchmal bis hierher.

Das war auch der Grund, warum venezianische Handelsschiffe immer als großer Konvoi unterwegs waren. Dreißig bis vierzig Schiffe umfasste so eine Flotte. Wir Venezianer nannten sie Muda. Aber die nächste Muda wäre erst im Herbst wieder ausgelaufen und so lange wollten weder mein Vater noch Onkel Maffeo warten.

Jetzt verspürte ich tatsächlich Hunger. So befolgte ich den Rat des Kapitäns und ging in die kleine Kombüse zum Frühstücken. Der Koch schnitt mir frisches, warmes Brot auf, das ich mit einem Brei aus Schmalz, Zwiebeln, Pfeffer und viel Knoblauch bestrich. Das schmeckte mir gut, so sehr, dass ich darüber meine Seekrankheit endgültig vergaß. Ich verdrückte vier dicke, große Scheiben und trank dazu Wasser mit etwas Essig darin. Das Trinkwasser auf allen Schiffen schmeckte immer nach Essig. Der wurde in die Wasserfässer gegeben. So konnte das Wasser nicht so leicht faulen. Ja, und seit diesem ersten Morgen damals auf dem Meer wurde ich nie mehr seekrank.

4. Kapitel

WIR SEGELTEN die ganze Küste hinunter, und in den nächsten zwei Tagen glitten in der Ferne die Landschaften vorbei, die zu Venedig, zu Rom oder dem Königreich Neapel gehörten.

Unser Schiff, die »Seekuh«, kam, wie die beiden anderen Schiffe in Sichtweite, gut voran. Kapitän Hein meinte, weil es mir gleich am ersten Tag schlecht geworden war, hatte ich dem Meer ja ein Opfer gebracht. Seitdem würde ich dem Schiff Glück bringen.

Ich wusste nicht genau, ob ich das glauben sollte. Vater lachte nur und Onkel Maffeo schmunzelte. Doch die Seereise gefiel mir gut. Einmal streiften wir die Ausläufer eines kleinen Sturms. Der plötzliche Wind und der peitschende Regen waren zwar heftig, aber das störte uns nicht weiter. Das Schiff verminderte seine Fahrt nur wenig und wir kamen trotzdem vorwärts. Aber es regnete lange und das Regenwasser lief wie ein Sturzbach unter das Deck. Ein großer Teil unserer Tuchballen wurde völlig nass. Das war ärgerlich, denn das Wasser konnte den Stoff zerstören, wenn man das Tuch nicht bald wieder trocknen konnte.

Doch wir hatten Glück, denn als der Sturm endlich vorbeigezogen war, hörte auch der Regen auf, und die Sonne kam hervor. Es wurde angenehm warm und Vater, mein Onkel und ich holten Ballen für Ballen auf das Oberdeck herauf. Wir breiteten den Stoff aus und trockneten ihn. Einige Matrosen halfen uns dabei, und als auch das Unterdeck wieder trocken und sauber war, waren unsre Tuchballen getrocknet, und nichts war beschädigt worden.

Ich muss an dieser Stelle noch berichten, warum wir als Kaufleute überhaupt so eine weite Reise machen wollten. Den Handel mit der Welt betrieben wir in unserer Familie schon lange. Bereits mein Großvater hat mit allen möglichen Waren gehandelt. Mein Vater und mein Onkel haben dann den Handel mit den fernen Ländern immer mehr ausgeweitet. So sind beide bereits einmal bis in das Reich des mächtigen Khans gekommen. Der Weg dorthin war aufregend und gefährlich gewesen, aber mit den Menschen dort ließen sich sehr gute Geschäfte machen. Nur wenige christliche Händler kamen damals überhaupt so weit, denn eine Handelsreise dauerte immer einige Jahre. Vater hatte mir bei seiner Rückkehr oft erzählt, wie der große Khan sie persönlich in seinem Sommerlager empfangen hatte. Bei der Abreise musste ihm mein Vater versprechen, wiederzukommen. Er versprach es. So reisten er und mein Onkel heim und kamen dabei durch Konstantinopel*. Der damalige Papst lud beide zu sich ein, wo sie von der Reise und ihren Erlebnissen berichten sollten. Das taten sie, und als sie von Kublai Khan, dem Herrscher der Mongolen, erzählten, hat das den Papst besonders beeindruckt.

Jetzt aber haben wir auf der Fahrt erst in Konstantinopel Halt gemacht. Das kam so: Als wir das Königreich von Cypern*, ebendiese Insel mit diesem Namen, erreichten, wollte Kapitän Hein nur frisches Wasser auffüllen. Doch kaum hatten wir angelegt, erfuhren wir eine große Neuigkeit. Nach langem Warten gab es endlich einen neuen Papst! Er hieß Gregor. Wir sollten schnellstens nach Konstantinopel segeln, weil er einen besonderen Auftrag für uns hätte.

Kapitän Hein zögerte erst, aber Vater sagte, dem Wunsch des Heiligen Vaters müsse man folgen. Er bot dem Kapitän eine hübsche Prämie an und wir kehrten um. Auch die »Gote Frau« und die »Altmark« folgten uns. Und wieder hatten wir Glück. Das Wetter blieb schön, und der Wind half uns, diesen Umweg in nur vier Tagen zu schaffen.

Kaum hatten wir in Konstantinopel angelegt, kehrten wir in ein Handelshaus ein, wo wir auch übernachteten. Vater hatte noch am selben Abend einen Boten zu Papst Gregor geschickt, um von unserer Ankunft zu berichten. Und tatsächlich bat uns der Papst bereits am nächsten Tag zu sich. Er residierte in einem prächtigen Stadtpalast und wir wurden jeder in einer Sänfte bis zum Palast getragen.

Ich war sehr aufgeregt, denn ich kannte den neuen Papst ja gar nicht. Was ich wusste, war nur, dass er der Vertreter aller Christen war. Mein Vater und mein Onkel hatten früher für den vorherigen Papst öfters Aufträge in fernen Ländern erledigt. Das war wohl der Grund, warum uns Gregor sehen wollte, denn wir sollten für ihn einen Auftrag übernehmen.

Der Papst war ein etwas kleiner, würdig und ernst dreinblickender Mann, der uns freundlich willkommen hieß. Wir knieten vor ihm nieder und jeder von uns küsste den prächtigen Ring an seiner Hand. Dann hieß er uns aufstehen und wir durften in seiner Gegenwart jeder auf einem Sessel Platz nehmen. Das, so hat es mir Vater später erklärt, war eine ganz besondere Ehre.

Der Papst erklärte uns, dass wir auf der Reise in das Land des großen Khan Briefe und Geschenke mitnehmen und dem Herrscher dort überreichen sollten. Das haben wir ihm versprochen. Außerdem sollten uns einhundert Priester begleiten, die in dem fernen Land bleiben sollten, um die Menschen dort zum Christentum zu bekehren. Als wir dann auf die Priester, die uns begleiten sollten, zu sprechen kamen, erklärte man uns, dass der Papst uns nicht weiterhin seine kostbare Zeit schenken konnte. Das verstanden wir ja, andererseits drängte auch uns die Zeit. Vater wollte weiter, denn man erzählte sich, dass ein schwerer Sturm unweit der Küste tobte, der viele Handelsschiffe in die sicheren Häfen gezwungen hatte. Vater wollte nicht so lange warten, bis uns dieser Sturm erreichte. Aber es begann heftig zu regnen und das Wetter blieb kühl und grau.

Ungeduldig warteten wir in unserer Unterkunft, einem Fondaco*, dem Handelshaus der Venezianer. Da ließ uns der Papst durch einen Boten ausrichten, dass er leider keine frommen Männer entbehren konnte. Schließlich brauche man alle Priester im Abendland. Aber zwei Dominikanermönche würden uns begleiten. Ich weiß noch, wie verblüfft mein Vater war und Onkel Maffeo sich sein typisches Lächeln erlaubte. So schnell wurden aus einhundert Begleitern nur noch zwei Männer!

Die beiden Mönche wurden uns vorgestellt. Sie wirkten beide griesgrämig. Onkel Maffeo meinte, dass sie aussehen würden, als hätten sie wenig Lust auf die bevorstehende Reise. Als wir uns dann später mit ihnen unterhalten wollten, blieben sie wortkarg. Nun gut, sagten wir uns, wenn wir uns erst näher kennen lernen, wird das schon anders werden. So brachen wir wieder auf und reisten auf der ›Seekuh‹ des Signor Hein weiter bis zu einem Ort mit dem Namen Batumi. Hier nahmen wir noch einmal frisches Wasser an Bord, kauften mehrere Säcke voller Sesam und Salz und segelten weiter.

5. Kapitel

EINE WOCHE NACH unserer Abreise aus Konstantinopel tauchte eine Küste mit einer Stadt vor uns auf.

Das war Akkon und die Stadt bot einen prächtigen Anblick. Sie lag am Fuß einer Festung, einem Krak*, den die Kreuzritter einst errichtet hatten. Der Kapitän behauptete, Akkon wäre mindestens so groß wie Venedig. Ich weiß nicht, ob das stimmte, aber tatsächlich erstreckten sich die Häuser die ganze Küste entlang, so weit man mit den Augen schauen konnte. Eine Unmenge von Schiffen aller Art kreuzten hin und her und es erinnerte mich sehr an meine Heimatstadt.

Je näher wir an die Küste kamen, umso mehr Schiffe gab es. Zuletzt war der Verkehr auf dem Wasser vor uns so dicht, dass wir uns ganz behutsam den Weg durch all die kreuzenden Segler, Galeeren, Koggen, Fischerkähne und Flöße bahnen mussten. Viele Handelsschiffe ankerten bereits hier draußen im Wasser. Sie lagen auf Reede*, wie Signor Hein erklärte. Das kam daher, weil der Hafen von Akkon gar nicht groß genug war, dass all die Schiffe gleichzeitig dort ankern konnten, die jeden Tag hier ankamen. Wir hatten zusammen mit den beiden begleitenden Koggen einen guten Ankerplatz, nicht weit vom Ufer entfernt, gefunden. Kaum waren die schweren Anker ins Wasser gerauscht, schwärmten viele kleine Lastkähne aus, die mit uns und unseren Waren beladen den Weg zur Küste zurückfuhren.

Akkon war eine aufregende Stadt.

Es wimmelte nur so vor Menschen. Auf den vielen Plätzen, den Gassen, den breiteren Straßen und natürlich erst recht hier am Hafen. So war es in Konstantinopel auch gewesen, aber hier gab es ständig große Märkte. Jeden Tag wieder und immer wurde etwas anderes angeboten. Es gab große Obst- und Gemüsemärkte, auf denen man die seltensten Früchte und Gemüse kaufen konnte. Daneben lagen die Stände der Gewürzmärkte, wo es nach Pfeffer, Koriander und Zimt duftete, dass mir die Augen tränten, wenn ich nur in die Nähe kam. Oder die Fischmärkte, wo man alle möglichen Fische kaufen konnte, aber auch Krebse und Muscheln. Und Seeigel, die man hier ganz frisch in einer Soße kochte und dann sofort verspeiste. Natürlich ohne die langen Stacheln dran! Ich hab sie gleich einmal probiert und sie haben mir sehr gut geschmeckt. Aber als Venezianer mag ich ja alles gerne, was aus dem Meer kommt.

Auf anderen Märkten bot man nur Lederwaren an.

Große, endlos lange Stände voller Schuhe, Reitsättel, Peitschen, Gürtel, Riemen, Handschuhe, Zaumzeug oder Wasserbeutel. Wieder andere Händler hatten nur Teppiche in ihrem Angebot. Oder Schmuck.

Oh, dieser Schmuck!

Noch nie in meinem Leben hatte ich bis dahin solche Mengen prächtigen Goldschmuck gesehen wie hier. Und das Gold war gar nicht mal so teuer und wunderbar gearbeitet. Da gab es Halsketten, die waren so schwer, dass man, wenn man sie sich um den Hals gelegt hatte, glauben musste, einen Mühlstein zu tragen. Es gab goldene Taler, durch die ein Loch gebohrt war. Dann konnte man sie an einer feinen Kette um den Hals tragen. Ich habe wohlhabende Leute gesehen, die haben gleich ein Dutzend und noch mehr solcher Taler um den Hals getragen. Ihre Ehefrauen und Töchter trugen sie sogar als Ohrringe oder als Schmuck an ihren langen Schleiern.

Und es gab Perlen. Aber was für welche!

Die Händler hier nannten sie Tränen des Meeres. Es gab Perlen aus allen Teilen der Welt, in vielen Farbtönen und manche waren so groß wie Kirschen. Vater tauschte zwei schöne Rubine gegen zwanzig solche Perlen ein. Er war sich sicher, dass im fernen Reich des Khan die Menschen einen hohen Preis für jede einzelne bezahlen würden.

Wir Polos interessierten uns aber vor allem für den Tuchmarkt.

Das Angebot an kostbaren Seidenstoffen, schwerem Damast, schön gewebter Baumwolle und gebleichtem Leinen war riesengroß. Vater war erst skeptisch. Auch Onkel Maffeo glaubte nicht, dass wir hier ein gutes Geschäft mit unseren Stoffen machen würden. Kein Wunder, hier gab es ein großes Angebot an Seide* aus den fernsten Orten der Welt. Vor allem aus der Mongolei, dem Land, in das wir ja reisen wollten. Diese Seide war wunderschön und gar nicht teuer. Trotzdem kauften die Leute auch unsere Stoffe, angeblich weil sie genauso leicht, aber noch farbiger als die mongolischen Stoffe waren. Uns war es nur recht.

Die großen Stoffballen aus schwerem Leinentuch konnten wir alle an den Haushofmeister des Stadtpalastes verkaufen. Daraus sollten die Zeltmacher einmal Zelte für reisende Kaufleute fertigen. Auch unsere Küchengeräte aus Kupfer konnten wir sehr gut verkaufen.

So verliefen unsere Geschäfte und unsere Einnahmen konnten sich bereits sehen lassen. Allerdings tauschten wir unseren Erlös nicht in Gold oder Silber um. Diese Metalle waren für die weitere Reise viel zu schwer. Vater und Onkel Maffeo tauschten lieber alles in Perlen oder in Knöpfe um. Jawohl, Knöpfe! Das war die neueste Mode und sie kam angeblich aus dem fernen Indien. Ich weiß nicht, ob das stimmte, denn Knöpfe verwendete niemand im Abendland. Wer sein Hemd oder sein Wams zumachen wollte, hielt es mit Bändern, Schleifen oder Fibeln aus Metall zusammen. Doch hier gab es Knöpfe in allen Formen und Farben. Der Beruf des Knopfmachers war sehr angesehen und diese Handwerker schnitzten oder drehten besonders schöne Exemplare aus Horn, Korallen oder Elfenbein. Da gab es Figuren, die hatten sogar Gesichter oder Köpfe, das waren kleine Reiter auf Pferden, Kamelen oder Tieren mit zwei Schwänzen, einer vorne und einer hinten. Diese Tiere nannte man Elefanten und ich hatte von ihnen gehört, aber noch niemals einen gesehen.

Vater sagte, da, wo wir hinwollten, gäbe es sicher keine so schönen Knöpfe. Also würden wir welche mitbringen und dadurch ein gutes Geschäft machen.

Wir kauften auch Maultiere, auf die wir unsere ganze Handelsware packen konnten. Was wir neu eintauschten, war Schafwolle, die bereits rot, blau und grün gefärbt war. Vater sagte, auf unserem Weg kämen wir in Länder, da würden die Menschen daraus prächtige Teppiche knüpfen.

In diesen Tagen fanden wir auch Zeit für eine Audienz in der Festung von Akkon. Hier wurden wir Herrn Tedaldo Visconti vorgestellt. Er war der persönliche Stellvertreter des Heiligen Vaters.

»Seit den Kreuzzügen ist hier immer ein Vertreter Seiner Heiligkeit und wacht über das Christentum«, erklärte er uns.

Er bat uns, Platz zu nehmen. Das taten wir, und er erklärte uns, dass es im Augenblick zwischen den Christen und den Heiden, wie wir die Araber nannten, friedlich zuging.

»Sobald aber ein neuer Krieg ausbricht, wird es keinen Handel mehr geben. Deshalb bemüht sich die Kirche, keine Partei zu verärgern. Und deshalb gibt es kaum Schutz durch christliche Ritter«, erklärte er uns. Wir wussten, was dies bedeutete. Sollte man uns auf unserem weiteren Weg angreifen, würden wir nicht auf den Schutz von bewaffneten Rittern aus dem Abendland hoffen können.

An die einstigen Kreuzzüge erinnerte in dieser Stadt nicht mehr viel, außer dass es neben den zahlreichen Einheimischen viele Menschen aus dem Abendland gab. Blonde Ritter aus dem Norden, Schotten mit dichten feuerroten Bärten und Franzosen, die lieber hierbleiben wollten, als in ihre Heimat zurückzukehren.

Herr Visconti überreichte uns ein hübsch verziertes Kästchen. Darin lag eine prächtige Flasche aus reinem Silber. Von allen Geschenken an den mächtigen Khan war dies das wertvollste. Die Flasche enthielt geweihtes Öl aus der Grabeskirche von Jerusalem. Es hieß, wer Schmerzen an seinem Körper hatte und sich mit diesem Öl einrieb, war augenblicklich geheilt und würde an dieser Stelle nie wieder Schmerzen haben. Ausprobieren konnten und durften wir das natürlich nicht, obwohl ich es gerne einmal versucht hätte. Die Flasche war mit Wachs verschlossen und mit dem Siegel des Heiligen Vaters versehen. Erst der große Kublai Khan durfte sie öffnen.

Dieses besondere Geschenk sollten wir mit den besten Wünschen des Papstes an den Herrscher der Mongolen überreichen. Das haben wir Herrn Visconti feierlich versprochen und das kostbare Gefäß in unserem Gepäck sicher versteckt. Wir haben auf unserer ganzen Reise immer besonders sorgfältig darauf aufgepasst.

6. Kapitel

ES WAR AM BEGINN des dritten Tages nach unserem Aufbruch aus Akkon.

Wir hatten mit unserer Maultierkarawane eine Reihe kleinerer, recht steiniger Täler hinter uns gelassen. Es gab in dieser Gegend wenig Bäume und außer kargem Gestrüpp wuchs hier nicht viel. Jetzt aber öffnete sich eine weite Ebene vor uns und ringsum wurde alles grün. Nur seltsam, bisher hatten wir immer wieder große Viehherden mit ihren Hirten gesehen. Mit ihnen konnte man gut frischen Proviant tauschen. Milch, Käse, süßer und saurer Rahm, sogar Eier und auch Fleisch. Doch nun war lange niemand mehr zu sehen gewesen.

Die anfänglich etwas bessere Laune der beiden, sonst immer ein wenig mürrischen Dominikaner war verschwunden. Erst dachte ich, es läge vielleicht daran, dass wir seit Tagen nur noch im Freien, ohne ein Dach über dem Kopf, schliefen. Aber der Grund war wohl ein anderer.

An diesem späten Nachmittag erreichten wir einen kleinen Ort.

An den Namen erinnere ich mich nicht mehr, nur daran, dass uns die Bewohner dort sagten, dass es bis Aleppo nicht mehr weit wäre. Das wäre keine kleine Ansiedlung mehr, sondern eine richtige Stadt. Wir könnten es sogar noch vor Einbruch der Dämmerung schaffen. Da ließen wir die Maultiere an einem Bach besonders lange trinken und nahmen selber alle einen ordentlichen Schluck Wasser, bevor wir wieder aufbrachen.

Tatsächlich langten wir am selben Abend in Aleppo an.

Der Ort war zwar nicht gerade klein, aber wie eine Stadt, fand ich, sah er nicht aus. Die meisten Leute lebten in kleinen Lehmhütten oder in Zelten. Aleppo war ein großer Handelsplatz, in dem es von Schafen und Ziegen, Kamelen und vor allem Maultieren und Pferden nur so wimmelte. Dazu kamen viele Menschen, die sich hierher geflüchtet hatten. Es hieß, es wäre ein Krieg zwischen zwei großen Stämmen ausgebrochen und alle Bewohner der Gegend flüchteten aus Angst hierher.

Die beiden Mönche hatten schon die ganze Zeit ständig miteinander getuschelt. Als wir gerade das letzte Maultier abgeladen hatten, traten sie auf uns zu. Der Ältere der beiden, Bruder Tristan, begann als Erster zu sprechen: »Ihr Herren, wir müssen mit Euch reden.«

Gespannt blickten wir die beiden an.

»Wir reisen nicht mehr weiter.«

»Was soll das heißen?«, fragte mein Vater.

»Das, was es heißt. Mein Mitbruder und ich kehren um.«

»Aber Ihr seid uns als Begleitung von Papst Gregor ...«

Der Mönch unterbrach meinen Vater mit einer Handbewegung. »Das wissen wir alles, Herr Polo. Doch wir haben lange nachgedacht. Niemand kann von uns verlangen, dass wir bis ins Reich des Khan reisen. Keiner weiß, ob es dieses Land wirklich gibt.«

»Aber was redet Ihr da?«, unterbrach ihn mein Vater, und ich sah, dass er zornig wurde. »Natürlich gibt es dieses Land! Mein Bruder und ich haben es selbst bereist.«

»Mag ja sein«, antwortete der Mönch, »aber von uns weit gereisten Dominikanern war noch nie jemand dort, und nur weil Ihr die Ersten wart ...«

Jetzt unterbrach Onkel Maffeo die Rede des Mönchs. »Was für einen Unsinn redet Ihr da eigentlich? Wir haben nie behauptet, dass wir die Ersten gewesen wären. Aber es gibt dieses Land. Nur, bis dorthin ist es eben noch weit.«

»Ja richtig, es ist weit«, bestätigte mein Vater die Worte meines Onkels mit einem Kopfnicken, »sehr weit. Aber das darf uns doch nicht abschrecken.«

»Seht Ihr, genau das hat uns niemand gesagt«, entgegnete Tristan kleinlaut.

»Ja, es ist weit und gefährlich ist es auch«, sagte der andere Mönch und nickte dazu eifrig, »alle Leute hier reden von einem Krieg.«

Als ich sie reden hörte, dachte ich mir nur, was für Hasenfüße die beiden doch waren. Doch wenn ich das laut gesagt hätte, hätte ich bestimmt einen strengen Blick von meinem Vater geerntet. Man beleidigt keine Mönche, sagte er immer, denn es sind heilige Männer. Na ja, vielleicht waren die beiden hier wirklich ein bisschen heilig, aber dafür waren sie ganz sicher Angsthasen. Genau, heilige Angsthasen waren das!

»Wir kehren um, Herr Polo«, sagte Bruder Tristan.

»Gut, bitte tut das«, antwortete mein Vater ungerührt.

»Was denn«, fragte Tristan ganz empört, »Ihr lasst uns einfach so zurück?«

»Ihr lieben Brüder, niemand hindert Euch daran, umzukehren und zurück nach Konstantinopel zu reisen. Wir aber ziehen weiter, denn wir haben einen Auftrag, falls Ihr das vergessen haben solltet«, erklärte mein Vater ruhig. »Ihr könnt es Euch ja noch einmal überlegen. Dann findet Ihr uns in der Herberge.«

Mit diesen Worten ließ er die beiden frommen Männer stehen und den ungläubigen Blick von Bruder Tristan werde ich mein Lebtag nicht vergessen. Er glotzte wie eine Seekuh!

Doch die Ruhe meines Vaters war nur gespielt.

In Wahrheit war er wütend, ja sogar sehr wütend. Dabei war mein Vater ein ruhiger Mensch, mit viel Geduld und ohne böse Worte. Aber dieses Mal schimpfte er leise vor sich hin. Mein Onkel schwieg, und das war gut so, denn er war eher der Ungeduldigere in unserer Familie. Ich war mir sicher, dass er den beiden Mönchen am liebsten eine Tracht Prügel verabreicht hätte.

Um uns über die beiden nicht weiter zu ärgern, gingen wir erst einmal in ein nahe gelegenes Gasthaus, um dort eine warme Suppe zu essen. Die gab es dort auch, allerdings für uns drei nur noch einen einzigen Teller voll. Durch die vielen geflüchteten Menschen wurde hier überall das Essen knapp. Nach diesem kargen Abendessen war unsere gute Laune endgültig dahin. Verärgert machten wir uns auf den Weg zurück in unsere Herberge.

Während wir uns ganz in Gedanken versunken einen Weg durch die vollen Straßen bahnten, hatte ich das Gefühl, als ob uns jemand folgte. Obwohl ich mich ein paar Mal umdrehte, sah ich aber niemand. Trotzdem war ich mir sicher, dass uns irgendjemand heimlich hinterherschlich.

Ich sagte weder meinem Vater noch meinem Onkel etwas davon. Aber kaum in der Herberge zurück, beobachtete ich die Menschen ganz genau. Doch ich konnte nichts Ungewöhnliches feststellen. Trotzdem hatte ich ein komisches Gefühl.

Mein Vater streckte sich auf dem Boden, wo wir Teppiche ausgebreitet hatten, aus. Darauf lagen unsere warmen Decken und Schaffelle. Vater sagte nichts. Ich sah, dass er nachdachte. Mein Onkel setzte sich auch nieder und begann, in seinem Reisesack zu kramen. Ich wusste, wonach er suchte: Er besaß eine kleine geschnitzte Dose aus einem Walknochen. Darin waren getrocknete Lavendelblüten. Den Duft dieser Blüten mochte er sehr. Immer wenn mein Onkel sehr wütend war, öffnete er diese Dose und schnupperte den Duft der Lavendelblüten. Danach ging es ihm besser. Das behauptete er jedenfalls immer. Aber den feinen Geruch des Lavendels mochte ich auch gern.

Als ich meinen Platz für die Nacht aufsuchen wollte, hörte ich plötzlich, wie sich jemand räusperte. Ich blickte auf. Ein Mann stand vor uns. Er war schlank und sehnig, genauso groß wie ich und wohl im Alter meines Vaters. Seine Kleidung war sauber, aber schäbig, sein ganzes Auftreten jedoch stolz.

»Der Allmächtige schütze Euch, Ihr Herren«, sagte er.

»Gott sei mit Euch«, grüßte mein Vater zurück, und Onkel Maffeo und ich nickten höflich.

»Entschuldigt, dass ich Euch störe«, begann der Fremde, »aber ich habe den Streit zwischen Euch und den beiden Mönchen gehört. Deshalb bin ich Euch bis hierher gefolgt.«

Also hatte ich mich doch nicht getäuscht!

Der Mann blickte uns an. »Ich hatte bisher wenig Glück und musste hier sogar mein Pferd verkaufen. Nun suche ich jemand, dem ich mich anschließen kann, und da wollte ich fragen, ob ich mit Euch weiterreisen kann. Ich heiße Johannes und bin Christ wie Ihr. Ich komme aus Dalmatien, bin aber Lateiner und ich will nach Täbris.«

Vater hatte mir erzählt, dies wäre eine Stadt in Persien. Doch bis dahin war es noch ein weiter Weg.

»Wir sind auf einer Handelsreise«, begann mein Vater.

Der Mann nickte, dann beugte er sich ein wenig zu uns und seine Stimme wurde leiser. »Ja, ich weiß. Papst Gregor schickt Euch. Ihr bringt dem Khan einen großen Schatz: heiliges Öl aus der Grabeskirche von Jerusalem.«

Verblüfft sahen wir den Mann an. Woher wusste er von unserem Auftrag? Da lachte er. »Ja, Signori, ich weiß, wer Ihr seid, und weiß auch, woher Ihr kommt. Aus Venedig. Wir haben dieselbe Reise gemacht, aber auf verschiedenen Schiffen. Ich war an Bord der ›Altmark‹. Aber ich hätte nicht gedacht, Euch so bald wiederzutreffen.«

»Sieh an! Und in welchem Auftrag reist Ihr, Herr Johannes?«, wollte mein Vater wissen.

»In meinem eigenen. Ich bin ein Krieger Gottes.«

Vater wusste nicht, was er darauf antworten sollte. Ein Krieger Gottes. Was meinte der Fremde damit?

Wieder lächelte er und hob dabei seine schäbigen Kleider ein wenig an. Darunter blitzte ein Kettenhemd* und die Spitze eines Schwertes sah ebenfalls hervor. Über dem blanken Hemd aus Eisen trug er ein Leinenwams, das ihm bis zu den Knien reichte. Auf diesen Stoff war ein blutrotes Kreuz genäht. Bei der heiligen Maria, der Mann war ein Tempelritter*!

»Ihr seid ein Mann des Krieges, Herr Johannes«, stellte mein Vater fest, nachdem der Ritter sein einfaches Gewand wieder übergestreift hatte, »aber wir sind Kaufleute. Männer des Friedens.«

»Glaubt Ihr, da wo Ihr hinwollt, ist es immer friedlich?«, wollte der Templer wissen und lächelte dabei.

Ich fand, dass es ein spöttisches Lächeln war. Doch von diesen Kriegern aus dem Orden der armen Ritter Christi hatte ich schon gehört. In Venedig bekam man sie manchmal zu sehen, wenn sie, mit von der Sonne gebräunter Haut, die Köpfe ganz kahl geschoren, eben wie Mönche, von den Schiffen kamen, die gerade aus dem Heiligen Land zurückgekehrt waren. Außer ihren Waffen und dem, was sie am Leib trugen, besaßen sie nichts. Sie galten als mutige furchtlose Kämpfer, die sich niemals einem Feind ergaben. Im Heiligen Land hatten sie in den Kreuzzügen gegen die Heiden gekämpft. Jetzt bewachten sie die Heiligen Stätten und schützten die Pilger vor den Angriffen räuberischer Araber. Tempelritter waren stolz, beinahe hochmütig; so erzählte man es sich. Auch dieser Mann hatte etwas sehr Stolzes an sich. Und er war braun gebrannt, trug kein einziges Haar auf seinem Kopf, dafür einen kurzen, sorgsam gestutzten Bart um sein Kinn herum. Aber irgendwie fand ich ihn aufregend und auch sympathisch.

Vater beriet sich kurz mit Onkel Maffeo und mir.

Keiner von uns hatte etwas gegen die Gesellschaft des Ritters einzuwenden und so hießen wir ihn willkommen. Er bedankte sich und suchte sich dann hinter unserem Warenvorrat einen Platz zum Schlafen.

Ich beobachtete ihn dabei, wie er seine Habseligkeiten auf der Erde ausbreitete: eine alte Decke, einen Wasserbeutel aus Ziegenleder, einen Helm und ein kleines zerlesenes Buch. Die Heilige Schrift. Bevor er sich zum Schlafen niederlegte, zog er sich sein Kettenhemd und das Wams aus. Nur sein Hemd behielt er an. Dann nahm er sein Schwert, kniete nieder und betete still. Zuletzt schlug er das Kreuzzeichen. Erst dann rollte er sich in seine Decke, eine Hand an seinem Schwert. Das hat er später jeden Abend so gemacht.

Bald darauf hörte ich ihn leise schnarchen.

Ich legte mich ebenfalls nieder und lauschte noch den Geräuschen in der Herberge, dem Geblöke der Schafe, dem leisen Gemecker der Ziegen und dem Stimmengewirr der Menschen. Es roch nach Rauch und Schweiß, nach Staub und einmal hörte ich jemand laut lachen.

So also begann unsere Reise in das ferne Land des Kublai Khan. An diesem Abend konnte ich noch nicht wissen, wie lange sie dauern sollte und was für Abenteuer wir alle dabei erleben würden. Die beiden Mönche kamen nicht mit uns, und was aus ihnen geworden war, haben wir nie erfahren. Aber es störte mich nicht mehr. Ich fand den Ritter Johannes viel aufregender und interessanter. Was mich nur verwunderte, war, wie arm er war und dass er trotzdem diese weite Reise unternahm. Warum tat er das? Was wollte er in Täbris? Über all diesen Gedanken bin ich dann eingeschlafen.

7. Kapitel

AM NÄCHSTEN MORGEN brachen wir sehr früh auf.

Die Sonne war gerade erst über den Hügeln aufgegangen, und dieses erste, ganz frühe Licht leuchtete, als ob es aus Gold wäre. Die ganze Herberge war bereits auf den Beinen. Im Dunst flimmerte der Staub, den zahlreiche Schaf- und Ziegenherden aufwirbelten. Die Tiere wurden nicht auf die umliegenden Weiden getrieben, sondern blieben zum Schutz in der kleinen Stadt. Während wir uns zum Aufbruch rüsteten, erfuhren wir, dass ein Krieg zwischen zwei großen Stämmen in dieser Gegend herrschte. Aus Angst, die verfeindeten Parteien könnten ihnen die Tiere stehlen, wagten sich die Hirten nicht mehr aus der sicheren Ansiedlung heraus.

»Das ist schlimm«, seufzte mein Vater, »wir werden keine Milch und kein Fleisch mehr kaufen können. Die Hirten geben nichts mehr ab. Das werden harte Tage.«

Er sollte Recht behalten.

Zusammen mit dem Tempelritter zogen wir los. Vater und Onkel Maffeo kannten die Gegend noch von früheren Reisen her. Aber ich, der das erste Mal hier war, kam aus dem Staunen nicht heraus. Dieses Land wirkte so wild und einsam, als wäre noch nie ein Mensch zuvor hier gewesen. Richtig grün war es nicht, sondern eher karg und steinig. Doch immer wieder gab es Flecken, wo Gras und wilde Blumen wuchsen. Unsere Maultiere stürzten sich darauf, um zu grasen. Wir ließen sie fressen, wussten wir doch nicht, wie oft es frisches Gras in dieser Einöde gab.

Ganz allmählich näherten wir uns einem großen Gebirge.

Es wurde Elbrus genannt. Die steilen Berghänge in der Ferne waren bis zu den Gipfeln hinauf weiß. Dort lag Schnee, und das konnte ich mir kaum vorstellen, denn hier war es bei jedem Schritt heiß, staubig und trocken.

Noch gab es für uns alle genug Wasser.

Es rauschte in zahlreichen kleinen Bächen neben unserem Weg vorbei, staute sich manchmal zu einem kleinen See und floss dann in zahlreichen Rinnsalen wieder weiter. Manche Bäche wurden immer breiter und dann richtig reißend. Das kam daher, dass weit oben im Gebirge Schnee und Eis tauten und das Schmelzwasser schnell ins Tal hinunterfloss.

Da es keine Brücken gab, mussten wir diese Bachläufe eben durchwaten. Das Wasser war eiskalt. Wenn wir am anderen Ufer anlangten, waren meine Füße immer ganz taub, und ich musste barfuß auf den warmen Steinen gehen, bis ich wieder ein Gefühl in den Füßen bekam. Aber das machte mir nichts aus. Im Gegenteil, ich fand es herrlich. Es war nämlich all die Tage sehr heiß.

Völlig ohne Kopfbedeckung wäre uns wahrscheinlich das Hirn regelrecht gebraten worden. Deshalb trugen Vater und Onkel Maffeo große Filzhüte, wie viele Kaufleute in jener Zeit. Diese Hüte schützten gut gegen die Sonne, und auch bei Regen dauerte es sehr lange, bis auch nur ein Tropfen durchsickerte. Aber mir gefiel die Art, wie der Templer sich vor der Sonne schützte, viel besser: Er trug ein großes Tuch auf dem Kopf, das er sich im Nacken zusammengebunden hatte. Ich nahm ein Stück Leinenstoff und machte mir auch so einen Kopfschutz. Und wie der Ritter weichte ich es ständig im Wasser ein und setzte es noch ganz feucht wieder auf Das kühlte angenehm.

Allmählich wurde der Weg immer steiler und beschwerlicher. Die Maultierkolonne kam nicht mehr sehr schnell voran, und wir, die wir ja zu Fuß gingen, waren froh um unsere langen Holzstöcke, die Wanderstab und Stütze waren.

Als wir uns zur Rast niedersetzten, wollte ich solange auf Jagd gehen. Ich hatte zwar keinen Bogen oder einen Jagdspieß, nicht einmal eine Schleuder, aber dafür ein Stück Seidenschnur. Daraus knüpfte ich eine Schlinge und mit dieser schlich ich durch das dichte Gestrüpp. Bald traf ich auf erste Spuren: Löcher im Gras, davor frische Erde. Wie ich es mir bereits gedacht hatte. Hier gab es Kaninchen! Wenn es mir gelang, wenigstens zwei Tiere zu fangen, hätten wir heute Abend mal wieder richtig was zu essen. So ein Kaninchenbraten war etwas Feines, vor allem wenn ihn mein Onkel Maffeo mit allerlei Kräutern zubereitete.

So legte ich vor ein großes Loch in der Erde meine Schlinge aus und knüpfte mir gleich noch zwei weitere. Dann schlich ich den Weg zurück. Da, auf einmal, raschelte es vor mir. Ich dachte mir gleich, das wird ein Kaninchen sein! Aber was ich sah, war eine Schlange. Das Biest war groß und hatte mich längst bemerkt. Die Schlange richtete sich ein wenig auf, um mich anzustarren. Ich sah die Zunge aus ihrem Maul hervorzüngeln. Nun, Angst hatte ich eigentlich keine. Bei uns zu Hause, in den großen Schilfwäldern rings um die Lagune von Venedig, hatte ich schon öfter Schlangen gesehen, wenn auch keine so große wie diese hier. Trotzdem überlegte ich mir, was ich jetzt tun sollte. Vorsichtig machte ich einen Schritt zurück und die Schlange bewegte sich sofort ein Stück auf mich zu.

»Bleib ganz ruhig stehen«, hörte ich eine Stimme hinter mir sagen.

Es war der Tempelritter. Er trat neben mich, und ehe ich michs versah, fuhr sein Schwert nieder und traf die Schlange gleich hinter dem Kopf. Sie lag da und rührte sich nicht mehr. Mit der Schwertspitze stieß er sie noch einmal an. Doch sie war tot. Johannes hob sie hoch. Die Schlange war so lang wie mein Bein.

»Ziemlich bissig, diese Kreatur«, sagte er und lächelte dabei.

8. Kapitel

IMMER NOCH war es heiß.

Es gab genug Wasser ringsum, und deshalb wollten wir noch eine Weile hierbleiben, um uns auszuruhen. Umso mehr würden wir in den kühlen Abendstunden an Wegstrecke zurücklegen können. Außerdem hatten wir keine Eile, warum auch?

Während ich in unserem Gepäck nach einer weiteren Seidenschnur suchte, zeigte der Ritter meinem Vater und meinem Onkel seine Beute. Die Männer unterhielten sich darüber, wie gefährlich diese Schlangen wären.

Ich aber wollte zurück, um nach meinen Fallen zu sehen. Aber an diesem Mittag hatte ich kein Glück. Nicht ein Kaninchen ging in meine sorgsam aufgebauten Schlingen und die Vorfreude auf einen leckeren Braten am Abend erfüllte sich nicht. Mit leeren Händen kehrte ich zurück und alle zogen mich deswegen auf Was für ein großer Jäger ich doch sei. Vater meinte, die Kaninchen hätten sich über meine Fallen wohl schon in ihrem Bau totgelacht.

Da half ich lieber Onkel Maffeo. Er untersuchte ganz sorgfällig die Hufe der Maultiere. Wenn sie sich einen Stein eintraten, begannen sie bald zu lahmen, und im schlimmsten Fall entzündete sich sogar der ganze Lauf. Wir brauchten aber alle Tiere, denn wir hatten sie bereits jetzt ziemlich bepackt. Wenn uns ein Maultier ausfiel, mussten wir seine Last selber tragen.

Dann brachen wir wieder auf. Natürlich hatte ich vorher noch einmal meine Fallen überprüft, aber sie waren und blieben alle leer. Enttäuscht nahm ich die Schlingen wieder mit. Dafür schafften wir an diesem Nachmittag noch sehr viel unseres Weges. Am Abend lagen die Berghänge des Elbrus ganz nahe vor uns. Vater erklärte, dass wir ab morgen immer unweit der Berge unserem Weg folgen würden. Er erinnerte sich noch daran, während mein Onkel Maffeo, der damals mit dabei war, immer wieder den Kopf schüttelte. Der Weg erschien ihm jetzt auf einmal viel länger.

Wir entzündeten auch an diesem Abend ein Feuer, worauf ich mich immer schon vorher freute. Da saßen wir dann, aßen, tranken, ruhten aus und hingen unseren Gedanken nach. Aber meistens erzählten wir uns Geschichten. Nur, dieses Mal hatten wir nichts Besonderes mehr zu essen. Getreidekörner, Salz und getrocknetes Fleisch, ja. Aber das wollten wir uns aufsparen, bis wir gar nichts anderes mehr hatten. Da griff Johannes plötzlich zu seinem Vorratsbeutel und sagte ganz feierlich: »Keine Sorge, Ihr Herren, für heute Abend haben wir einen Braten.«

Dieser Teufelskerl, musste ich denken. Hat er also doch noch heimlich ein Kaninchen gefangen und uns nichts davon gesagt! Gespannt sah ich zu, wie er den Beutel vor uns ausleerte. Aber was kam heraus? Die tote Schlange.

Onkel Maffeo, sonst kein Kostverächter, schüttelte den Kopf, und mein Vater lachte, wie er es immer tat, wenn ihm nicht gleich ein rechtes Wort einfallen wollte.

»Nein, das ess ich nicht«, sagte ich.

»Dann hast du noch nicht genug Hunger«, meinte Johannes ungerührt.

»Aber niemand isst eine Schlange«, sagte ich.

Der Ritter lachte.

»Warum denn nicht?«, wollte er wissen.

»Gott unser Herr hat einst zur Schlange gesagt, auf dem Boden, im Staube sollst du kriechen«, sagte ich und dachte an die Worte aus der Heiligen Schrift.

Johannes lächelte wieder, wiegte seinen kahl rasierten Kopf und sagte dann: »Das stimmt, Marco. Aber hat er auch gesagt, Schlange sei ungenießbar?«

»Das weiß ich nicht«, sagte ich, denn an so eine Stelle in der Schrift konnte ich mich nicht erinnern.

»Hast du schon einmal einen Schlangenbraten gegessen?«

Ich schüttelte den Kopf.

»Na also, dann kannst du gar nicht wissen, wie er schmeckt. Im fernen Reich des Khan essen sie sogar Hunde und Katzen. Das hab ich selbst gehört. Außerdem, man kann alles essen. Frösche, Heuschrecken, Schnecken, sogar Ratten. Also, warum nicht auch Schlangen? Seit zwei Tagen haben wir nichts Warmes mehr im Bauch gehabt. Ich erinnere mich an die Worte eines großen Jägers mit dem Namen Marco Polo, der uns einen Braten für diesen Abend versprochen hatte. Bitte sehr, hier ist er.«

Da mussten wir alle lachen, trotzdem freute sich keiner von uns auf das Abendessen. Johannes nahm die Schlange aus, zog ihr die Haut ab und spießte das Tier dann der Länge nach auf einen Stock. Dann begann er, es zu braten. Wir saßen da und sahen ihm dabei zu. Ich hoffte für mich, dass ein Wunder geschehen würde. Irgendetwas, das meinen Magen füllte, aber nicht mit diesem Schlangenbraten da. Es wurde langsam kühler, aber nach dem heißen Tag war das ganz angenehm.

Das Fleisch war fast gar, als wir plötzlich Hufschlag hörten.

Wer konnte das hier in dieser Einsamkeit sein? Seit über einer Woche hatten wir keine Menschenseele mehr gesehen. Aber wir hörten ganz deutlich, dass jemand den steinigen Abhang neben unserem Lager herabkam. Johannes trat schnell vom Feuer weg, damit ihn der Lichtschein nicht mehr beleuchtete. Ich sah noch, wie er sein Schwert zog. Auch Onkel Maffeo griff nach seinem langen Wanderstock. Nur Vater blieb ruhig sitzen und blickte auf die Ankömmlinge.

Es waren vier Männer zu Pferd, jeder mit einem gekrümmten Schwert bewaffnet, das ihnen am Gürtel hing. Jeder Einzelne von ihnen hatte am Sattel einen Bogen und dazu einen Köcher voll mit Pfeilen hängen. Alle vier trugen farbenprächtige Kleider. Ich sage das, weil ich trotz des kargen Lichts unseres Feuers rote und blaue Gewänder, dazu braune und schwarze Beinkleider der Männer erkennen konnte. Jeder von ihnen trug einen Bart und auf dem Kopf dicht geschlungene Tücher, die wie ein Nest aussahen. Das kannte ich, man sagte Turban dazu.

»Salam*«, grüßte ihr Anführer.

»Salam«, grüßte mein Vater zurück.

Der Mann fragte etwas in seiner seltsamen Sprache. Ein wenig verstand ich bereits, und ich glaube, er wollte wissen, ob er vom Pferd steigen dürfe, um sich am Feuer ein bisschen aufzuwärmen. Bei seiner Frage lächelte er, ließ die Zügel los und zeigte dann seine leeren Hände. Ein Zeichen, dass er in friedlicher Absicht kam. Mein Vater sprach recht gut den arabischen Dialekt dieser Gegend und erlaubte es. Da stieg der Mann von seinem Pferd. Als er den Templer mit seinem blanken Schwert in der Hand erkannte, sagte der Fremde wieder etwas. Mein Vater nickte, weil er verstanden hatte.

»Herr Ritter, steckt Euer Schwert weg«, meinte er. »Unser Besucher ist ein Perser, wenn sein Stamm auch zum Reich der Mongolen gehört. Er kommt in friedlicher Absicht.«

Der Templer zögerte erst, dann steckte er sein Schwert zurück. Der Fremde verbeugte sich vor uns und sprach dann ein paar Worte. Vater lachte daraufhin höflich und wandte sich zu mir. »Er sagt, dass er sich freut, weit gereiste Leute wie uns zu treffen. Vor allem hat er noch nie einen Krieger der Franken so weit entfernt von seiner Heimat getroffen. Er will den Frieden.«

»Den will ich auch«, entgegnete der Templer ruhig.

Die übrigen Reiter stiegen ebenfalls von ihren Pferden. Ich bemerkte, dass diese Männer von der Statur her etwas kleiner als wir waren. Sie hatten freundliche Gesichter. Jeder von ihnen stellte sich kurz vor uns auf, um dann mit einer höflichen Verbeugung zu grüßen.

Vater lud sie ein, sich zu uns ans Feuer zu setzen, und das taten sie auch. Aber als sie dann unseren Schlangenbraten sahen, begannen sie auf einmal, eifrig miteinander zu flüstern. Ich sah ihnen an, dass sie verlegen waren. Immer wieder sahen sie erst auf uns, dann auf unseren Braten.

Mein Vater versuchte, ihnen zu erklären, dass wir leider nicht mehr anzubieten hätten. Der Anführer hörte sich Vaters Erklärungen an und dann nickte er einem seiner Männer zu. Der stand auf, trat zu seinem Pferd und holte einen Sack. Den öffnete er vor uns und holte kleine Leinenpäckchen heraus. Insgesamt waren es acht solcher Päckchen, die er vor uns niederlegte. Ihr Anführer begann, das erste auszupacken, und da gingen uns allen die Augen über. Da lagen knusprig braun gebratene Vögel, wahrscheinlich waren es Hühner. Und, oh Wunder, es war für jeden ein ganzer Vogel da, so als ob diese fremden Männer geahnt hätten, dass sie uns hier treffen würden. Sie baten uns zuzugreifen und das ließen wir uns nicht zweimal sagen. Ich muss sagen, wohl nie zuvor hatte ich einen besseren kalten Braten gegessen als an diesem Abend. Die Schlange haben wir nicht einmal mehr angeschaut.

9. Kapitel

AM NÄCHSTEN MORGEN schlossen sich uns die vier Reiter an.

Darüber waren wir ganz froh, denn je größer ein Handelszug war, umso sicherer war die Reise. Natürlich wusste ich aus Onkel Maffeos Erzählungen, dass eine Handelskarawane immer Räuber anzog. Es gab viele Geschichten über die Unglücklichen, die überfallen, ausgeraubt, verschleppt oder sogar ermordet wurden. Aber wir hatten wohl alle von Anfang an das Gefühl, als würden uns diese vier persischen Reiter nichts Böses wollen, sondern uns notfalls zur Seite stehen.

Wir gingen zu Fuß und sie ritten voraus.

Ab und zu kam einer von ihnen zu uns zurückgeritten und wechselte ein paar Worte mit meinem Vater. Der übersetzte dann. Meist berichtete er, dass es bis in das Lager ihres Stammes nicht mehr weit sein würde. Ich verstand schon eine Reihe einzelner Wörter und bekam immer größere Lust, diese Sprache möglichst schnell zu lernen.

Zum Mittag hin wurde die Gegend immer hügeliger. Der Boden ringsum war sandig, manchmal mit Felsbrocken übersät, zwischen denen gelb verdorrtes Gras in kargen Büscheln wuchs. Und obwohl dieses Gras ganz kurz und dürr war, blieben unsere Maultiere immer wieder stehen, um davon zu fressen. Der Anführer der Reiter versprach uns, dass wir bald auf gutes Gras und reichlich Wasser stoßen würden. Vater freute sich über diese Nachricht, aber ich wollte das nicht so recht glauben. Die Gegend hier war einsam und die Luft heiß und trocken. Aber noch immer marschierten wir näher auf ein mächtiges Gebirge zu.

Als wir auf unserem Weg wieder über einen Hügel kamen, erkannten wir nicht mehr weit vor uns eine tiefe steile Senke. Dahinter breitete sich ein sanftes Tal aus. Auch das lag eintönig und leer vor uns. Hier gab es nichts außer Geröll und ab und zu mal ein paar Büsche und etwas Gras. Wir stiegen hinunter, immer einem schmalen Weg folgend. Es wurde dabei immer wärmer. Dann, im Talgrund angekommen, war es sehr heiß, dass ich dachte, ich komme in einen Backofen. Der Schweiß lief mir in Strömen herunter. Ich krempelte meine Ärmel noch ein wenig höher und zog mein Stirntuch tiefer. Mein Gesicht und auch meine Arme waren schon braun gebrannt. Jedes Mal wenn ich einatmete, hatte ich das Gefühl, als atme ich nur heißen Staub mit etwas Luft darin. Einer der Reiter ritt neben uns. Als er mich sah, drängte er sein Pferd zu mir und reichte mir seinen Wasserbeutel. Er sagte etwas, und mein Vater übersetzte: »Er gibt dir von seinem Wasser ab. Du sollst dich damit erfrischen.«

Ich zögerte erst, aber Vater sagte, dass ich den Mann dann beleidige. Schließlich ist es etwas Besonderes, wenn hier jemand sein kostbares Wasser mit einem anderen teilt. Also nahm ich einen großen Schluck. Ich war überrascht, wie angenehm kühl das Wasser war. Als ich den Wasserbeutel an meinen Vater weiterreichen wollte, nickte der Reiter zustimmend und lachte. Dann galoppierte er davon.

Pferd und Reiter zogen einen Staubschleier hinter sich her, bis der Mann auf den weiteren Hang vor uns zuhielt und sein Tier hinauftrieb. Als er oben angelangt war, hielt er an und rief etwas. Dann wandte er sein Pferd und verschwand auf der anderen Seite des Hügels. Die übrigen Reiter lachten und riefen uns nun zu, uns ein wenig zu beeilen. Ich wusste nicht, was das alles bedeuten sollte, aber Vater und Onkel Maffeo schienen zu wissen, was uns erwartete.

Und tatsächlich, nachdem wir den schweißtreibenden Weg bis auf diesen Hügel hinauf endlich geschafft hatten, standen wir auf der Kuppe und staunten nur. Ich war so verblüfft und rieb mir erst einmal die Augen. Vor uns breitete sich eine weite, sanfte Ebene aus, durchsetzt von weiteren Sandhügeln und Felsbrocken. Doch hier wuchs saftig grünes Gras und ein glitzernder Bach schlängelte sich vor uns durch das Land. An den Ufern wuchsen sogar Bäume und Sträucher. Dort standen auch eine Reihe flacher Zelte, alle aus großen Stoff- und Filzplanen gefertigt. Ich sah Kinder und Hunde. Dazwischen waren Frauen bei der Arbeit zu sehen und auf den Weiden ringsum grasten zahlreiche Schafe, Ziegen, Pferde und auch Kamele. Das war das Lager der vier Reiter und Heimat ihres Stammes.

Als wir bei den Zelten anlangten, liefen die Bewohner zusammen und begrüßten uns mit fröhlichem Rufen. Die Kinder schienen eher Angst vor uns zu haben, denn sie hielten sich an den Kleidern ihrer Mütter oder älteren Geschwister fest und betrachteten uns mit großen, staunenden Augen.

Dann begrüßte uns der Älteste, der auch der Anführer war. Johannes, der all die Zeit immer sehr wachsam gewesen war, wurde genauso höflich begrüßt, obwohl er als Einziger von uns mit einem Schwert bewaffnet war. Man lud uns ein, hierzubleiben. Und genau das taten wir auch. Somit waren wir Gäste dieses Nomadenstammes.

Sie waren Viehzüchter und verbrachten ihr Leben damit, ihren Herden auf der Suche nach den besten Weidegründen zu folgen. War eine Gegend abgeweidet, brachen sie ihre Zelte ab und packten sie auf ihre Kamele. Dann machten sie sich auf den Weg zu neuem Weideland. Auch wenn ich mit meinem Vater, Onkel Maffeo und dem Ritter schon seit Monaten durch die Welt reiste, war das Leben, wie es diese Nomaden lebten, doch ganz anders und neu für mich. Einerseits fand ich es aufregend. Aber wenn ich mir vorstellte, dass diese Menschen niemals in ihrem ganzen Leben in einem richtigen Haus lebten, sondern immer nur in ihren Zelten! So kannten sie ja auch keine Kirche, keinen Marktplatz und sie blieben niemals lange an einem Ort. Das alles verwunderte mich sehr, aber ich war neugierig und wollte alles über diese Menschen erfahren.

Nach ein paar Tagen hatten sich unsere Gastgeber auch daran gewöhnt, dass wir ihnen Geschichten aus unserer Heimat erzählten. Der Dorfälteste lud uns jeden Abend zu sich in sein Zelt ein. Kaum waren wir dort, bot man uns weiche Plätze auf großen Kissen an. Dann drängten sich weitere Männer herein. Erst in der zweiten Reihe durften sich die Frauen niederlassen. Es war ihnen nicht erlaubt, mit den Männern zusammenzusitzen, selbst wenn sie verheiratet waren. Dazwischen drängten sich die Kinder, die in die Arme ihrer Mütter gekuschelt dasaßen und zuhörten.

Mein Vater erzählte ihnen, dass wir aus Venedig kamen. Er sprach immer ganz langsam, und wenn die Leute ihn einmal nicht verstanden, versuchte er das, was er sagen wollte, mit den Händen vorzumachen. Das verstanden sie meistens und manchmal war das auch sehr komisch. Dann mussten alle lachen.

10. Kapitel

NACH EIN PAAR TAGEN Aufenthalt im Lager der Nomaden war es an der Zeit für uns, wieder aufzubrechen und weiterzureisen.

Der Anführer dieses Stammes, der Scheich*, hatte uns sehr freundlich verabschiedet, und zu unserem Abschied gab es ein großes Festessen, bei dem es gebratenes Fleisch und warmes Fladenbrot, frisch auf heißen Steinen gebacken, gab. Dazu tranken wir Uksima. Das ist ein Getränk, das aus Wasser, Essig und Honig gemacht wird. Es erfrischt sehr und schmeckt nicht wirklich süß, aber auch nicht richtig sauer. Angeblich haben es griechische Krieger auf dem Feldzug von König Alexander vor langer Zeit hierhergebracht.

Nun waren wir wieder unterwegs und folgten der Handelsstraße, die nach Hormus führte.

Das würde noch Wochen dauern, aber im Augenblick kamen wir gut voran. Es gab genug saftiges Gras für die Maultiere und auch mit dem Wasser mussten wir nicht sparsam umgehen.

Aber so blieb es nur die erste Woche. Dann wurde es von Tag zu Tag schlechter. Wir schafften kaum noch große Wegstrecken. Am Anfang erschien uns das nicht so schlimm, schließlich hatten wir es nicht eilig. Ob wir ein paar Monate früher im Land des Khan eintrafen oder etwas später, war nicht so wichtig. Hauptsache, wir kamen an. Heil und gesund.

Dass sich unsere Reise mit jedem Tag immer mehr verzögerte, lag an unseren Maultieren. Der Weg war steinig und oft von großen ausgetrockneten Senken durchsetzt. Da lagen große Steinbrocken im Weg. Meistens konnten wir um sie herumgehen, aber manchmal mussten wir ihnen ausweichen. Beides behagte den Maultieren gar nicht. Bei den Steinen gingen sie sehr langsam und vorsichtig, im Sand sanken sie mit ihren Läufen immer wieder tief ein und wurden müde. Ging das Leittier an der Spitze dann langsamer, machten ihm dies die übrigen Tiere nach. Wir hatten beinahe fünfzig Maultiere und jeder von uns war für wenigstens zehn verantwortlich.

Die Geröllfelder ringsum wurden immer größer.

Ihnen auszuweichen, war kaum noch möglich. Einmal haben wir es probiert und sind einen Umweg gegangen. Das war schlecht, denn der Weg wurde noch unwirtlicher. Dabei hätten wir uns beinahe noch verirrt. Nein, es war besser und viel sicherer, auf der Handelsstraße zu bleiben. Auch wenn es längst keine Straße mehr war, sondern nur ein von vielen Karawanen benutzter Weg.

Leider begannen die Maultiere, sich auf dem steinigen Boden kleine Steine in ihre Hufe einzutreten. Diese Steine, scharf wie Glassplitter, zerschnitten allmählich unsere Schuhe und quälten die Maultiere. Alle hatten an den Läufen kleine Verletzungen, die immer wieder bluteten und Scharen von Fliegen anzogen. Dauernd mussten wir anhalten, weil wir irgendeinem Tier die Hufe säubern oder die Wunden versorgen mussten. Dazu rührten wir einen Brei aus etwas Essig, Wasser und Lehm an, in den Onkel Maffeo ein wenig Honig gab. Das würde die Heilung beschleunigen, sagte er. So war es auch, aber wenn wir eine Verletzung versorgt hatten, entdeckten wir bei einem anderen Maultier eine neue Wunde. Und jedes Mal, wenn wir anhalten mussten, um wieder eines der Tiere zu versorgen, hielten auch die Übrigen an. Das hielt die ganze Karawane auf.

Die ersten Tage befahl mein Vater, dass die Übrigen mit ihren Tieren weiterziehen sollten. Die zurückgebliebene Gruppe sollte die Vorausziehenden dann später wieder einholen. Da wir recht langsam dahinzogen, sollte dies leicht möglich sein. Also machten wir es genauso, wie er vorgeschlagen hatte.

Aber Vaters Idee war dann doch nicht so gut.

Als ich mit meinen Tieren einmal zurückfiel, um gleich drei Maultiere an einem Vormittag zu versorgen, verlor ich die anderen völlig aus den Augen. Auf einmal war ich ganz allein. Rings um mich her war nichts außer der endlos weiten Landschaft, trockene graue Erde, nur manchmal von ein paar grünen Weideflächen unterbrochen. Es gab hier keine anderen Karawanen und keine Hirten mit ihren Viehherden.

Nur ein paar Geier kreisten weit über mir in der Luft. Aber das kannte ich schon. Sie warteten, ob eines der Tiere vielleicht als Mittagsmahl herhalten konnte. Als ich die Karawane dann nach Stunden wieder eingeholt hatte, waren alle Maultiere erschöpft und ich auch. Durch das schnelle Marschieren hatten sich dann wieder einige Tiere verletzt. Sie lahmten stark und wollten nicht mehr weitergehen. Es war wie verhext.

Vater ärgerte sich über mich.

Er wollte mir nicht glauben, dass ich so lange gebraucht hatte, um ihn, Onkel Maffeo und Johannes wieder einzuholen. Vor allem weil sie in der gleichen Zeit selber einige Male anhalten mussten, um die Hufe ihrer Tragtiere zu versorgen und sie trinken zu lassen. Vater glaubte, ich hätte getrödelt und sei deshalb erst so spät wieder da. Aber ich versicherte ihm, dass dies nicht stimmte. Doch er grollte nur weiter vor sich hin. Dazu muss man wissen, dass mein Vater nie streng mit mir gewesen war. Er schimpfte mich nicht, nicht einmal als ich noch ein Kind war. Seit dem ersten Tag unserer Reise hatte er mich immer wie einen Erwachsenen behandelt. Doch dafür war mein Vater streng mit sich selbst. Er mochte keine Jammerei, Wehleidigkeit duldete er schon gar nicht. War es kalt oder heiß, dann war es eben so. Darüber jammern macht es nicht besser, sagte er immer. Das war seine Einstellung. Doch am schlimmsten war es für meinen Vater, wenn man seine Zeit mit Nichtstun vertrödelte. Faulheit war ihm zuwider. Er wollte immer, dass man etwas Nützliches machte. Er sagte, sonst würde man dem lieben Gott den Tag stehlen. Wenn wir uns unterwegs ausruhten, war das in seinen Augen aber durchaus nützlich. Schließlich kamen wir dabei zu Kräften und konnten dann wieder erfrischt weiterziehen.

Später dann, am Abend, sah er doch noch ein, dass ich an der Trödelei der Maultiere nicht schuld gewesen war. Er entschuldigte sich und umarmte mich dann. Ich glaube aber, dass er sich um mich einfach nur Sorgen gemacht hatte. Schließlich waren die Handelsstraßen nicht ungefährlich, und als wir aus dem Lager der Nomaden aufbrachen, wurden wir vor Straßenräubern gewarnt.

Trotzdem, an diesem Abend waren wir alle irgendwie gereizt. Wir schimpften über die langsamen Maultiere, die öde Gegend, den Staub, die Steine, ja eben über alles. Zuletzt, als wir die Tiere abgeladen und unser Nachtlager aufgeschlagen hatten, waren wir nur noch müde und niedergeschlagen.

»So geht das nicht weiter«, begann Onkel Maffeo und warf ein Stück Holz ins Lagerfeuer. »Wir kommen kaum noch voran und unsere Vorräte werden nicht mehr lange halten.«

Johannes sagte nichts, aber Vater nickte als Bestätigung. »Du hast Recht, Maffeo.«

Da mein Vater jetzt nichts mehr dazu sagte, sondern schwieg, sprach Johannes weiter. »Maultiere sind für diese Gegend nicht geeignet. Entweder sinken sie im Sand ein oder die Steine verletzen sie. Sagt, wird die Straße nicht bald besser?«

Vater und dann auch Onkel Maffeo schüttelten beide den Kopf.

Johannes blickte uns der Reihe nach an. »Nicht mehr lange und die ersten Tiere werden sich ein Bein brechen. Dann müssen wir die Waren auf die anderen Maultiere verteilen. Ihr wisst, was das heißt, Ihr Herren?«

Vater nickte wieder nur. Natürlich wusste er es. Wir alle wussten, was dies bedeutete: So schwer bepackte Maultiere würden noch langsamer gehen. Die Reise bis Hormus konnte dann noch viele Wochen dauern. So lange würden unsere Vorräte auf keinen Fall mehr reichen. Vielleicht trafen wir auf eine andere Karawane und konnten von ihnen was zu Essen tauschen. Aber darauf verlassen wollten wir uns lieber nicht. Seit wir vor mehr als einer Woche die Nomaden verlassen hatten, war uns niemand sonst begegnet.

»Wir brauchen Kamele«, sagte Onkel Maffeo auf einmal.

Vater seufzte tief: »Ich weiß, Bruder, ich weiß. Aber woher nehmen? Hier in dieser Gegend gibt es wohl Dörfer, wo man welche kaufen könnte. Aber wir müssten dafür die Maultiere eintauschen. Doch wer will die hier haben? Wahrscheinlich niemand.«

Er schüttelte den Kopf, und ich wusste, wie recht er hatte. Vater sah über das Lagerfeuer auf die Ebene hinaus. Die Nächte hier waren angenehm mild, es roch nach Erde, manchmal nach irgendwelchen Blüten, und ein leiser, angenehmer Wind kühlte die Nächte.

»Wir gehen nur noch in der Morgendämmerung, wenn es noch kühl ist«, begann Vater, »da sind die Tiere noch frisch und ausgeruht. Tagsüber halten wir da an, wo es genug Weidegrund und Wasser gibt. So schonen wir die Tiere. Und uns auch. Bis Hormus kann es nicht mehr so weit sein. Dort verkaufen wir die Maultiere zu jedem vernünftigen Preis und nehmen für die weitere Reise ein Schiff.«

Damit waren wir alle einverstanden. Nur Johannes zögerte noch.

»Ihr Herren«, begann er höflich, »wenn wir in Hormus sind, werde ich nicht weiter mit Euch kommen.«

Diese Eröffnung traf uns ganz überraschend.

»Aber warum, Herr Johannes, Ihr wolltet doch bis nach Täbris?«, fragte Onkel Maffeo.

»Das stimmt schon ...« Johannes zögerte, bevor er weitersprach. »Glaubt mir, ich wäre sehr gerne mit Euch weitergereist.«

»Und was hindert Euch daran?«, fragte ihn Vater.

»Mein Geldbeutel«, meinte Johannes, »der ist nämlich leer. Nun, eigentlich war er schon leer, als ich Euch damals, kurz vor Aleppo, ansprach.«

»Na und?«, entgegnete mein Vater. »Was macht das schon?«

Johannes lachte. »Herr Polo, eine Reise auf dem Schiff kostet Geld. Das hab ich nicht.«

»Aber Johannes, Ihr seid unser Gefährte. Ihr habt uns geholfen und wir danken Euch dafür. Und wir vertrauen Euch. Macht Euch ums Geld mal keine Gedanken. Seht selbst, wie es uns gerade geht. Wir brauchen Euch. Nur zusammen können wir unser Ziel erreichen.«

Onkel Maffeo und ich nickten zustimmend bei dem, was Vater gesagt hatte. Trotzdem bekam ich ein wenig Herzklopfen, als ich Johannes sah, wie er um eine Antwort nachdachte. Ich muss sagen, ich konnte ihn gut leiden. Die Vorstellung, dass er uns verlassen wollte, behagte mir nicht. Doch zuletzt nickte er, lachte erst und sagte dann ganz feierlich: »Es ist mir eine Ehre, mit Euch zu reisen. Der Herr unser Gott nehme niemals seine schützende Hand von Euch. Amen.«

»Amen«, murmelten wir und beeilten uns, ein Kreuzzeichen zu machen.

Ich sah, dass Johannes ein bisschen verlegen war. Er rollte sich schnell in seine Decke. Wir folgten seinem Beispiel und schliefen gleich ein.

11. Kapitel

KAUM WAR AM nächsten Morgen die Sonne aufgegangen, waren wir wieder unterwegs.

Noch war es kühl und damit angenehm zu gehen. Wir trieben die Maultiere nun ordentlich an, auch wenn sich die Tiere bald wieder Steinchen in die Hufe eintraten. Dafür hielten wir erst an, als die Sonne immer heißer brannte. Dann schlugen wir in einer grünen Senke unser Lager auf und ließen alle Tiere zum Grasen frei. Erst jetzt untersuchten wir mit Ruhe die Maultiere, die gelahmt hatten, und versorgten sie sorgfältig.

Das taten wir dann jeden weiteren Tag.

Von da an ging die Reise etwas schneller weiter. Immer wenn wir am Morgen aufgebrochen waren, marschierten wir einige Stunden lang mit unserer Karawane dahin, bis es allmählich heiß wurde. Dann suchten wir uns einen schönen Platz zum Rasten. Dies ging noch weitere drei Tage lang. Wieder trafen wir in all der Zeit keine Menschenseele. Dies beunruhigte uns allmählich sehr; besonders meinen Vater und Onkel Maffeo. Die beiden waren sich zwar sicher, dass dies noch der richtige Weg nach Hormus war, und doch sahen wir keine andere Karawane, weder vor noch hinter uns.

Als wir an diesem Tag zu einer Rast anhielten, brannte die Sonne bereits heiß vom Himmel. Wir fanden aber einen besonders schönen Platz unweit der Straße. Wie ein kleines Tal lagen grüne Weiden links und rechts eines kleinen Sees, in den ein kleiner Bach floss. Dort war es kühl. Der See war gar nicht tief. Ich watete bis in die Mitte hinein und das Wasser reichte mir nicht einmal bis an die Knie. Das Wasser war lauwarm und hatte die Farbe der braunen Erde ringsum. Aber es roch nicht unangenehm und wir konnten es über einem Stück Stoff filtern und trinken.

Der Blick reichte weit übers Land.

Wieder einmal war es Johannes, dessen scharfe Augen es zuerst entdeckten. Als Krieger war er ja immer wachsam und so deutete er mit der Hand zu einem fernen Punkt am Himmel. Da sahen wir es auch. In der Luft kreisten schwarze Punkte. Das mussten Vögel sein, aber da sie weit weg waren, konnte man ihre Größe nicht genau erkennen.

»Das sind Geier«, sagte er und beobachtete den fernen Himmel. »Da drüben ist irgendwas.«

»Vielleicht ein verendetes Tier«, meinte Onkel Maffeo, der sich die Hand an die Stirn gelegt hatte und auch angestrengt in den strahlend blauen Himmel blickte.

»Nein«, antwortete Johannes, »dafür sind zu viele Totenvögel in der Luft.«

Geier kannten wir nur als Totenvögel. In diesen Gegenden waren diese Vögel überall dort anzutreffen, wo es auch Menschen gab. Sie fraßen alles, was übrig blieb und niemand mehr wollte. Abfälle und Unrat.

»Aber was kann dort sein?«, wollte Vater wissen. »Hier ist doch niemand.«

»Das ist es ja, was mich sorgt«, begann Johannes, »seit mehr als einer Woche haben wir niemanden getroffen, obwohl wir uns auf einer Handelsstraße befinden. Kommt Euch das nicht seltsam vor?«

»Nun«, begann Vater ein wenig zögernd, »auf diesen Straßen geht es zu manchen Zeiten ruhiger zu, dann wieder nicht. Wie wir schon sagten, Maffeo und ich haben das schon auf einer früheren Reise erlebt.«

Johannes blickte noch immer angestrengt auf die kreisenden Punkte am Himmel. »Ich werde nachsehen.«

»Nehmt Ihr mich mit, Herr Johannes?«, fragte ich gleich.

»Marco!«

Das war die Stimme meines Vaters. Ich bemerkte ja bereits, dass er sich immer ein wenig Sorgen um mich machte. Aber ein Kaufmann, der mit der Welt Handel treibt, darf nicht ängstlich sein. Das war ein Gebot in unserer Familie, das schon mein Großvater an seine Nachkommen weitergegeben hatte. Ich sah meinen Vater an und merkte, wie er zögerte.

»Bitte Papa!«

Ich sagte Papa statt Vater zu ihm. Das war im Italienischen ein Kosename. Sonst musste man seinen Vater nämlich immer mit Vater anreden, das gehörte sich so. Meine Freunde zu Hause mussten zu ihrem Vater sogar Herr sagen. So verlangte es die Sitte bei uns zu Hause.

»Bitte lass mich mitgehen«, sagte ich noch einmal.

Da lachte er. »Also gut, du platzt ja gleich vor lauter Neugier. Aber du weißt, bis dahin ist es eine Weile zu gehen. Denk daran und teil dir deine Kräfte ein.«

Ich versprach es ihm.

Johannes ließ sein Kettenhemd zurück, genau wie seinen Helm. Er behielt nur sein Wams, mit dem Knierock darüber, an. Dann nahm er zwei große Wasserbeutel und sein Schwert, verschnürte alles zu einem Bündel und warf es sich wie einen Rucksack auf den Rücken. Ich nahm meinen langen Wanderstock und einen Wassersack mit. Vorher band ich mir mein Kopftuch neu und tränkte es ordentlich mit dem Wasser aus dem Bach.

Dann brachen wir auf.

Wir schritten beide über eine weite, steinige Ebene.

Obwohl wir tüchtig marschierten, hatte ich den Eindruck, dass wir überhaupt nicht vorankamen. Das hatte ich schon öfter erlebt. Das lag sicher an der heißen Luft. In der Ferne erschien uns der Horizont beinahe flüssig. Er flimmerte, und ich konnte nicht erkennen, was dort lag. Aber eines war sicher. Es war weit. Und heiß. Ich wollte schon bald etwas trinken, aber Johannes trank noch nichts. Da ließ ich es lieber sein und dachte mir, das Wasser einzuteilen. Ich wusste ja nicht, wie lange wir noch unterwegs sein würden.

Es dauerte eine ganze Weile, bis die Gegend allmählich hügeliger und sandiger wurde. Dann hatten wir das letzte Stück Weg vor uns, einen sanften Hügel, auf den wir hinaufstiegen. Die Vögel über uns waren nicht weniger geworden. Ich konnte sie nun gut erkennen, denn es waren immer mehr dazugekommen. Es waren tatsächlich Geier mit braunem Gefieder. Als ich fast an der Spitze des Sandhügels angekommen war, wollte ich die letzten Schritte bis zum Rand hin schneller gehen, aber da war Johannes plötzlich neben mir und packte mich am Arm.

»Langsam«, sagte er und legte sich auf den Bauch und zog mich dabei mit. »Nicht so schnell.«

»Warum? Was ist los?«

»Vorsichtig sein«, raunte er mir zu, und er hatte Recht.

Wir wussten ja nicht, was uns hinter dem Sandhügel erwartete. Das Geschrei der Vögel über uns war lauter geworden. Die Geier stürzten sich mit lautem Flügelschlagen vom Himmel und verschwanden unterhalb des Hügels. Die letzten Schritte krochen wir auf dem Bauch. Was ich dann da unten sah, hätte ich lieber nicht sehen wollen!

Da lag ein kleines, fast rundes Tal, umgeben von großen Sandhügeln. Unten, auf dem Boden, lagen, ganz verstreut, die Reste einer Karawane. Tote Kamele, die von den Geiern gerade aufgefressen wurden. Auch ein paar Zelte standen da, fast nur noch in Fetzen. Aber keine Menschenseele weit und breit. Mehr konnte ich nicht erkennen. Ein ganz scheußlicher Gestank kam zu uns herauf. Johannes richtete sich ein wenig auf und legte den Rest seiner Sachen neben sich auf den Boden. Dann zog er sein Schwert.

»Ich gehe hinunter und sehe nach, was da passiert ist. Du bleibst hier. Wenn dir was seltsam vorkommt, dann rufst du mich gleich, verstanden?«

Ich nickte nur, denn ich bekam kein Wort heraus. Der faulige Gestank, dazu das Geschrei der Vögel über uns, dieser Anblick dort unten, das alles war zu schrecklich.

Johannes schlich den sandigen Abhang hinunter, und ich sah ihn immer kleiner werden, bis er zwischen den paar Zelten verschwunden war.

Ich blickte mich um. Hier oben, ganz allein, die hungrigen Vögel über mir, dazu die Hitze. Nein, mir war gar nicht wohl zumute. Ich beschloss, lieber auch hinunterzugehen. Natürlich, Johannes hatte zwar gesagt, ich sollte hier auf ihn warten. Aber wer weiß, vielleicht brauchte er mich sogar? Also ging ich vorsichtig den sandigen Abhang hinunter, alle Wasserbeutel auf dem Rücken. Unten angekommen, war der Gestank besonders schlimm. Ich musste mir die Hand vor die Nase halten.

Die graubraunen Geier hüpften auf dem Boden herum und ließen sich bei ihrem schaurigen Mahl durch mich nicht stören. Ich schlich näher an eines der Zelte heran und da fand ich Johannes. Aber ich stand fast schon hinter ihm, als er mich erst bemerkte. Blitzschnell fuhr er herum und richtete sein Schwert auf mich. Erst als er mich erkannte, ließ er es wieder sinken.

»Marco!«, fauchte er. »Du hast mir einen Schreck eingejagt. Hab ich dir nicht gesagt, du ...«

»Ja, ich weiß, Herr Johannes«, unterbrach ich ihn.

Er seufzte tief, richtete sich ein wenig auf und blickte sich um.

»Was ist hier passiert?«, wollte ich wissen.

»Wahrscheinlich eine Handelskarawane, so wie wir. Räuber haben sie überfallen, ihnen die Waren gestohlen und alle mit sich genommen.«

»Allmächtiger Gott im Himmel«, flüsterte ich, »und was geschieht mit den verschleppten Leuten?«

»Sklaven«, antwortete Johannes kurz, »sie werden in die Sklaverei verkauft. Ein Schicksal, das uns auch blüht, sollte man uns überfallen.«

Er blickte sich noch einmal um. »Wir sollten sehen, dass wir von hier verschwinden. Wir müssen schnell weiter zur Küste. Nur dort sind wir sicher.«

»Und das hier? Die Zelte und ...?«

Ich deutete mit der Hand um mich. Johannes schüttelte nur den Kopf.

»Die Zelte wird der Wind zerstören. Den Rest erledigen die Geier.«

12. Kapitel

WIR ERREICHTEN unsere Karawane erst am Abend wieder.

Wir berichteten, was wir gesehen hatten. Danach blieben wir alle still und nachdenklich. Ich glaube, jeder von uns stellte für sich fest, wie viel Glück wir bisher gehabt hatten. Sehr bald legten wir uns zur Nachtruhe nieder und wachten in dieser Nacht besonders aufmerksam über den Schlaf der anderen. Als ich an die Reihe kam, lauschte ich sehr lange angestrengt, immer damit rechnend, dass irgendwelche Gestalten aus der Dunkelheit kamen, um uns zu überfallen. Ich war heilfroh, als mich Johannes ablöste und ich unter meine Decke schlüpfen konnte. Da war ich bereits so müde, dass ich gleich einschlief.

Am nächsten Morgen brachen wir erneut sehr früh auf.

Als es dann wieder richtig heiß wurde, erkannten wir in der Ferne am Horizont ein dunkles Band. Das war das Arabische Meer. Jetzt änderte sich auch die Gegend und es gab sogar Palmenwälder und Gras ringsum. Noch am gleichen Abend erreichten wir Hormus oder Bandar Abbas, wie die Stadt auch genannt wurde.

An die folgenden Tage habe ich ganz genaue Erinnerungen.

Wir wollten eigentlich mit einem Segelschiff weiterreisen. Immer an der Küste entlang sollte es uns bis nach Indien bringen. Es hieß nämlich, dass es dort ebenfalls Handelswege gab, die bis nach China führten. Doch Indien kannten weder mein Vater noch mein Onkel. Johannes meinte gar, dass es Indien gar nicht wirklich gäbe. Das Land sei bloß ein Märchen.

Aber die arabischen Kapitäne versicherten uns, dass es sehr wohl ein Land mit dem Namen Indien gab. Sie versicherten uns auch, den Weg dorthin zu kennen. Mehr noch, sie wären noch viel weiter gesegelt. Aber Vater wie auch Onkel Maffeo trauten diesen Berichten nicht recht.

Doch ich muss der Reihe nach berichten: Bald nach unserer Ankunft kamen wir in einer Herberge unter. Die nannte man hier Chan und in einem solchen Chan gab es Platz für die Maultiere und die Handelsware, Schlafplätze für uns und sogar zu essen und zu trinken. Die Leute waren sehr freundlich und die Preise nicht zu hoch.

Als wir dann später zum Hafen wanderten und uns dort einmal die Handelsschiffe genauer betrachteten, wurden wir sehr nachdenklich. Die Araber nannten ihre Schiffe Dhau. Lange schlanke Segler, mit einem, manchmal auch zwei Masten. Diese Schiffe waren viel kleiner als die Kogge, mit der wir bis Akkon gekommen waren. Manche dieser Dhaus sahen aus, als würden sie beim ersten Windstoß auseinanderbrechen. Die Schiffe waren angeblich ohne einen einzigen Eisennagel zusammengebaut. Alles war mit Schnüren aus Hanf oder Leder zusammengebunden und befestigt. Auch gab es keine Kammern unter Deck, die man abschließen konnte. Unsere ganzen Waren würden nie und nimmer alle auf einer Dhau Platz finden. Vater blieb skeptisch und auch Onkel Maffeo schüttelte immer wieder zweifelnd den Kopf. Nein, irgendwie waren diese arabischen Segelschiffe einfach nichts für uns. Aber Handelsschiffe mit christlichen Seefahrern, wie in Konstantinopel oder in Akkon, gab es hier überhaupt nicht.

Nach langem Überlegen beschlossen wir, doch lieber auf dem Landweg weiterzureisen.

Die Seidenstraße, die von Bandar Abbas weiter bis nach Persien führte, kannte Vater noch von einer früheren Reise. Die Leute auf dem Markt erklärten uns, dass Scheich Nuraddin Ali Ibn Ali, den alle nur den »Herrn der Seide« nannten, auch in diese Richtung wollte. Er hätte sicher nichts dagegen, wenn wir zusammen mit ihm und seiner Karawane reisten.

Also stellten wir uns dem Seidenhändler vor.

Der Scheich hatte ein freundliches Gesicht und trug ein Tuch auf dem Kopf, wie es hier Sitte war. Er hatte einen langen weißen Bart und wollte mit all seinen Männern, etwa 6o Kamelen, Zelten und Waren durch die arabische Wüste bis fast an die Grenze zum Pamirgebirge. Mein Vater fragte ihn, ob wir uns seiner Karawane anschließen dürften. Er schien sehr erfreut über unsere Frage zu sein und lud uns gleich ein, mit ihm und seiner Karawane zu kommen. Wir mussten uns nur eigene Tragtiere beschaffen.

Ich war mir ganz sicher, dass er auf uns Christen aus dem Abendland neugierig war. Insgeheim freute er sich wohl schon auf die Geschichten und Berichte aus unserer Heimat. Das konnte man ihm bei dem Gespräch mit meinem Vater richtig ansehen. Aber warum auch nicht? Ich war genauso neugierig auf die zahlreichen Geschichten und Erzählungen der Araber. Meine arabischen Sprachkenntnisse waren bereits recht gut, denn Johannes, der gut Arabisch sprach, hatte mir unterwegs viel beigebracht. So verstand ich bereits eine ganze Menge und konnte auch gut sprechen. Eifrig lernte ich jedes neue Wort dazu. Den Leuten hier machte es Freude, wenn sie merkten, dass ich mich in ihrer Sprache mit ihnen unterhalten wollte. Dann halfen sie mir und so lernte ich schnell immer besser Arabisch. Bis heute kann ich diese Sprache gut sprechen.

13. Kapitel

ALS ERSTES WOLLTEN wir unsere Maultiere verkaufen.

Wir suchten uns einen Platz auf dem Viehmarkt von Bandar Abbas und boten unsere Tiere an. Allerdings immer nur ein, zwei Stück. Das Verkaufsgespräch dauerte jedes Mal sehr lange. Das kam so: Zuerst muss man wissen, dass Araber für ihr Leben gerne handeln. Deshalb darf man hier niemals einfach sagen, was man für eine Sache haben will, sondern man muss lange darum herumreden. Tut man das nicht, bringt man sie um ein Vergnügen. Handel treiben ist für die Menschen hier natürlich ein Beruf, aber eben auch ein Vergnügen. Und wie das vor sich geht, musste man erlebt haben.

Wir boten zum Beispiel eine kräftige, gesunde Maultierstute an, die sich von der langen, anstrengenden Reise wieder gut erholt hatte. Einer der arabischen Viehhändler zeigte Interesse an der Stute. Er ging ein paar Mal um sie herum, prüfte Hufe, Fell und Zähne und setzte sich dann mit uns zusammen in den Schatten. Er kraulte sich seinen Bart, verzog den Mund, dachte nach, und dann fragte er überaus freundlich, ob er uns zu einer Süßigkeit einladen dürfte. Wir sagten Ja und da ließ er durch einen Diener Harisa anbieten. Das war ein Gebäck aus Mehl, geschmolzenem Fett und Zucker. Der Diener stellte uns eine große Schale voll mit dieser Leckerei hin und zog sich zurück. Dann mussten wir der Reihe nach kosten, und ich muss sagen, es schmeckte sehr gut. Dann fragte uns der Händler, was wir für dieses Maultier haben wollten. Mein Vater sagte ihm einen Betrag.

Daraufhin begann der Händler zu lächeln und antwortete: »Lieber Herr, Ihr selbst und Eure Familie sollen gesegnet sein, aber das ist ein stolzer Preis, den Ihr da nennt. Dafür bekomme ich beinahe zwei von diesen Tieren und ich will doch nur dieses eine da haben.«

Er deutete dabei mit der Hand auf die Stute, die im Schatten neben einer Palme wartete und dabei genüsslich ihr Futter kaute.

»Ich gebe Euch 26 Dirham.«

Ich sah, wie Vater schluckte, und auch ich musste für einen Moment die Luft anhalten. Das war viel zu wenig!

Vater antwortete dem Mann: »Mein lieber Herr, dieses Tier ist stark und ausdauernd. Es hat unsere Waren durch das ganze weite Land von Erzurum bis hierher getragen. Es wäre eine Sünde, wenn ich es für diesen Betrag hergeben würde.«

»Aber lieber Herr«, begann der Händler, »Ihr sagt, den weiten Weg von Erzurum bis hierher? Dann ist das Vieh müde und schwach. Da sind 26 Dirham doch viel Geld.«

»Nein, mein Herr«, antwortete mein Vater, »Ihr habt sie Euch doch selbst gerade angesehen. Die Stute ist frisch und ausgeruht, außerdem gesund. Keine Verletzungen, keine Krankheiten. Weil sie ausdauernd und stark ist, muss ich wenigstens 40 Dirham dafür haben.«

»Oje, oje«, begann der Händler lautstark und zerrte an seinem Bart, »das ist zu viel. Ja, viel zu viel!«

Er schüttelte den Kopf, wollte sich schon von seinem Platz erheben, aber dann blieb er doch sitzen. Er wandte den Kopf und sah sich die Stute noch einmal an. Dann blickte er zu meinem Vater und sagte: »Ich gebe Euch 30 Dirham.«

»Es freut mich, mein Herr, dass Ihr erkennt, dass es für 26 Dirham kein so prächtiges Maultier wie dieses hier gibt«, antwortete mein Vater freundlich. »Wenn Ihr mir 38 Dirham gebt, gehört sie Euch.«

»38?!«, kreischte der Händler jetzt beinahe. »Allah, unser Herr sei mir gnädig. Ihr bringt mich um mein Geschäft. Ja, Ihr ruiniert mich. Ich habe drei Frauen und zwölf Kinder. Und alle leben unter meinem Dach. Wisst Ihr, was mich das kostet? Wie soll ich Nahrung für sie kaufen und sie kleiden, wenn ich für ein ganz einfaches Maultier so viel Geld bezahlen soll?«

Jetzt machte der Händler ein bekümmertes Gesicht. Er tat mir fast leid. Aber ich wusste natürlich, auch das gehörte zum Geschäft. Inzwischen waren immer mehr Menschen, Händler und neugierige Zuschauer, näher gekommen. Sie umstanden uns in einem Halbkreis und hörten der Geschäftsverhandlung aufmerksam zu. Christliche Händler waren hier immer etwas Besonderes.

Der Viehhändler blickte erst Vater, dann Onkel Maffeo und mich an, zuletzt warf er einen Blick auf Johannes, der, sein Schwert neben sich, mit verschränkten Armen unsere Waren bewachte.

»Ich werde ein schlechtes Geschäft machen und Ihr ein gutes«, sagte der Mann. »Aber sei's drum, ich gebe Euch 32 Dirham für diese Stute.«

Er lächelte meinen Vater an. Der lächelte freundlich zurück und sagte: »Gebt mir 35 Dirham, edler Herr, und alle sind zufrieden.«

»Wie soll ich da zufrieden sein? Da zahle ich ja drauf«, entgegnete der Händler und wedelte dabei mit beiden Händen in der Luft herum. »Nein! Lasst sie mir für dreiunddreißig und ich preise Euren Namen in all meinen Gebeten.«

Wieder wartete er auf eine Antwort meines Vaters und wieder lächelte er dabei. »Also gut, einverstanden. 33 Dirham.«

Der Händler lächelte verschmitzt.

Er und mein Vater reichten sich die Hand und damit war das Geschäft besiegelt und gültig. Die Leute ringsum klatschten in die Hände und begannen dann darüber miteinander zu reden, wer nun wirklich ein gutes Geschäft gemacht hatte. Während der Händler die Münzen aus seiner Börse zählte, wurde uns von seinem Gehilfen ein heißes, kräftig schmeckendes Gebräu serviert. Sie nannten es Tee und kochten ihn aus winzigen, getrockneten Blättern. Sie süßten ihn mit ein wenig Honig. Mir schmeckte dieser Tee sehr gut. Man konnte ihn auch kalt trinken, aber heiß löschte er den Durst am besten. Dazu wurden uns Datteln serviert. Die aß man hier als Süßigkeit, und noch immer verspüre ich den Geschmack der Datteln in meinem Mund, wenn ich nur daran denke.

So kaufte dieser Händler ein Maultier nach dem anderen.

Bei jedem Tier war es dasselbe: Immer hatte er etwas auszusetzen, um einen geringeren Preis zu rechtfertigen. Aber Vater hielt sich gut. Am Nachmittag durfte ich ihn dann ablösen und selbst einige Tiere verkaufen, denn in dieser Zeit wollte mein Vater sich ein wenig ausruhen. Das sagte er mir, aber tatsächlich wollte er mir Gelegenheit geben zu zeigen, wie gut ich als Händler eine Ware verkaufen konnte. Noch dazu in einem fremden Land und in einer fremden Sprache. Ich war zuerst ein wenig aufgeregt, aber es machte mir viel Spaß.

Zum Schluss hatten wir dann doch alle Maultiere, samt den Gepäcksätteln und dem Zaumzeug, verkauft. Ich war besonders stolz darauf, dass ich einige Tiere recht gut verkauft habe. Ich war sicher, dass wir kein schlechtes Geschäft gemacht hatten. Vater war jedenfalls zufrieden.

Am nächsten Tag waren wir wieder auf dem Viehmarkt.

Dieses Mal wollten wir aber keine Tiere mehr verkaufen, sondern selber welche kaufen. Wir wollten für die weitere Reise Kamele erwerben. Beinahe alles, was in den arabischen Ländern transportiert wurde, trugen sie auf ihren Rücken. Wir hatten auf unserer Reise bisher immer wieder Kamele gesehen. Doch zu dieser Zeit kam ich das erste Mal mit diesen Tieren näher in Berührung. Am Anfang fand ich, dass sie ein bisschen eingebildet dreinschauten. Aber was diese Tiere alles konnten, war schon erstaunlich. Angeblich liefen sie tagelang, ohne einen Schluck Wasser zu trinken, durch die Wüste. Erst wollte ich das nicht glauben und dachte, das ist nur eine der vielen Geschichten, welche die Araber sich gerne erzählen. Aber es war tatsächlich so. Wenn ein Kamel richtig ausgiebig getrunken hatte, trank es einige Tage lang nichts mehr. Keinen Schluck. Und es machte ihm nichts aus. Die Leute erklärten uns, dass die Kamele, wenn sie tranken, alles Wasser in ihren Buckel füllten, der wie ein großer leerer Wasserbehälter war. Das wollte ich aber nun doch nicht glauben, denn wenn man mit der Hand über einen Kamelbuckel streichelte, merkte man gar nicht, ob er leer oder voll war. Aber wie diese Tiere es wirklich anstellten, lange Zeit ohne Wasser auszukommen, kann ich bis heute nicht sagen. Dafür trugen sie aber ganze Berge von Waren oder ließen uns, auf ihrem Rücken sitzend, reiten.

Darauf freute ich mich besonders.

Das sah sehr aufregend aus, wenn die Männer hier auf einem Kamel ritten. Sie saßen auf der Spitze des Kamelrückens, die Beine nahe am Hals des Tieres verschränkt, und blickten stolz und würdevoll in die Runde. Nur mit einem kurzen Stock und einem Seil lenkten sie die Tiere. Das gefiel mir, und ich konnte es kaum erwarten, bis ich an die Reihe kam.

Doch das erste Mal auf dem Kamelrücken war ein solches Geschaukel, dass ich glaubte, ich wäre wieder an Bord der »Seekuh«. Das Kamel schritt mit mir auf dem Rücken im Kreis herum und das ging immer rauf und runter, wie auf einem Schiff. Ich hielt mich krampfhaft im Sattel fest, sonst wäre ich hinuntergefallen. Irgendwann wurde es dem Kamel dann zu bunt und es blieb einfach stehen. Das geschah ganz plötzlich, dass ich wirklich beinahe herunterplumpste. Die Araber lachten alle und noch mehr lachten Vater und der Ritter. Onkel Maffeo liefen sogar die Tränen runter, so sehr musste er lachen. Als ich dann endlich wieder sicher auf meinen Füßen stand, musste ich aber auch lachen. Von da an wollte ich lieber zu Fuß gehen. Aber später habe ich das Reiten auf einem Kamel doch noch gelernt und kann es recht gut.

Nach fünf aufregenden Tagen, die mit der Vorbereitung und dem Kauf unserer Kamele und der Ausrüstung wie dem Beladen der Waren ausgefüllt waren, brachen wir auf.

Wie die meisten Reisenden der Karawane gingen auch wir zu Fuß. Nur der Anführer und der Besitzer ritten jeder auf einem Kamel. Alle Tiere waren mit Handelswaren bepackt, nur die Jungtiere trugen einen leichten Sattel, aber ohne einen Reiter oder sonst eine Last. So wurden sie an spätere Lasten gewöhnt.

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Titel: Die abenteuerliche Reise des Marco Polo